Deutsche Bahn: Do not board

Bahnchaos. Essen Hauptbahnhof, nicht Liverpool Street oder Tottenham Hale. Der Zug aus München fährt ein, mit einer souveränen halben Stunde Verspätung. Dieser Zug endet hier. Bitte nicht einsteigen. Eigentlich sollte vom selben Bahnsteig ja längst der Zug nach Berlin abfahren. Verwirrung. „Ist das der Zug nach Berlin?“, fragt ein ungeübter Fahrgast freundlich den köfferchenrollenden Bahnmann, der mit Dienstschluss-Miene aus dem München-Zug gestiegen ist. Der spitze Bahnmann-Finger fährt aus und sticht aufs elektronische Türdisplay. „Lesen, nur lesen“, blafft der Oberlehrer in Uniform. Nicht einsteigen, do not board, steht da ordnungsgemäß. An der nächsten Zugtür wiederholt sich die Übungseinheit. Derselbe Bahnmann, ein anderer Fahrgast. Welcome to Germany. Schön, wieder zu Hause zu sein und sich so rasch auch wieder zu Hause zu fühlen.

Fair not foul: Gordon Browns Rede

Große Parteitagsreden richten sich immer an zwei Zuschauergruppen, die sich zuweilen stark unterscheiden: die Delegierten im Saal und die Wähler am Bildschirm. Bei Gordon Browns Rede soeben auf dem Labour-Parteitag in Manchester war dieser Unterschied besonders wichtig. Der Premierminister Brown musste das Vertrauen der Wähler in Zeiten der Krise zurückgewinnen. Der Parteichef Brown musste potenzielle Putschisten abschrecken und Labours Richtungsstreit eindämmen.

Den Wählern diente sich Brown als Wirtschaftsexperte an, der allein die Erfahrung habe, sie durch die Krise zu führen. Nach der Stärke des Beifalls zu urteilen, scheinen die Putschgefahren zunächst gebannt. Doch das wichtigste Dilemma bleibt: Trotz aller Schlagzeilen der letzten Tage über parteiinterne Attacken gegen Brown ist der Streit zwischen klassischen Linken und Modernisierern für ihn die größere Herausforderung.

Ein Streit, der die gesamte europäische Linke erfasst hat. „Die Achtundsechziger haben weder neue Ideen noch neue Führer hervorgebracht“, schreibt Sunder Katwala, Generalsekretär des labournahen Thinktanks „Fabian Society“, in „Newsweek“ mit Blick auf die aktuelle Lage der Linken in Europa. Deren Zukunft liege nahe der Mitte und nicht weiter außen. Das ist vor allem in Großbritannien so. Zwar nutzt die Parteilinke die derzeitige Vertrauenskrise, um eine Rückbesinnung auf klassische Labourpositionen – und damit auf die klassische Arbeiterklientel – zu fordern wie stärkere Marktregulierung, höhere Steuern für Einkommensstarke sowie höhere Mindestlöhne.

Doch das deckt sich nicht mit den Überzeugungen großer Teile der Wählerschaft auf der Insel. Eine Studie der Deutsch-Britischen Stiftung bekräftigt, dass das thatcheristische Credo von Deregulierung und Wettbewerb in Großbritannien tief im Mainstream verankert ist. Selbst die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise dürfte diese über zwei Jahrzehnte verfestigten Grundüberzeugungen nicht so einfach wieder ändern.

Dass Brown das weiß, zeigt die parteiinterne Auseinandersetzung um eine Steuer auf die Gewinne von Energieunternehmen. Brown lehnte ab, obwohl er seine parteiinternen linken Kritiker und kurzfristig auch Wähler, die unter Preiserhöhungen leiden, hätte besänftigen können. Wenn Brown nach links rückt, verliert er die Wähler der Mitte, vor allem die der rechten Mitte, die Tony Blair als Regierungschef – mit Hilfe des Schatzkanzlers Brown – mit einer Politik des Ausgleichs zwischen Wettbewerb und einer gewissen sozialen Sicherheit binden konnte. Diese große politische und wirtschaftliche Mittelklasse läuft derzeit wieder zu den Konservativen über.

„Fairness“ war ein Schlüsselwort der Rede Browns. Ein Begriff, der anders klingt als das deutsche Schlagwort „Gerechtigkeit“, das meistens gleichbedeutend ist mit dem Streben nach sozialer Gleichheit. Den meisten Briten, die gestern an den Bildschirmen saßen, geht es nicht um Gleichheit. Ihnen geht es um Chancengleichheit – auch wenn viele Delegierte im Saal in Manchester das anders sehen.

Die ganze Rede hier hinter diesem Link.

The Germans? No sense of humour – siehe Ypsilanti-Ulk

Ein Lieblingsklischee der Briten ist, dass die Deutschen keinen Humor haben. No sense of humour, those Germans. „I don’t find that funny!“, sagt dazu der German Comedy Ambassador Henning Wehn. Und ich habe das mit unserer angeborenen Humorlosigkeit bislang auch nicht wirklich geglaubt. Wer aber in diesen Tagen von London aus die Aufregung um den Ypsilanti-Ulk verfolgt, der muss den Briten wohl Recht geben. Hier auf der Insel gab es im vergangenen Jahr einen ähnlichen Fall. Der Stimmenimitator Rory Bremner rief als damaliger Schatzkanzler Gordon Brown bei der damaligen Umweltministerin Margaret Beckett an, die daraufhin bereitwillig über Kabinettskollegen herzog. Der Sender Channel 4 entschied sich gegen die Veröffentlichung, doch der „Observer“, nicht gerade ein Krawallblatt, dokumentierte das Gespräch lustvoll. Auch in Großbritannien gab es dann eine Debatte über „broadcasting ethics“, aber hier müssen die Autoritäten nicht grundsätzlich gefragt werden, ob man sie denn untertänigst jetzt mal verarschen darf. Und vor allem klagt am Ende nicht irgendein Prozesshansel, wie in diesem Fall gleich eine ganze Prozesshansel-Partei, Ypsilantis hessische SPD.

Pub-Tipps (2): The Rose & Crown in Oxford

Knallrosa hebt sich die Fassade von der Nachbarschaft ab, weithin sichtbar das Schild mit Rose und Krone. Für Paul Kingsnorth, Globalisierungskritiker und Autor des Buches „Real England“, ist dieser Pub etwas Besonderes.
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Ein Pub ist für ihn nicht einfach ein Pub, sondern ein Kulturgut. Eines, das es zu schützen gilt, weil es gefährdet ist. Kingsnorth sitzt im „Rose & Crown“ in Oxford, vor sich auf dem Tisch ein Pint des lokalen Biers „Old Hooky“. Er erzählt von den 27 Pubs, die jede Woche auf der Insel schließenvon derzeit 57 500 insgesamt. Und davon, dass es die Kleinen trifft und die auf dem Land. Und dass sich ein authentischer Pub auf den ersten Blick von Kettenpubs Marke „Wetherspoons“ oder „O’Neill’s“ unterscheidet. Von jenen Orten, an denen sich Britanniens Jugend freitagabends die Kante gibt, bis zum Erbrechen. Mit süßlichen Alkopops oder Lager-Bier, das immer gleich schmeckt, egal welche Marke am Zapfhahn steht oder auf der Flasche.

Woran also lässt sich der authentische Pub erkennen? „Die Tische“, sagt Paul Kingsnorth und zeigt auf das Mobiliar. „Kein Tisch sieht hier aus wie der andere.“ In Kettenpubs ist alles Einheitsware, hier aber wird immer mal wieder was ausgewechselt und hinzugestellt. Das Interieur wächst organisch. Genau wie die Dekoration an den Wänden: Das „Rose & Crown“ brilliert mit einem liebenswerten Chaos aus Ansichtskarten, Plakaten und sportlichen Reliquien. Auf der Speisekarte stehen „Fish Pie“ oder „Sausage and Mash“.

Authentisch heißt nicht stereotyp. Es geht auch ohne Cricket und Rugby. An der Wand im „Rose & Crown“ hängen Eishockeyschläger und -trikots des örtlichen Teams. Auch bei den Farben verfällt dieser Pub nicht in Merry-Old-England-Klischees. Auf Weinrot und Britischgrün wird verzichtet. Kingsnorth sitzt vor einer lachsfarbenen Tapete und einem bunten Papageienposter. Die Bierbänke im Hof sind quietschgelb.
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Wichtig sind hier auch die Gläser: Nicht die hohen, glatten, nach oben breiter werdenden Pint-Gläser seien typisch englisch, doziert Paul Kingsnorth, sondern die bauchigen mit einem Henkel und eckigem Relief außen herum. Darauf einen tiefen Schluck „Old Hooky“.
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Wer auf der Insel zu Gast ist, sollte Lager-Bier meiden – es hat ohnehin mit einem gut gezapften Pils nichts zu tun – und sich aufs Ale einlassen. Für kontinentale Gaumen ist das bitter-süße Bier ein „acquired taste“, ein gewöhnungsbedürftiger Geschmack. Doch die Mühe lohnt sich. Wer ein bisschen übt, stellt bald fest, dass die Klischees vom lauen englischen Bier gar nicht stimmen. Feine Geschmacksunterschiede wollen erarbeitet sein. Belohnt wird die Geduld dann zum Beispiel mit „Old Hookys“ malzig-honigsamtenem Aroma. Zum Glück darf der Ale-Novize etwas länger trainieren, denn echtes englisches Bier macht nicht so schnell betrunken. „Old Hooky“ gilt als starkes Ale, hat aber mit 4,6 Prozent immer noch etwas weniger Alkohol als ein deutsches Pils.

Für Paul Kingsnorth, Jahrgang 1972, steht Ale für das echte England, dessen Verdrängung durch die grassierende Gleichförmigkeit er in „Real England“ beschreibt. Vor der McDonaldisierung der Pubs und Brauereien habe man jede Region des Landes anhand ihres Biers identifizieren können, sagt Kingsnorth. Einen „Wandteppich der Geschmäcker, gewoben aus unserem nationalen Getränk“, nennt er dies lyrisch leicht verquer. Ein Sinnbild regionaler Eigenarten – für Selbstständigkeit, gegen Gleichmacherei.
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Doch ganz so selbstständig ist auch das „Rose & Crown“ nicht. Der Oxforder Pub gehört zwar keiner Kette, ist aber abhängig von einer sogenannten Pub Company, einer Art Kneipen-Holding. Die PubCo erleichtert Wirten die Existenzgründung, indem sie vor allem die Räumlichkeiten stellt. Im Gegenzug zahlen die Wirte Miete und verpflichten sich, alle Getränke von der PubCo abzunehmen. Damit liefern sie sich der preislichen Willkür aus und scheitern oft an den steigenden finanziellen Forderungen ihres Konzerns. Am Ende ist es dann oft die einfachste Lösung für alle Beteiligten, die Immobilie an Investoren zu verkaufen und die Pubs abreißen zu lassen, um Läden oder Wohnungen zu bauen. Auch das „Rose & Crown“ ist in Gefahr. Denn die Zeiten sind schlecht: Großbritannien droht eine Rezession, das Geld der Verbraucher ist knapp. Das seit einem Jahr gültige Rauchverbot verschärft die Situation. Viele Briten essen, trinken und rauchen jetzt noch lieber zu Hause, als sie es im Land der häuslichen, gutnachbarschaftlichen Dinnerpartys ohnehin tun.
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The Rose & Crown, 14 North Parade Avenue, Oxford, OX2 6LX.
Ein paar kleinere Pub-Tipps hier hinter diesem Link.

Pete Doherty for London 2012!

Mehr geht jetzt nicht mehr. Das haben die Briten nach der Eröffnungsfeier von Peking sofort erkannt. Nicht zu toppen, bloß nicht übertrumpfen. Das ist der Tenor der britischen Pressestimmen im Vorgriff auf die Olympischen Spiele in London 2012. Nicht nur manchem Briten mag diese gigantische Show vorgekommen sein wie die Geburtstagsfeier des unbeliebten, aber neureichen Klassenkameraden, der alle zu sich nach Hause einlädt und dann so viel auftischt, dass sich die Gäste ganz arm und klein fühlen. Und sich schon im Vorhinein für ihre nächste eigene Party schämen.
Es war eine olympische Eröffnungsfeier als ultimativer Überwältigungsakt. Die Erben von Leni Riefenstahl und Albert Speer haben wahrscheinlich schon ihre Anwälte verständigt, um in Peking Copyrights geltend zu machen.
Was aber bleibt den armen Engländern da noch? Vielleicht eine lustige kleine Eröffnungsparty aus dem Geiste des Britpop: ironisch, schrammelig, pubertär. Könnte man nicht Pete Doherty als Regisseur verpflichten? Da käme garantiert nicht zu viel Pathos auf. Und er würde sicher auch auf ein Duett mit Sarah Brightman verzichten.

Blair/Brown: Eine Männerfeindschaft

Kaum vorstellbar, dass diese beiden Männer einst ein Büro in Westminster teilten, dass sie mal gute Kollegen und Verfechter einer gemeinsamen Sache waren. Nun könnte ein den Medien zugestecktes Memo des früheren britischen Premierministers Tony Blair den letzten Anlass zur totalen Demontage seines Nachfolgers Gordon Brown liefern. In dem Schrieb warnte Blair vor einem Jahr einen Parteifreund vor Browns Unfähigkeit, das gemeinsame Projekt „New Labour“ weiterzuführen. An der jetzigen, mit Blick auf die nächsten Wahlen fast aussichtslosen Lage der Labourpartei ist aber nicht Brown allein schuld, auch wenn dies Blair und die Seinen historisch gern so festgeschrieben hätten. Blair hat zu seiner Zeit viel erreicht. Er überwand die starren ideologischen Lager und führte seine Partei in die politische Mitte. Doch der Mann, der Großbritannien als „großartigstes Land der Welt“ bezeichnet, trug in seiner Selbstherrlichkeit auch zu Labours Niedergang bei. Er verließ sich lieber auf externe Berater statt auf sein Kabinett und ließ den politischen Nachwuchs in seiner Partei verkümmern. Da konnte es nur auf einen wenig fähigen Nachfolger hinauslaufen.

Carpe Berlin: Scheißt auf diese Stadt!

Meinem heiligen und gerechten Zorn über Hundehalter habe ich hier schon mehrfach Ausdruck verliehen. Und der vagen Hoffnung, dass sich durch Walls orangefarbene Hundescheißeauffangstationen zumindest bei uns im Schöneberger Kiez vielleicht etwas bessert. Recherchen beim Heimatbesuch ergeben: Es sieht nicht so aus. Und es riecht auch nicht so. Jeden schönen Sommermorgen liegt in diesen Tagen wieder die frische Kacke dampfend auf dem Bürgersteig. Diese feigen Typen treten nämlich nachts auf, im Schutze der Dunkelheit. Und wenn man doch einmal einen von ihnen am hellichten Tag mit seiner Kotpumpe in Aktion sieht und Herrchen oder Frauchen freundlich darauf anspricht, wird man hysterisch angeplärrt: „Was geht Sie das an?“ Natürlich geht mich das was an, wenn vor meine Haustür geschissen wird. Warum scheißen Sie nicht vor Ihre eigene Haustür? Was ist in der Erziehung dieser Leute falsch gelaufen? Was geht in ihren Köpfen vor? Und warum stört das alles niemanden in Berlin? Warum gibt es keine Bürgerinitiativen gegen den ausufernden Scheiß wie in Wien oder in München? Warum profiliert sich kein Lokalpolitiker über das Thema? Und warum kommen Berlins Hundebesitzer nicht wie Londons Hundebesitzer einfach selbst auf den Trichter, dass sie sich asozial verhalten, wenn sie den Dreck ihrer Köter nicht wegmachen? Und diese Dreckschleudern sind ja massenhaft unterwegs, wie die Tonnen von Scheiße auf Berliner Straßen uns täglich vor Augen und Nasen führen. Wer sich beim bezirklichen Ordnungsamt die Nachfrage gönnt, warum weder hinreichend kontrolliert noch saubergemacht werde, erhält von einer freundlichen Mitarbeiterin die Antwort, dass man trotz allen Streifelaufens nichts machen könne, da man die Hundebesitzer ja auf frischer Tat ertappen müsse. Ein anderer Ordnungsamtmann forderte mich auf, doch dem Bürgermeister zu schreiben. Ok, mach ich, wie heißt unser Bezirksbürgermeister doch gleich? Nein, nicht dem Bezirksbürgermeister, sondern Herrn Wowereit solle ich schreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob das was bringt. Der hält den Scheiß doch sicher für imagefördernd. So wie die Leute von der Website Carpe Berlin:
Carpe Berlin Hundescheiße Hundekot Hundekacke Hundedreck Hundehalter Hundebesitzer Hund Hunde
Gesehen an einem Motorrad in Schöneberg – mit Kölner Kennzeichen.

P.S.: Wie es ein zivilisierter Schweizer sieht, den es für einige Zeit in die Welthundehaufenhauptstadt verschlagen hat, steht hier hinter diesem Link.
P.P.S.: Noch etwas zum Thema gibt es hier.

Obama, throngs of fawning Germans – und dann auch noch Post von Wagner

Nett war das ja nicht, was ein PR-Mann des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain da in durchaus offizieller Mission sagte: McCains demokratischer Gegenspieler Barack Obama sei in Berlin vor „einem Haufen unterwürfiger Deutscher“ aufgetreten. Ich muss zugeben, dass mir Ähnliches in den Sinn kam, als ich die Jubelperser unter der Siegessäule rotieren sah, irgendwo zwischen Fanmeile und Reichsparteitag. Mir fiel dabei Adenauer ein, dem angesichts der deutschen Jubelarien für de Gaulle und Kennedy unwohl wurde. Und ich freute mich, derzeit mit Merkel und Steinmeier so wunderbar uncharismatische politische Führer (oops) zu haben. Zweifelnd, dass sich ein Kandidatenberater derart undiplomatisch äußern könnte, dachte ich allerdings zunächst an einen Übersetzungsfehler oder besser an eine unzulässig zuspitzende Übertragung aus dem Amerikanischen ins Deutsche. Im Originaltext der Agentur sagte der McCain-Mann „throngs of fawning Germans“. Ich hatte das Wort „fawning“ noch nie gehört und schlug nach. Und siehe, das Wort verdient eigentlich eine noch härtere Übersetzung: dict.leo bietet „kriecherisch“ an, neben „byzantinisch“ und „schwanzwedelnd“, was ja auf die Hundehauptstadt Berlin auch wieder zuträfe. Ebenso wie „hündisch“, was dict.cc neben „liebedienerisch“ und ebenfalls „kriecherisch“ für „fawning“ vorschlägt. Schön hier auch das angebotene Synonym „bootlicking“, das wiederum irgendwie an Margaret Thatcher erinnert und ihren Spruch den zu Margaret Thatchers Zeiten auf der Insel gern aufgewärmten Churchill-Spruch erinnert, nach dem man die Deutschen entweder an seiner Kehle hat oder unter seinen Füßen.

P.S. einen Tag später: Nun hat sich Bild-Wagner in unser aller Namen postalisch an den „Lieben John McCain“ gewandt. Wir Deutsche seien nicht kriecherisch, sondern romantisch, klärt er auf. Wir glaubten, dass man die Welt verbessern könne und strömten deshalb zu Obama und zur Siegessäule. Mir bleibt die Hoffnung, dass die Welt nicht schon wieder von uns Romantikern verbessert werden will.

Fußball-Rückfall: Perryman lesen!

Und schon nach ein paar Tagen der erste Fußballrückfall bei London Blogging: Ich möchte aber hier unbedingt den Essay meines englischen Freundes Mark Perryman im Tagesspiegel empfehlen. Hier hinter diesem Link erklärt uns der Gründer von „Philosophy Football“ vor dem Hintergrund der deutschen Fernsehgelddebatte nach der Kartellamtsentscheidung gegen den neuen Kirch-Deal, warum England, das vielbesungene Mutterland des Fußballs, nun wirklich derzeit kein Vorbild ist – trotz aller Erfolge der Premier-League-Clubs. Denn der überkommerzialisierte Fußball auf der Insel hat schon längst mit den Fans nichts mehr im Sinn. Und es gibt gute Kommentare zu Marks Text. Gleich der erste Kommentator, „berlinmitte“, zum Beispiel meint: „Hallo Herr Rummenigge, bitte lesen!“ Siehe zum Thema auch: „Das Mutterland des Irrsinns.“

P.S.: Mark Perrymans Text jetzt auch hier hinter diesem Link mit weiteren guten Kommentaren.

The Great British Superlative – Hilfe vom Philologen

Superlative aus Greatest Britain wurden hier ausgebreitet und hier diskutiert. Jetzt half ein großer Philologe bei der Einordnung. Bei der Lektüre von „LTI – Notizbuch eines Philologen“ fiel mir folgender Satz auf, mit dem Victor Klemperer den spielerischen amerikanischen Superlativ vom Superlativ-Wahn der Nazisprache (Lingua Tertii Imperii, LTI) abgrenzt: „Ich und du, lieber Leser, wir haben beide die gleiche Freude am Übertreiben, wir wissen beide, wie es gemeint ist – also lüge ich ja gar nicht, du subtrahierst schon von selber das Nötige, und von meiner Anpreisung geht keine Täuschung aus, sie prägt sich dir durch superlativische Form nur fester und angenehmer ein!“ Klemperer spricht hier von amerikanischer Werbung, aber ich glaube, dass sich diese kleine Rezeptionstheorie auch auf die britischen Zeitungen und ihren unverkrampften Umgang mit Zahlen, Zuspitzungen und Zitaten ausdehnen lässt. Ich habe verstanden und lese jetzt britisch-entspannter.