Liberty vs. security in der ältesten Demokratie der Welt

Okay, genug zum Fußball (und Olympia ist noch nicht nah genug). Hier kommt endlich mal wieder was Politisches. Nicht ganz superfrisch, gebe ich zu, aber ich habe ja jetzt auch eine Zeit mit dem London Blogging ausgesetzt und ein bisschen was aufzuholen. Außerdem liegt mir dieses Thema wirklich am Herzen:

Sie waren sich doch immer so sicher: „Es ist ein Zeichen von Selbstbewusstsein: Die Engländer haben nicht viel Zeit damit verbracht, sich selbst zu definieren“, hat der Nachrichtenmoderator und Buchautor Jeremy Paxman, eine Art britischer Ulrich Wickert, einmal historisch zurückblickend gesagt. Um dann kritisch zu fragen: „Ist es notwendig, dies jetzt zu tun?“ Zuletzt aufgegriffen hat Paxmans Spruch ein Engländer, dessen Vater wie so viele aus Indien nach Großbritannien eingewandert ist. Ed Husain, einst Mitglied der fundamentalistischen Organisation Hizb ut Tahrir, stellte sie seinem Bekennerbuch „The Islamist“ voran – als Aufforderung an die Briten, gleich welcher Herkunft, sich über ihre Identität Gedanken zu machen und ihre Werte wie Freiheit und Toleranz zu vertreten. Das klingt nach einer Leitkulturdebatte, wie sie bislang eher für das politisch labile Deutschland als für die älteste Demokratie der Welt typisch war.

Die aktuelle Diskussion über Sicherheit und Freiheit gehört zu dieser Debatte auf der Insel. Jahrelang hatten sich die Briten zum Beispiel kaum für die vielen Überwachungskameras interessiert, die sie auf Schritt und Tritt beobachten. „Großbritannien schlafwandelt in den Überwachungsstaat“, sagte 2004 warnend der oberste Datenschützer Richard Thomas. Es sei längst so weit, fügte Thomas 2006 an und listete das britische Überwachungsarsenal auf: mehr als vier Millionen Kameras, automatische Nummernschilderkennung, Mobilfunk- und Kreditkartenüberwachung sowie eine Unzahl von öffentlichen und privaten Datenbanken, auf die Ermittler zugreifen.

Der erneute Warnruf des Datenschützers kam ein Jahr nach den Anschlägen in der Londoner U-Bahn und einem Bus – und damit noch zur Unzeit. Am 7. Juli 2005 hatten vier islamistische Selbstmordattentäter, allesamt aus Einwandererfamilien, 52 Menschen getötet und hunderte verletzt. Im Angesicht der realen Gefahr schien es in der britischen Bevölkerung ein Einverständnis mit dem Antiterrorkampf der Behörden zu geben, allerdings eher unausgesprochen stoisch als öffentlich reflektiert. Erst eine Mischung aus allgemeiner Enttäuschung über die „New Labour“-Regierung, nicht zuletzt wegen des verlustreichen Irakkriegs, sowie des Gefühls, vom „nanny state“ (bemutternden Staat) ohnehin zu sehr gegängelt zu werden, bewirkte einen Stimmungsumschwung. Mehr und mehr verbreitete sich das Gefühl, dass etwas falsch lief im Mutterland der bürgerlichen Freiheit.

In den letzten Wochen nun brach die Debatte um Sicherheit und Freiheit mit voller Wucht aus. Anlass ist jenes Gesetz, das es erlauben soll, Terrorverdächtige ohne Anklage statt bislang 28 nun bis zu 42 Tage in Haft zu halten. Premierminister Gordon Brown stilisierte die Abstimmung im Unterhaus zu einer Grundsatzfrage der nationalen Sicherheit und zur Vertrauensfrage für ihn selbst. Er zeigte Stärke und gewann – trotz vieler Dissidenten in den eigenen Reihen. Doch die Schlagzeilen über den hart und äußerst knapp errungenen Sieg stahl dem Labour-Chef ein konservativer Widersacher. David Davis, in einer möglichen konservativen Regierung als Innenminister vorgesehen, ging so weit, sein Unterhausmandat niederzulegen, um die dadurch notwendige Neuwahl in seinem Wahlkreis zur Abstimmung über bürgerliche Freiheit zu deklarieren. Davis wurde wie erwartet wieder ins Unterhaus gewählt und stieß eine nationale Debatte an.

Der „Guardian“ zum Beispiel brachte eine große Reihe „Was Freiheit für mich bedeutet“ mit Beiträgen, die weit über den Anlass des Gesetzes hinauswiesen. „Unser paternalistischer Staat macht diese Debatte notwendig“, schrieb der Philosoph A. C. Grayling in seinem Beitrag. „Unsere Mächtigen sind dem falschen Glauben zum Opfer gefallen, dass eine Technologie, die verfügbar ist, auch angewendet werden muss.“ Zum Beispiel eine, die es erlaube, die Bevölkerung auszuspionieren. „Ein bemutternder, sich einmischender, paternalistischer Staat traut seinen Bürgern nicht zu, ihre eigenen Entscheidungen zu fällen, ihre eigenen Risiken zu tragen und entsprechend Verantwortung zu übernehmen“, schrieb Grayling. Und dann erteilten auch noch die ehrenwerten Damen und Herren vom House of Lords dem Regierungschef eine Lektion. In einer ersten Debatte zeichnete sich bereits ab, dass das Oberhaus die Zustimmung zu Browns Antiterrorgesetz verweigern könnte. Das brächte zumindest einen Aufschub – und eine Verlängerung der Debatte um Sicherheit und Freiheit.

That’s (not) Entertainment – Ballack bockt zurecht

Der DFB-Jubelbeauftragte war verstimmt. Was er da sah, gefiel Oliver Bierhoff nicht. Da hatte Deutschlands bester Fußballer Michael Ballack soeben als Kapitän der deutschen Nationalelf das Finale der Europameisterschaft verloren. Für ihn persönlich war es der zehnte Platz zwei seiner Karriere. Nicht wenige davon sind unter dramatischen Umständen zustande gekommen. Nummer neun, die Niederlage nach Elfmeterschießen mit dem FC Chelsea im Champions-League-Finale gegen Manchester United, liegt gerade einen Monat zurück. Und nun will dieser Ballack partout nicht winkend über den Platz traben. Am besten noch mit einem Stöckchen in der Hand, an dessen Ende ein vom Deutschen Fußball-Bund freundlicherweise zur Verfügung gestelltes Transparent angebracht ist, das jetzt aber echt angebrachterweise mal allen und jedem Beteiligten Danke für diesen guten Abend sagt. Ballack bot Bierhoff die Stirn (was sogar die „Sun“ interessierte). Die Bockigkeit des Kapitäns war spontan, doch sie kann Anlass sein, über den Moment hinaus innezuhalten. Es ist höchste Zeit, den ganzen Unsinn zurückzufahren. Das Plansoll an Danktransparenten, zu T-Shirt-Beflockung geronnenen Fansprüchen und Gitarrengenudel, das den Titelgewinn für 2010, 2012 und 2014 in Aussicht stellt sowie die Fußballer dazu rhythmisch klatschen lässt, ist übererfüllt. Es wäre heilsam, wenn die Hauptdarsteller sich da künftig stur stellten. Gebt den Fußballern ihre Würde und dem Fußball seine Aura zurück. Aura und Würde brauchen Distanz. Das hat nichts mit Respektlosigkeit gegenüber den Fans zu tun. Der Fußballer tut am meisten für den Fan, wenn er gewinnt. Gelingt das nicht, haben beide allen Grund und jedes Recht, traurig zu sein. Und der Job des DFB-Jubelbeauftragten? Kann wegfallen.

Fußball-EM: eine vexillologisch-berlinische Nachlese

Wer während der Fußball-EM die Heimat besucht hat, durfte sich wie schon bei der WM an vielen, vielen bunten Fähnlein erfreuen. Deutschland ließ wieder seine Autos patriotisch für seine Bürger grüßen. Schön, dass dieses schwarz-rot-güldene Geflatter in Berlin immer wieder ironisch durchpustet wurde. Von meinem Fenster in Schöneberg aus durfte ich beobachten, wie zwei muskelbepackte Türken vor dem Halbfinale gegen Deutschland ihren 5er-BMW beiderseits mit dem Halbmond beflaggten. Zwei Parklücken weiter stand ein Kleinwagen mit schwuler Regenbogenfahne. Ein situationistisches Sinnbild für meinen wunderbaren, wenn auch nicht immer spannungsfreien Schöneberger Kiez. Immer wieder gern gesehen auch die binationale Doppelbeflaggung: deutsch-türkisch (vor allem), deutsch-italienisch, deutsch-russisch, deutsch-britisch. Deutsch-britisch? Schwarz-Rot-Gold und der Union Jack? Da hat ein anglophiler Deutscher wohl was nicht mitbekommen. Erstens gibt es ja nun keine britische Fußballmannschaft. Zweitens hat sich keines der vier Teams aus dem Vereinigten Königreich für die EM qualifiziert. Nicht einmal Nordirland. Auf ein sonniges Gemüt (oder eine ausgeprägte Identitätskrise) weist der disparate Fahnendreier Deutschland/ Holland/Italien hin. Mein ganz persönlicher vexillologischer Höhepunkt aber war die Beflaggung an einem Mini, noch original englisch, also einem Ur-Mini aus der Zeit vor der Übernahme durch BMW. Da flatterte zweifach fröhlich der gelbe EU-Sternenkreis auf blauem Grund. Die Farbe des europabeflissenen Fahrzeugs? British Racing Green.

P.S.: Den Begriff „Vexillologie“ habe ich heute gelernt. Ich dachte bis eben, die Lehre vom Fahnen- und Flaggenwesen hieße Heraldik, bis mich Wikipedia eines Genaueren belehrte.
P.P.S.: Um nachzuweisen, dass ich mich in diesen Tagen nicht nur mit Fußball befasse, erlaube ich mir hier, ja, genau hier, einen Link zu einem Essay zu setzen, der heute im Tagesspiegel erschien. Okay, auch da wird Fußball erwähnt.

Germany’s free-flowing beauty – auf Panzerketten

Nach Deutschland-Spielen machen von je her die gesammelten internationalen Pressestimmen Spaß. Deutschland? Nur auf Ketten! Das war jahrzehntelang Pflicht. Seit der sommermärchenhaften WM 2006 ist es ruhiger geworden, man könnte fast meinen, man mag uns im Ausland. Selbst in England werden die letzten Bastionen des Kraut-Bashings geschleift. „This was no clichéd footballing tale of Teutonic efficiency and power grinding down more creative but less physical opposition. Some of the football emanating from German feet, particularly Ballack’s, was breathtaking“, schrieb jetzt niemand anderes als der Daily Telegraph nach dem deutschen Viertelfinalsieg über Portugal. Und zu Klose und Ballack: „The pair headed in dead-ball deliveries from the outstanding Bastian Schweinsteiger, who himself finished off a move of such free-flowing beauty that it could have been invented by the Dutch.“ Germany? Free-flowing beauty? Das geht runter wie Ale. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob mir der Holland-Vergleich wirklich gefällt. Zum Glück gibt es immer noch die verlässlichen Türken. „Der Panzer ist zurück“, analysiert Sabah und verabreicht kalten Stahl, damit es uns Deutschen nicht zu warm wird ums Herz. „Die Panzer haben den Portugiesen keine Chance gegeben“, schreibt Miliyet. Ebenfalls eine „Panzer-Offensive“ am Werk sah Hürriyet. On second thoughts: Vielleicht meinen die das ja auch liebevoll-lobend.
(Diese und mehr Stimmen zum Spiel lesen Sie hier.)

What’s the meaning of Autokorso?

EM-Email-Dialog mit meinem besten Freund Chris (Nordire, England/Nordirland-Fan, Deutschen-Versteher), der so viel besser Deutsch kann als ich Englisch, dass wir immer Deutsch miteinander sprechen:

C: Mann, die Holländer haben ein Tempo drauf.

M: Die sind beängstigend gut. Nur wird ja am Ende selten die Mannschaft, die in der Vorrunde derart auftrumpft, Europa- oder Weltmeister. Mensch, und wir scheiden gegen Österreich aus. Na wenigstens machen die dann keinen Autokorso auf dem Kudamm.

C: Was ist denn ein Autokorso?

M: Das sind Kroaten/Türken/Deutsche, die mit dem Auto hupend den Kudamm rauf und runter fahren und aus dem Fenster jubeln.

C: Armer Kudamm!

(P.S.: Wie kann man denn Autokorso ins Englische übersetzen? Scheint schwierig zu sein. Eine erste Debatte findet sich hier hinter diesem Link.)
(P.P.S.: Blogger-Kollege „Sprachfetzen“, hilf!)
(P.P.P.S.: Wir sind ja nun nicht ausgeschieden, zum Glück. Dann haben die Deutschen einen Autokorso auf dem Ku’damm veranstaltet. Um den Türken zu zeigen, dass wir auch feiern können.)

Englische Streitkultur – über Grobiane mittleren Alters

Ich liebe die englische Streitkultur. Zumindest die in den Medien, im Parlament und in sonstiger Öffentlichkeit. In privaten Diskussionen, face to face, ist es ja oft so, dass man als Deutscher unangenehm auffällt, wenn man den Small-Talk-Code durch allzu direkte, mit heiligem Ernst und Leidenschaft vorgetragene Beiträge bricht. Das passiert mir inzwischen nicht mehr so oft. Aber auf Papier (und im Netz) – da geht es rund in England. Ich halte die einstmals als so angelsächsisch vorbildlich gepriesenen Nachrichtenseiten der britischen Zeitungen ehrlich gesagt für übertrieben, unzulässig zugespitzt, krampfhaft personalisiert und platt. Doch die Kommentar- und Kolumnenseiten machen mir Spaß, genau wie die vielen meinungsfreudigen Essays und Aufsätze in Magazinen und Büchern. Da schonen sich selbst Freunde und gute Bekannte nicht.

Und wenn jemand in eine Sache, über die er schreibt, selbst verwickelt ist, dann ist es gute Sitte „to declare an interest“. Also: Ich vermelde beim Folgenden ein persönliches Interesse. (Und sorry, jetzt wird dieser Blog – wie zuletzt ohnehin, warum noch gleich? – doch wieder fußballlastig.) Zwei englische Bekannte von mir, mit denen ich auch bei verschiedenen Projekten zusammenarbeite, sind publizistisch in Streit geraten. Barney Ronay vom Sportteil des Guardian und vom geschätzten Fußballmagazin When Saturday Comes sieht es als Vorteil an, dass England nicht bei der EM dabei ist und hat zur Begründung ein paar harte Worte für englische Fußballfans gefunden. Im Tagesspiegel klang das (in meiner Übersetzung) so: „Engländer werden diesmal keine Plastikstühle über ansonsten verschlafene Dorfplätze schmeißen. Die reisende Armee der rotgesichtigen, halbnackten, tätowierten, falsch singenden, Bier hinunterstürzenden Grobiane mittleren Alters bleibt zu Hause. Europas Polizisten! Ihr könnt Eure Helme und Schilde wegpacken. Wir kommen nicht.“

Der Sportwissenschaftler und England-Fan Mark Perryman nennt Barney Ronay in seinem Buch „Imagined Nation. England After Britain“ (Achtung, Achtung, auch hier ein persönliches Interesse von mir) einen „po-faced commentator“ (das schöne Adjektiv „po-faced“ ist mit „grimmig“ oder „mürrisch“ nur unzureichend übersetzt, wer kann helfen?), beschuldigt ihn streng der „indulgence in the snobbish stereotyps that England fans are so well used to“ und hält dagegen: „The author, football fanzine writer Barney Ronay, had not taken the time to check the Fifa and Uefa official reports on World Cups 2002 and 2006, and Euro 2004, when England fans were singled out for their friendship, passion, and commitment.“ Englands Fans und ihr gutes Benehmen – das wäre doch einen weiteren Feldversuch in Österreich und der Schweiz wert gewesen. Schon deshalb finde ich es schade, dass England nicht dabei ist.

P.S.: Der Blogger-Kollege Sven Goldmann hat den Engländern eine Top Ten der Fußballlieder für die EM-lose Zeit zusammengestellt. Unter anderem platziert: „Losing My Religion“ von R.E.M. und „School’s Out For Summer“ von Alice Cooper (so, das war jetzt wirklich genug pro domo).

Deutschland gucken im Football Waste Land

Falls Sie sich während der EM im Football Waste Land und seiner Hauptstadt aufhalten (müssen), hier drei Londoner Kneipen, in denen auf jeden Fall Deutschland-Spiele gezeigt werden. Weitere Tipps very welcome:

Zeitgeist@The Jolly Gardeners, 49 – 51 Black Prince Road, SE11 6AB, 020 7840 0426
Bavarian Beerhouse, 190 City Road, EC1V 2QH, Tel. 020 7608 0925
Famous 3 Kings, 171 North End Road, W14 9NL, Tel. 020 7603 6071

P.S.: June is the cruellest month.

Hooray for Pig Climber, oder: Wen unterstützen die Briten bei der EM?

Im Blick die kreative Verzweiflung, mit der polnische Zeitungen dieser Tage bei ihren Lesern punkten und in Europa bekannt werden wollen, wünsche ich mir fast die alten Zeiten des German-Bashings der britischen Tabloids zurück. Das hatte noch Wortwitz und war von gestochener prognostischer Schärfe („For you Fritz, ze Euro 96 is over“). Schön also, dass die „Sun“ den hilflosen polnischen Blattmachern jetzt zeigt, wie es geht, wenn sie vor Polens EM-Spielen jeweils polnischsprachige Ausgaben herausgibt und dabei endlich einmal wieder die Chance für herzhaft Antideutsches nutzen kann. Englische Leser scheint das ja inzwischen zu langweilen. Die „Sun“ steht unter den britischen Medien nicht allein mit ihren Bemühungen, das Beste aus einer EM zu machen, die ohne ein einziges Team von den Inseln stattfindet. „Who will you support?“, fragt die BBC in dem Trailer, mit dem sie ihr EM-Programm anpreist und ihren Zuschauern Vorschläge für eine zeitgebundene Gefolgschaft unterbreitet. Selbst Ballack kommt vor und es wird suggeriert, das Chelseas Fans jetzt wegen ihm Deutschland unterstützen. Auch der „Evening Standard“ sieht Chelsea in diesen Tagen „full of wannabe Germans“. As if. Da scheint mir einmal mehr die „Daily Mail“ eher die Stimmung im Lande zu treffen. Auch dieses Massenblatt hat das stumpf Antideutsche hinter sich gelassen, entwickelt aber stattdessen eine ausgeklügelte Fan-Dialektik, basierend auf Rivalitäten in einer englischen Premier League voller europäischer Stars: „Who will you support? It is too easy to say whoever is playing Germany. Far better to cheer on whoever reduces the star player of a rival club to a sobbing, psychiatric outpatient following a penalty shootout, or whoever kicks that rival star player up in the air in a vicious collision.“ Und dann ist da zum Glück noch Mr. Lambert aus Bridgwater. Sein Herz ist rein. Im „Bridgwater Mercury“ bekennt er sich aus folgenden Gründen zu Deutschland: „We will be supporting Germany during the Euros. My wife is German and I’m fond of the name Bastian Schweinsteiger, which translates to Pig Climber in English.“

Offiziell: Die meistgespielten Football Songs – jetzt mit Links

Das Lamento über den Niedergang der englischen Fußballkultur hatte ich ja schon anderswo angestimmt. Und über den Triumph kontinentalen Stampf- und Stumpfsinns im Mutterland des Pop auch bereits Bericht erstattet (Stichwort Scooter). Noch mehr zu denken gibt mir jetzt eine Liste, die beide Katastrophen in einem Beispiel dokumentiert. Der gerade gelieferten Juli-Ausgabe des geschätzten Fußballmagazins When Saturday Comes (WSC) entnehme ich, dass DJ Ötzi auf Platz drei der Hitparade der meistgespielten Fußballlieder steht. Man könnte zunächst meinen, hier machen sich Engländer aus Anlass der EM über deutschen oder österreichischen Musikgeschmack lustig, wie sie es zur WM vor zwei Jahren ja auch ausgiebig taten (Stichwort Right Said Fred). Aber nein, diese Liste gilt für das Vereinigte Königreich. Sie wurde von der Performing Rights Society (PRS) offiziell so herausgegeben, der britischen Gema, die das Geld für Künstler einsammelt, wenn deren Lieder öffentlich gespielt werden. Ötzi, oder Otzi, wie der Mann umlautfrei auf der Insel heißt, verdrängt in diesen Fünf-Jahres-Charts mit „Hey Baby“ sogar den meiner Ansicht nach größten Football Song aller Zeiten, „Three Lions“, auf Platz vier. WSC merkt zu dem Lied von 1996 melancholisch an: „Three Lions felt at the time like football and the indie sensibility had finally melded, although that was the same rush of blood to the head that convinced us that Tony Blair was on the point of reversing the Thatcherite slide to the right.“ Hier die Top Ten der meistgespielten Football Songs auf der Insel according to PRS and WSC (Nachtrag vom 5. Juni: Jetzt endlich auch mit Links!):

1 Nessun Dorma – Luciano Pavarotti (the BBC’s Italia 90 theme)
2 Hot Stuff – Arsenal FC (1998 Cup final reworking of Donna Summer song)
3 Hey Baby (Unofficial World Cup Remix) – DJ Otzi
4 Three Lions – Skinner & Baddiel and the Lightning Seeds (Euro 96)
5 Sing Up For The Champions – Reds United (Man Utd)
6 Carnival De Paris – Dario G (unofficial France 98 song)
7 Vindaloo – Fat Les (unofficial France 98 song)
8 Eat My Goal – Collapsed Lung (released in 1996 and ’98 used by Coke)
9 World In Motion – New Order (England’s 1990 World Cup song)
10 Purple Heather – Rod Stewart with the Scottish Euro 96 Squad

Sehr schöne Anmerkungen zum Thema hier hinter diesem Link.
Meine liebsten Football Songs hier hinter diesem Link.

Krankes Berlin, krankes Brandenburg

Ich komme aus dem Kotzen nicht mehr raus, wenn ich den Computer hochfahre und immer wieder solche Meldungen in meinem internationalen Kiez hier in Walthamstow, umgeben von Menschen von allen Kontinenten, lese. Krankes Berlin, krankes Brandenburg, kommt endlich im normalen Leben an und gebt Ruhe:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Uebergriffe;art126,2542971
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Spremberg-Rechtsextremismus;
art126,2542632