Übersetzungskünstler (1)

Ein Glanzstück digitaler Übersetzungskunst: „The new scene should produce its own stars. For example Pull in Emergency. The two girls and three boys, average ages 14, make melodious scratch leagues of guitar pop. „The term Punk would be me rather“, guitarist Alice Costelloe says and gives notice as a precaution for coming songs more hardness on. Already now the song causes astonishingly ripen. Pull in Emergency sound, would have gets lost itself as an American song clerk in the practice cellar of a British guitar volume. An exciting mixture. Recently Pull in Emergency signed in courage Records deal.  There they are now colleagues of Depeche fashion and nod nick Cave. Schülerkombo is differently.“ (gefunden hier)

Und in Demut das deutsche Original (von hier): „Die neue Szene soll ihre eigenen Stars hervorbringen. Zum Beispiel Pull In Emergency. Die zwei Mädchen und drei Jungen, Durchschnittsalter 14, machen melodiös-schrammeligen Gitarrenpop. „Der Begriff Punk wäre mir lieber“, sagt Gitarristin Alice Costelloe und kündigt vorsichtshalber für kommende Songs mehr Härte an. Schon jetzt wirkt der Gesang erstaunlich reif. Pull In Emergency klingen, als habe sich eine amerikanische Songschreiberin im Übungskeller einer britischen Gitarrenband verirrt. Eine aufregende Mischung. Kürzlich haben Pull In Emergency bei Mute Records unterschrieben. Da sind sie jetzt Kollegen von Depeche Mode und Nick Cave. Schülerkombo ist anders.“

Rassismusdebatte um Morrissey

Die britische Presse verbrät ein NME-Interview mit Morrissey, Ex-Sänger der Smiths, und macht daraus eine Rassismusdebatte. Der „New Musical Express“, einst in allen Zweifelsfällen maßgeblich, wird zum Lieferanten der Empörungsindustrie. 

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Morrisseys Anwälte wollen gegen das Musikmagazin vorgehen, aber offenbar nicht gegen den Inhalt des im Wortlaut abgedruckten Gesprächs, sondern gegen die Zuspitzung, die Überschriften, den Text drumherum. Der Journalist, der das Interview führte, hat sich von der reißerischen Art, in der das Interview in dem Magazin erscheint, distanziert. In dem NME-Gespräch benennt Morrissey, der selbst in Italien lebt, sein Unbehagen über den Verlust der britischen Identität wegen der vielen Einwanderer. „Je größer der Zustrom nach England, umso mehr verschwindet die britische Identität“, sagt er zum Beispiel. Vom Rassismus distanziert sich der Sänger ausdrücklich, was die Massenblätter  „Mirror“ und  „Sun“ unterschlagen. Morrissey wirkt in dem Gespräch nicht fremdenfeindlich,  eher wie ein Nostalgiker, der einer versunkenen Welt nachtrauert. Und wie einer, der über seine Wortwahl nicht lange genug nachdenkt und dabei den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit riskiert. Ein Prinz Philip der Popmusik. Gordon Browns Slogan „British Jobs for British workers“ hat jedenfalls deutlich mehr fremdenfeindliches Potenzial.

Pop-Tipps: Never mind the Gallaghers, here’s the good stuff

Abseits der Britpop-Endlosschleife von Oasisarcticmonkeyskaiserchiefs – was mir in diesem Jahr hier an guter Musik auffiel:

Fujiya & Miyagi: Die Band aus Brighton fügt mit Humor und Understatement eine englische Note zu kontinental-krautigen Klang- und Rhythmustüftleleien hinzu – von Neu! bis Air und darüber hinaus. Anspieltipp: Ankle Injuries.

Prinzhorn Dance School: Nochmal Brighton, im Seebad muss unlängst irgendwas geruckt und gerumst haben. Tobin Prinz und Suzi Horn (Bild unten) erfinden den Gitarre-Bass-Schlagzeugsound neu. Vergleichbar am ehesten mit den frühen Fall. Keine schlechte Referenz, aber das hier ist wirklich in 2007 noch mal was Eigenes. Anspieltipp: Crackerjack Docker.

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Rose Kemp: Die Tochter zweier Folkmusiker verbindet feinsten Gesang und scharf beobachtete Texte mit wundervollen Melodien und gelegentlichem Krach. Will und darf noch etwas lauter werden. Bekennt sich zur spannenden neuen Bristol-Szene und ist deshalb sogar von London an die Westküste gezogen. Anspieltipp: Violence.

Windmill: Die Provinz lebt, denn dort hat Matthew Thomas Dillon, alias Windmill, jahrelang auf Klavier und Schlagzeug eingedroschen. In Newport Pagnell, Buckinghamshire, entstand so Musik von amerikanischer Weite. Anspieltipp: Tokyo Moon.

Ulrich Schnauss: Kiel – Berlin – London, dieser Mann hat sich freigespielt und erfreut mit seinen raumgreifenden Digitalkaskaden die Shoegazer der Weltmetropole. Anspieltipp: Stars.

Pull In Emergency: Helden der Londoner Underage-Szene. Aber auch was für Erwachsene. Luftige Gitarren und ein Gesang, der so nach ausgereiftem Singer-Songwritertum klingt, dass man nicht glauben mag, dass hier Teenies Musik machen. Anspieltipp: Follow.

London-Songs, Berlin-Songs

Im englischsprachigen Wikipedia reichern Enthusiasten derzeit eine „List of Songs about London“ an. Ich liebe solche nerdigen Projekte. Der Enthusiasmus unterscheidet den Menschen vom Tier, hat mein alter Freund Axel gesagt. Er muss das wissen, denn er kennt alle B-Seiten der Smiths. Berlin hat auch so ein Lieder-Liebhaberverzeichnis, „Berlinsongs“, auf der Homepage von „Spirit of Berlin“. Hier meine Top Ten zu London und meine Top Ten zu Berlin. Einiges davon fehlte noch in den beiden genannten Listen. Weitere Anregungen würden mich freuen.

P.S. am 24. November: Habe soeben im deutschen Wikipedia eine „Liste von Liedern über Berlin“ entdeckt. Bin begeistert und habe hiermit sofort verlinkt.

London:

1. Pet Shop Boys: London (Berlin Radio Mix)

2. The Clash: London Calling

3. David Bowie: The London Boys

4. The Smiths: London

5. Electric Light Orchestra: Last Train to London

6. Talking Heads: Cities

7. The Kinks: Waterloo Sunset

8. The Clash: Guns of Brixton

9. Linton Kwesi Johnson: New Crass Massahkah

10. Lily Allen: LDN

Berlin: 

1. David Bowie: Heroes/Helden

2. Rufus Wainwright: Tiergarten 

3. Sex Pistols: Holidays in the Sun

4. Marmion: Schöneberg

5. Kante: Wer hierher kommt, will vor die Tür

6. Ramones: Born to Die in Berlin

7. Britta: Ex und Pop

8. Ideal: Berlin

9. Fehlfarben: Militürk

10. Chicks on Speed: Mitte Bitte