Eilmeldung Hundedreck

Was lese ich da von fern auf der Tagesspiegel-Homepage: „Der Hundedreck soll weg.“ Wie jetzt, Berlin ohne Häufchen? Nicht wirklich: Ein „Pilotprojekt“ kommt, „Dog Service Stations“, ein Jahr lang in zwei Bezirken, damit „nicht ganz so viel Hundekot“ liegen bleibt, wie es im weiteren Text schon deutlich bescheidener heißt. Warum werden stattdessen nicht einfach hohe Bußgelder für rücksichtslose Hundebesitzer eingeführt und auch verhängt, wie in zivilisierten Städten – zum Beispiel London – schon lange selbstverständlich? Und was dann doch noch liegen bleibt, macht die Stadtreinigung weg, eigentlich auch selbstverständlich. Stattdessen: Stadtmöbel. Eine echt Berlinische Lösung.

 P.S.: Viele Grüße von meinem Berliner Freund Dirk. Der sitzt im Rollstuhl und freut sich besonders, wenn er durch die Scheiße fährt. Und leider wohnt er in keinem der beiden „Pilotbezirke“.

Hertha muss Jens Lehmann holen

Hertha BSC ist langweilig, Jens Lehmann nicht. Der deutsche Nationaltorwart sitzt beim FC Arsenal in London auf der Bank und Berlins Fußball-Bundesligist kann einen guten Keeper gebrauchen. Vielleicht findet Hertha ja einen Sponsor, der diesen ganz speziellen Transfer finanziert und dann damit werben kann, dem WM-Helden den Start bei der EM ermöglicht zu haben. Bundestrainer Joachim Löw will ihn nur mitnehmen, wenn er in seinem Klub die Nummer eins ist. Lehmann könnte für den Rest der Saison dort spielen, wo er 2006 im WM-Viertelfinale gegen Argentinien brillierte: im Olympiastadion. Das wäre doch ein großes Hauptstadt-Marketing-Projekt. Hertha muss Jens Lehmann holen.

Kunst erklären, oder lieber nicht?

Zwei spektakuläre Kunstwerke ziehen derzeit in London die Zuschauer an: Doris Salcedos „Shibboleth“, ein langer Riss, der sich durch den Boden der großen Halle der Tate Modern zieht. Und Thomas Schüttes „Model for a Hotel 2007“, ein meterhohes, tonnenschweres Architekturmodell aus buntem Glas auf dem Trafalgar Square. Die Kolumbianerin und der Deutsche gehen unterschiedlich mit der ewigen Frage um: Was will uns der Künstler damit sagen? Thomas Schütte hält sich zurück, legt ein paar Fährten, weigert sich, eine schlüssige Erklärung zu liefern. Doris Salcedo bemüht sich um Klarheit, ordnet ihr Werk ein. Der Riss verweise auf die Trennung zwischen Reich und Arm, zwischen Nord und Süd, auch zwischen Londons Norden und Süden, lautet eine ihrer Eigeninterpretationen. Als ich dann über der Zickzack-Spalte stand, ging mir die Vorgabe der Künstlerin nicht aus dem Kopf. Meine Eindrücke, Gefühle und Gedanken standen unter Vorbehalt. Hätte die Künstlerin doch geschwiegen – oder hätte ich bloß nicht hingehört.

 Shibboleth crack in Soho Shibboleth Riss in Soho

Und was wohl dieser Shibboleth zu bedeuten hat, der sich jetzt mitten in Soho auftat? (Foto: Brock Craft)

Was Berlin London voraus hat – auch zehn Beispiele

Danke für die vielen Kommentare gleich an den ersten beiden Tagen. Hier die umgekehrte Liste, wieder zehn Beispiele:

1. Tiergarten: Eher schon ein Stadtwald als ein Park. So viel dichtes Grün ist selten in den ansonsten auch wunderschönen Londoner Parks. Berlins Central Park beeindruckt sogar überzeugte Londoner wie die Pet Shop Boys.

2. Öffnungszeiten: War da was mit Last Orders? Trotz Gesetzesänderung schließen die meisten Londoner Pubs – oder jedenfalls immer der, in dem man gerade trinkt – weiterhin um elf. Bin über jeden Tipp zu Spät-Pubs dankbar. Aber auch viele Geschäfte sind zeitig zu, entgegen dem Mythos der Weltmetropole. Berlin holt jedenfalls auch bei den Läden auf, die Kneipen machen ohnehin alle Londoner neidisch.

3. Die BVG (jawohl!): Hier ein paar offizielle Gründe für verspätete oder liegen gebliebene U-Bahnen in London: faulty communications equipment, shortage of staff, late arrival of staff, faulty track, signal failure, late finishing of engineering work, overrunning engineering work, power failure, points failure, vandalism, faulty platform equipment. Und was heißt Schienenersatzverkehr auf Englisch?

4. Cafés: Der Begriff steht auf der Insel immer noch meistens für „greasy spoons„. Zum Kaffee oder Tee gibt’s in dieser gastronomischen Kategorie Spiegeleier mit Speck und gebackene Bohnen in Tomatensauce. Kaffeehauskultur setzt der Londoner mit Starbuck’s oder Costa gleich.

5. Flughafen Tegel: Wenn ich um 7.30 Uhr von Stansted nach Tegel fliege, muss ich früher aufstehen als beim Rückflug um 6.15 Uhr.

6. Eishockey: Wir wollen die Eisbären sehen, bald in der neuen Halle! London hat zwar schon so eine Halle, aber keine Eisbären.

7. Günstige Mieten: Unsere Londoner Wohnung liegt draußen in Walthamstow und ist um ein Drittel kleiner als unsere wunderbar zentrale Schöneberger Altbauwohnung – die nur die Hälfte kostet.

8. Weniger Regeln: Dem britischen Klischee nach ist in Deutschland alles verboten. In Wirklichkeit ist in Berlin viel mehr erlaubt als hier. Der Londoner scheint sich wohlzufühlen, wenn man ihn mit Schildern umstellt, mit Geldstrafen bedroht und mit Durchsagen beschallt. Achtung, Achtung! Ein paar Schilder gegen Hundedreck täten Berlin allerdings gut.

9. Weniger Gruppendynamik: Wer je in eine Hen- oder Stag-Night geriet und zwanghaft angefeiert wurde, weiß, wovon hier die Rede ist: quasimilitärisches Komasaufen. Wenn britische Kollegen fragen, wo ihre lieben Kleinen bei ihrem nächsten Berlintrip am besten und günstigsten Party machen können, empfehle ich Kneipen weit weg von Schöneberg.

10. Wasser: Zu Berlins und Brandenburgs Seen nichts Vergleichbares.

Was London Berlin voraus hat – zehn Beispiele

Hallo, ich bin der neue Blogger und fange jetzt an. London vergleicht sich gern mit New York. Und umgekehrt: Unlängst stand mal im „New York„-Magazin, dass London aufholt, wenn nicht sogar überholt. Ein Thema, das der Londoner „Evening Standard“ gern aufnahm. Aber was ist mit Berlin? Briten lieben Berlin, sie kommen gern zu Besuch und vor allem junge Briten ziehen in die deutsche Hauptstadt. Ich bin vor einem guten halben Jahr in die andere Richtung gegangen, um als London-Korrespondent für den Tagesspiegel zu arbeiten. In meiner Zeit hier bisher habe ich gemerkt, dass London Berlin doch vieles voraus hat. Hier kommen zehn Beispiele. 

1. Spannende Skyline: City, Canary Wharf, Battersea Power Station, St. Paul’s, New Wembley. Da kann kein Alexander- und kein Potsdamer Platz gegen an, kein Funk- und kein Fernsehturm, kein Dom und kein Europazentrum. 

2. Höfliche Menschen: Ein London-Trip samt teilnehmender Beobachtung („excuse me“, „sorry“) ist die Empfehlung für Muffel-, Schnauz- und Nörgel-Berliner.

 3. Multikulti (Entschuldigung, aber es gibt kein anderes Wort): Südafrikaner, West Indies, Kosovo-Albaner, Iren, Pakistani, Inder, Russen, Polen, Briten – alle wohnen sie in meiner ruhigen, kleinen Straße mitten im Kiez nördlich vom East End.

4. Vernünftige Hundefreunde: Vom Rentner bis zum Punk – Londoner machen den Dreck ihrer vierbeinigen Freunde sofort weg. Es bleibt kaum mal was liegen. Rätselhaft, warum das in Berlin nicht funktioniert. Hinter diesem Link ein paar Anregungen.

5. Das Umland: Gegen Brighton, Cambridge oder Henley haben es KW, Oranienburg oder Strausberg schwer. Okay, Potsdam hält mit.

6. Fußball: Arsenal, Chelsea, Fulham, Tottenham, West Ham – Hertha. 5:1 für London bei den Erstligaklubs.

7. Tate Modern: Nichts gegen Berlins wunderbare Museen und Galerien, aber diese Industriekathedrale, der modernen Kunst geweiht, ist unschlagbar.

8. Thames Path: Da will Berlin hin. Ein Flussufer der Flaneure – im gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus.

9. Pop: Keiner der ganz Großen lässt London je aus. Prince füllte den Millennium Dome 21 Nächte lang. Wie man hört, hat der kleine König aus Minneapolis aber auch schon in Berlin angefragt.

10. Asiatische Restaurants: Große Küchenkunst jenseits von Hühnchen süß/sauer.

Nächste Folge: Was Berlin London voraus hat.