Morrissey und die Frau mit dem Union Jack

Morrissey hat mit einer Geldspende das antirassistische „Love Music Hate Racism“-Festival gerettet. Morrissey? Da war doch was. In großer Aufmachung hatte das Musikmagazin NME ihn in die Nähe des Rassismus gerückt, weil der Ex-Sänger der Smiths sich einmal mehr Sorgen um die britische Identität machte. Eine der Anekdoten, die in dem Zusammenhang jedes Mal auftaucht, ist ein Auftritt in Finsbury Park, bei dem sich Morrissey in den Union Jack einwickelte, wofür er von der Bühne gebuht wurde. Vielleicht aber ist ja jemand, der zur Fahne und zur Tradition seines Landes steht, am besten geeignet, sich gegen Rassismus zu äußern. „To be standing by the flag not feeling shameful, racist or partial“, singt Morrissey in „Irish Blood, English Heart“. Als ich kürzlich in Oxford war, um über eine Debatte mit dem Holocaust-Leugner David Irving und mit Nick Griffin, dem Chef der British National Party, zu berichten, erlebte ich dort eine Demonstration gegen die beiden Rechtsradikalen. Eine junge Frau hatte einen großen Union Jack dabei. Ich fragte, warum sie hier mit der Landesfahne demonstriere. „Weil das die Nazis am härtesten trifft“, sagte sie. Mehr Schwarz-Rot-Gold bei Anti-Nazi-Demos bitte!

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.