Rauchverbot funktioniert ohne Übergangszeit

Es gibt inzwischen die ersten Daten zum Rauchverbot, das in England seit dem 1. Juli gilt. Laut Department of Health haben Inspektoren von Juli bis Oktober in London rund 44000 Restaurants, Pubs, Bars und andere öffentlich zugängliche Gebäude untersucht. Bei 98,8 Prozent gab es keinerlei Hinweise auf Verstöße gegen das Rauchverbot. 85,8 Prozent waren vorschriftsmäßig brav beschildert. Das Rauchverbot hat in London sofort funktioniert (wie auch im übrigen Land). Die sonst nicht unbedingt obrigkeitsgläubigen Engländer halten sich an die sinnvolle neue Regel – sogar in der Chaosmetropole London. Wozu bitte braucht Berlin eine Übergangszeit, die nur verwirrt und Streit auslöst?

Siehe auch: Rauchverbot gefährdet Klimaschutz.

Ein neuer Name für Mohammed den Maulwurf

Der britische Kinderbuchautor Kes Gray verschiebt die Neuauflage seines Buchs „Who’s Poorly Too“, weil dort ein Maulwurf namens Mohammed vorkommt. „Ich habe ja keine Ahnung gehabt, dass dies eine sensible Angelegenheit ist, bis zu dem Fall im Sudan“, sagte Gray laut Times Online. „Als ich die Nachrichten schaute, dachte ich, o je, ich habe da einen Maulwurf, der Mohammed heißt. Das ist nicht gut.“ Gray sagte weiter, er habe Mohammed eigentlich für einen harmlosen Jungennamen gehalten und mit seinem Buch Kinder über Kulturgrenzen hinweg ansprechen wollen. Das Bilderbuch hat sich 40 000 mal verkauft seit seinem ersten Erscheinen 1999. Beschwerden gab es bislang keine und die britischen Muslime haben sich in dem sudanesischen Fall sofort mit ihrer Landsmännin Gillian Gibbons solidarisiert , als die Lehrerin in Khartum eine Woche im Gefängnis sitzen musste, weil ihre sudanesischen Schüler einen Teddybären Mohammed genannt hatten. Trotzdem heißt der Maulwurf ab sofort Morgan.

Vergleiche auch: Adam the Muslim Prayer Bear.

Rauchverbot gefährdet Klimaschutz

Ich bin kein militanter Nichtraucher, obwohl mich das rücksichtslose Gequarze in Berlins Kneipen und Restaurants stört. Seit ich in London lebe, der Stadt des reibungs- und übergangslos funktionierenden Rauchverbots, werde ich unleidiger (kann man ein Wort mit un- überhaupt steigern?), wenn mir beim Heimatbesuch in Berlin wieder einmal jemand vom Nachbartisch herüber seinen Teer ins Essen pustet. In London werden durch das Rauchverbot wildfremde Menschen zu Freunden beim gemeinsamen Zigarettchen auf der Straße vorm Pub. Der schöne neue Brauch gefährdet nach Ansicht der Umweltorganisation Friends of the Earth allerdings den Klimaschutz. Heizstrahler vor Kneipentüren werden künftig zehnmal mehr Treibhausgase verursachen, haben Experten vorsichtshalber schon einmal ausgerechnet. Die Umweltschützer fordern: das nächste Verbot: den Heizpilzbann.

P.S.: In keinem Zusammenhang zu dieser Meldung dürfte stehen, dass Prinz Harry jetzt versucht, das Rauchen aufzugeben. Oder steckt Vater Charles, der Ökoprinz, dahinter?

Siehe auch: Plastiktüten verbieten.

Wie die Polizei Betrunkene sicher erkennt

Auf der Insel ist Weihnachten weniger ein Fest des Friedens und der geistigen Einkehr als ein Stahlbad des Fun und der geistigen Getränke. Zum Saisonauftakt gab das Innenministerium der Polizei jetzt einen Leitfaden zur Erkennung Betrunkener
an die Hand:
NOTICEABLE CHANGE IN BEHAVIOUR: Becoming loud, boisterous or disorderly; Offensive language; Becoming physically violent; Bad tempered, aggressive; Becoming incoherent; Slurring, or making mistakes in speech; Becoming argumentative.
LACK OF JUDGEMENT: Being careless with money; Annoying other persons, employees etc; Exhibiting inappropriate sexual behaviour; Drinking quickly or competitively („down in one“)
CLUMSINESS, LOSS OF COORDINATION: Swaying; Staggering; Difficulty with walking; Falling down; Bumping into furniture; Spilling drinks; Difficulty in picking up change; Fumbling for cigarettes, or other items.
DECREASED ALERTNESS: Drowsiness, dozing or sleeping; Rambling conversation; Not understanding what is said; Glassy eyes, Lack of focus; Loss of train of thought; Difficulty paying attention.
APPEARANCE: Unkempt; Dishevelled. (gefunden hier)

Plädoyer für die Zeitung

Bill Keller, Chefredakteur der New York Times, lieferte gestern Abend in London ein leidenschaftliches Plädoyer für das Überleben der Qualitätszeitungen im Kampf mit der Internet-Konkurrenz. „Google und Wikipedia haben keine Korrespondenten in Bagdad“, sagte Keller, der beim Thinktank Chatham House die jährliche Rede zu Ehren des verstorbenen Guardian-Kolumnisten Hugo Young hielt. Verlässliche, transparente, unabhängige, professionell und aus erster Hand berichtete Information sei gerade in Zeiten eines digitalen „Medien-Tsunamis“ wichtiger denn je, sagte Keller. Vehement widersprach Keller der These des Bloggers Jeff Jarvis (BuzzMachine), nach der die Mainstream-Medien weitgehend ersetzt werden könnten durch eine selbstregulierende digitale Demokratie der Wortmeldungen, durch die Weisheit der Massen. „Blogs können um ein Thema herumschwirren und faszinierende Leckerbissen auftischen. Sie erlauben uns, einer Geschichte zu folgen, während sie sich entwickelt“, sagte Keller. „Und, jawohl, es gibt Blogger die Berichte aus erster Hand über ihre Erfahrungen an fernen Orten senden, auch aus dem Irak. Manchmal ist ihre Arbeit aufklärend und verblüffend. Doch die allermeisten Blogger versuchen noch nicht einmal zu berichten. Sie recyceln. Sie variieren Nachrichtenthemen. Das ist nicht schlecht, aber es ist bei weitem nicht genug.“
Hier Bill Kellers Rede im Wortlaut.

Rassismusdebatte um Morrissey

Die britische Presse verbrät ein NME-Interview mit Morrissey, Ex-Sänger der Smiths, und macht daraus eine Rassismusdebatte. Der „New Musical Express“, einst in allen Zweifelsfällen maßgeblich, wird zum Lieferanten der Empörungsindustrie. 

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Morrisseys Anwälte wollen gegen das Musikmagazin vorgehen, aber offenbar nicht gegen den Inhalt des im Wortlaut abgedruckten Gesprächs, sondern gegen die Zuspitzung, die Überschriften, den Text drumherum. Der Journalist, der das Interview führte, hat sich von der reißerischen Art, in der das Interview in dem Magazin erscheint, distanziert. In dem NME-Gespräch benennt Morrissey, der selbst in Italien lebt, sein Unbehagen über den Verlust der britischen Identität wegen der vielen Einwanderer. „Je größer der Zustrom nach England, umso mehr verschwindet die britische Identität“, sagt er zum Beispiel. Vom Rassismus distanziert sich der Sänger ausdrücklich, was die Massenblätter  „Mirror“ und  „Sun“ unterschlagen. Morrissey wirkt in dem Gespräch nicht fremdenfeindlich,  eher wie ein Nostalgiker, der einer versunkenen Welt nachtrauert. Und wie einer, der über seine Wortwahl nicht lange genug nachdenkt und dabei den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit riskiert. Ein Prinz Philip der Popmusik. Gordon Browns Slogan „British Jobs for British workers“ hat jedenfalls deutlich mehr fremdenfeindliches Potenzial.

Debatte mit Rechtsradikalen – Protest in Oxford

David Irving, verurteilter Holocaust-Leugner, und Nick Griffin, Chef der rechtsradikalen British National Party, traten gestern Abend bei einer Diskussion der Oxford Union auf, einer unabhängigen Studentenorganisation in der britischen Universitätsstadt. „Ich lehne es ab, mich zu fügen“, sagte Irving. „Ich schreibe nur über das, was ich in den Archiven finde.“ Irving war in Österreich zu einer Gefängnisstrafe wegen Holocaust-Leugnung verurteilt worden. In Großbritannien gibt es kein entsprechendes Gesetz. Griffin, dessen Partei auf lokaler Ebene einige Parlamentssitze hält, sprach gestern Abend in Oxford von der angeblichen Diskriminierung weißer Briten in einem multikulturellen Großbritannien. Luc Tryl, Organisator des Abends,  sagte, Irving habe bei der Debatte eine „erbärmliche“ Figur abgegeben. „Ich finde seine Ansichten abscheulich und widerwärtig und habe das auch in meiner Einleitung gesagt.“ Es sei wichtig, Rechtsradikale nicht mit Redeverboten zu Märtyrern zu machen, sondern ihnen in Debatten entgegenzutreten. Kritiker der Veranstaltung sprachen von einer geplanten Provokation um der Publicity willen. Der Rat der Stadt Oxford distanzierte sich von der Einladung Irvings und Griffins. Rechtsradikalen dürfe keine öffentliche Plattform gegeben werden, vor allem nicht an einem derart hervorgehobenen Ort. Die beiden Rechtsradikalen waren zu einem „Free Speech Forum“ eingeladen worden, einer Debatte mit großer Tradition, an der in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem Bill Clinton, der Dalai Lama und Mutter Teresa teilgenommen hatten. Die Polizei zählte bis zu 500 Demonstranten, die lautstark forderten, die Veranstaltung abzusetzen. Einige Dutzend der Protestler stürmten schließlich den Saal. „Oxford hear us shout, Griffin, Irving, fascists out“, schallte es durch die idyllischen Sträßchen der Universitätsstadt. Die Diskussion wurde um Stunden verschoben und fand schließlich in kleinerem Rahmen in Hinterzimmern statt – in einem Irving, im anderen Griffin. Ein Grüppchen von Mitgliedern der Oxford Union hielt der Masse der Demonstranten derweil draußen ein Plakat entgegen mit einem Voltaireschen Prinzip (wenn auch so nie wörtlich von dem französischen Aufklärer geäußert): „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

Plastiktüten verbieten

Der britische Premierminister und Labourchef Gordon Brown will grüner strahlen als sein konservativer Herausforderer David Cameron und Einkaufstüten aus Plastik verbieten. Die Idee klingt gut und man sollte auch in Deutschland darüber nachdenken. Auf der Insel allerdings wäre das ein Kulturschock. In den Läden gehört es zum auch sonst guten Service, dass  freundliche Kassiererinnen den Einkauf für ihre Kunden in kostenlosen Tüten verstauen – und zwar nach dem Prinzip: Darf es ein bisschen mehr sein, mehr Plastik. Ich bitte dann meist darum, doch möglichst alles in eine Tüte zu packen. Und fühle mich von verständnislosen Blicken als typisch deutscher Ökokompromissler entlarvt.