Auf den Hundefänger hoffen

Das Verhaltensmuster legt es nahe: Es muss ein Zugereister aus Berlin sein, dem Charlotte Ross, Kommentatorin des Londoner Evening Standard, einen Hundefänger an den Hals wünscht. Auf einen Aha-Effekt in der alten Heimat hoffend, übersetze und dokumentiere ich den Text von Charlotte Ross mit Tusch und Applaus. Die Überschrift lautet: „Ein Hundefänger würde mich glücklich machen“.
„Hündische Hygiene verpestet meine Straße. Ein Hundebesitzer, der ein paar Häuser weiter wohnt, weigert sich, den Dreck seines Köters wegzumachen. Weil besagtes Haustier vor meine Haustür scheißt, werde ich in den Fall verwickelt. Unsere Nachbarn, ein Paar mit einem Kleinkind, haben den Mann direkt darauf angesprochen, ohne Erfolg. Sie gehen nun niemals ohne kleine Plastiktüten auf den angeblich hundefreien Spielplatz. Unterdessen läuft ein Rentner, der auf der anderen Straßenseite wohnt, mit einem Eimer Sand herum, um die penetranten Hinterlassenschaften abzudecken. Das Bezirksamt reagiert langsam, obwohl es sogar auf die Adresse des Hundedreckverbreiters aufmerksam gemacht wurde. Jetzt läuft ein bezirksweiter ‚Anhörungsprozess‘ zu dem Thema. Gibt es irgendeinen guten Grund, warum der Übeltäter nicht einfach eine Geldstrafe verpasst bekommt?“
Soweit Charlotte Ross. Eine erhellende Debatte unter Zugereisten in Deutschland zum Thema Hundedreck gibt es übrigens hier (vielleicht sollte uns Berlinern das mal langsam peinlich werden, bevor die Hundescheiße für Berlin zum Klischee wird, so wie der Nebel für London). Und so sieht es ein Berlin-Besucher aus London in seinem Blog: „Dog shizer. Its fucking everywhere! Like nowhere I’ve ever seen (even East Timor!). In summer on a hot day you get these winds coming down particularly bad streets and its like a sand storm in the desert only it aint sand and it smells BAD! I’m told its coz the government give extra money to the unemployed for each dog they have so the punks usually have one or two each.“ Mehr zum Thema auch hier, hier und hier.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

2 Gedanken zu „Auf den Hundefänger hoffen“

  1. Eigentlich war der Nebel ja ohnehin eher Smog. Deshalb heißt London ja auch immer noch „The Big Smoke“. Wäre auf jeden Fall unschön, wenn Berlin als „The Big Shit“ zum urbanen Mythos wird. Das mit den „bestimmten Stadtteilen“ sehe ich nicht ganz so. This shit is everywhere, from Zehlendorf to Friedrichshain.

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