Wie die Polizei Betrunkene sicher erkennt

Auf der Insel ist Weihnachten weniger ein Fest des Friedens und der geistigen Einkehr als ein Stahlbad des Fun und der geistigen Getränke. Zum Saisonauftakt gab das Innenministerium der Polizei jetzt einen Leitfaden zur Erkennung Betrunkener
an die Hand:
NOTICEABLE CHANGE IN BEHAVIOUR: Becoming loud, boisterous or disorderly; Offensive language; Becoming physically violent; Bad tempered, aggressive; Becoming incoherent; Slurring, or making mistakes in speech; Becoming argumentative.
LACK OF JUDGEMENT: Being careless with money; Annoying other persons, employees etc; Exhibiting inappropriate sexual behaviour; Drinking quickly or competitively („down in one“)
CLUMSINESS, LOSS OF COORDINATION: Swaying; Staggering; Difficulty with walking; Falling down; Bumping into furniture; Spilling drinks; Difficulty in picking up change; Fumbling for cigarettes, or other items.
DECREASED ALERTNESS: Drowsiness, dozing or sleeping; Rambling conversation; Not understanding what is said; Glassy eyes, Lack of focus; Loss of train of thought; Difficulty paying attention.
APPEARANCE: Unkempt; Dishevelled. (gefunden hier)

Übersetzungskünstler (1)

Ein Glanzstück digitaler Übersetzungskunst: „The new scene should produce its own stars. For example Pull in Emergency. The two girls and three boys, average ages 14, make melodious scratch leagues of guitar pop. „The term Punk would be me rather“, guitarist Alice Costelloe says and gives notice as a precaution for coming songs more hardness on. Already now the song causes astonishingly ripen. Pull in Emergency sound, would have gets lost itself as an American song clerk in the practice cellar of a British guitar volume. An exciting mixture. Recently Pull in Emergency signed in courage Records deal.  There they are now colleagues of Depeche fashion and nod nick Cave. Schülerkombo is differently.“ (gefunden hier)

Und in Demut das deutsche Original (von hier): „Die neue Szene soll ihre eigenen Stars hervorbringen. Zum Beispiel Pull In Emergency. Die zwei Mädchen und drei Jungen, Durchschnittsalter 14, machen melodiös-schrammeligen Gitarrenpop. „Der Begriff Punk wäre mir lieber“, sagt Gitarristin Alice Costelloe und kündigt vorsichtshalber für kommende Songs mehr Härte an. Schon jetzt wirkt der Gesang erstaunlich reif. Pull In Emergency klingen, als habe sich eine amerikanische Songschreiberin im Übungskeller einer britischen Gitarrenband verirrt. Eine aufregende Mischung. Kürzlich haben Pull In Emergency bei Mute Records unterschrieben. Da sind sie jetzt Kollegen von Depeche Mode und Nick Cave. Schülerkombo ist anders.“

Plädoyer für die Zeitung

Bill Keller, Chefredakteur der New York Times, lieferte gestern Abend in London ein leidenschaftliches Plädoyer für das Überleben der Qualitätszeitungen im Kampf mit der Internet-Konkurrenz. „Google und Wikipedia haben keine Korrespondenten in Bagdad“, sagte Keller, der beim Thinktank Chatham House die jährliche Rede zu Ehren des verstorbenen Guardian-Kolumnisten Hugo Young hielt. Verlässliche, transparente, unabhängige, professionell und aus erster Hand berichtete Information sei gerade in Zeiten eines digitalen „Medien-Tsunamis“ wichtiger denn je, sagte Keller. Vehement widersprach Keller der These des Bloggers Jeff Jarvis (BuzzMachine), nach der die Mainstream-Medien weitgehend ersetzt werden könnten durch eine selbstregulierende digitale Demokratie der Wortmeldungen, durch die Weisheit der Massen. „Blogs können um ein Thema herumschwirren und faszinierende Leckerbissen auftischen. Sie erlauben uns, einer Geschichte zu folgen, während sie sich entwickelt“, sagte Keller. „Und, jawohl, es gibt Blogger die Berichte aus erster Hand über ihre Erfahrungen an fernen Orten senden, auch aus dem Irak. Manchmal ist ihre Arbeit aufklärend und verblüffend. Doch die allermeisten Blogger versuchen noch nicht einmal zu berichten. Sie recyceln. Sie variieren Nachrichtenthemen. Das ist nicht schlecht, aber es ist bei weitem nicht genug.“
Hier Bill Kellers Rede im Wortlaut.

Rassismusdebatte um Morrissey

Die britische Presse verbrät ein NME-Interview mit Morrissey, Ex-Sänger der Smiths, und macht daraus eine Rassismusdebatte. Der „New Musical Express“, einst in allen Zweifelsfällen maßgeblich, wird zum Lieferanten der Empörungsindustrie. 

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Morrisseys Anwälte wollen gegen das Musikmagazin vorgehen, aber offenbar nicht gegen den Inhalt des im Wortlaut abgedruckten Gesprächs, sondern gegen die Zuspitzung, die Überschriften, den Text drumherum. Der Journalist, der das Interview führte, hat sich von der reißerischen Art, in der das Interview in dem Magazin erscheint, distanziert. In dem NME-Gespräch benennt Morrissey, der selbst in Italien lebt, sein Unbehagen über den Verlust der britischen Identität wegen der vielen Einwanderer. „Je größer der Zustrom nach England, umso mehr verschwindet die britische Identität“, sagt er zum Beispiel. Vom Rassismus distanziert sich der Sänger ausdrücklich, was die Massenblätter  „Mirror“ und  „Sun“ unterschlagen. Morrissey wirkt in dem Gespräch nicht fremdenfeindlich,  eher wie ein Nostalgiker, der einer versunkenen Welt nachtrauert. Und wie einer, der über seine Wortwahl nicht lange genug nachdenkt und dabei den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit riskiert. Ein Prinz Philip der Popmusik. Gordon Browns Slogan „British Jobs for British workers“ hat jedenfalls deutlich mehr fremdenfeindliches Potenzial.

Pop-Tipps: Never mind the Gallaghers, here’s the good stuff

Abseits der Britpop-Endlosschleife von Oasisarcticmonkeyskaiserchiefs – was mir in diesem Jahr hier an guter Musik auffiel:

Fujiya & Miyagi: Die Band aus Brighton fügt mit Humor und Understatement eine englische Note zu kontinental-krautigen Klang- und Rhythmustüftleleien hinzu – von Neu! bis Air und darüber hinaus. Anspieltipp: Ankle Injuries.

Prinzhorn Dance School: Nochmal Brighton, im Seebad muss unlängst irgendwas geruckt und gerumst haben. Tobin Prinz und Suzi Horn (Bild unten) erfinden den Gitarre-Bass-Schlagzeugsound neu. Vergleichbar am ehesten mit den frühen Fall. Keine schlechte Referenz, aber das hier ist wirklich in 2007 noch mal was Eigenes. Anspieltipp: Crackerjack Docker.

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Rose Kemp: Die Tochter zweier Folkmusiker verbindet feinsten Gesang und scharf beobachtete Texte mit wundervollen Melodien und gelegentlichem Krach. Will und darf noch etwas lauter werden. Bekennt sich zur spannenden neuen Bristol-Szene und ist deshalb sogar von London an die Westküste gezogen. Anspieltipp: Violence.

Windmill: Die Provinz lebt, denn dort hat Matthew Thomas Dillon, alias Windmill, jahrelang auf Klavier und Schlagzeug eingedroschen. In Newport Pagnell, Buckinghamshire, entstand so Musik von amerikanischer Weite. Anspieltipp: Tokyo Moon.

Ulrich Schnauss: Kiel – Berlin – London, dieser Mann hat sich freigespielt und erfreut mit seinen raumgreifenden Digitalkaskaden die Shoegazer der Weltmetropole. Anspieltipp: Stars.

Pull In Emergency: Helden der Londoner Underage-Szene. Aber auch was für Erwachsene. Luftige Gitarren und ein Gesang, der so nach ausgereiftem Singer-Songwritertum klingt, dass man nicht glauben mag, dass hier Teenies Musik machen. Anspieltipp: Follow.

Debatte mit Rechtsradikalen – Protest in Oxford

David Irving, verurteilter Holocaust-Leugner, und Nick Griffin, Chef der rechtsradikalen British National Party, traten gestern Abend bei einer Diskussion der Oxford Union auf, einer unabhängigen Studentenorganisation in der britischen Universitätsstadt. „Ich lehne es ab, mich zu fügen“, sagte Irving. „Ich schreibe nur über das, was ich in den Archiven finde.“ Irving war in Österreich zu einer Gefängnisstrafe wegen Holocaust-Leugnung verurteilt worden. In Großbritannien gibt es kein entsprechendes Gesetz. Griffin, dessen Partei auf lokaler Ebene einige Parlamentssitze hält, sprach gestern Abend in Oxford von der angeblichen Diskriminierung weißer Briten in einem multikulturellen Großbritannien. Luc Tryl, Organisator des Abends,  sagte, Irving habe bei der Debatte eine „erbärmliche“ Figur abgegeben. „Ich finde seine Ansichten abscheulich und widerwärtig und habe das auch in meiner Einleitung gesagt.“ Es sei wichtig, Rechtsradikale nicht mit Redeverboten zu Märtyrern zu machen, sondern ihnen in Debatten entgegenzutreten. Kritiker der Veranstaltung sprachen von einer geplanten Provokation um der Publicity willen. Der Rat der Stadt Oxford distanzierte sich von der Einladung Irvings und Griffins. Rechtsradikalen dürfe keine öffentliche Plattform gegeben werden, vor allem nicht an einem derart hervorgehobenen Ort. Die beiden Rechtsradikalen waren zu einem „Free Speech Forum“ eingeladen worden, einer Debatte mit großer Tradition, an der in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem Bill Clinton, der Dalai Lama und Mutter Teresa teilgenommen hatten. Die Polizei zählte bis zu 500 Demonstranten, die lautstark forderten, die Veranstaltung abzusetzen. Einige Dutzend der Protestler stürmten schließlich den Saal. „Oxford hear us shout, Griffin, Irving, fascists out“, schallte es durch die idyllischen Sträßchen der Universitätsstadt. Die Diskussion wurde um Stunden verschoben und fand schließlich in kleinerem Rahmen in Hinterzimmern statt – in einem Irving, im anderen Griffin. Ein Grüppchen von Mitgliedern der Oxford Union hielt der Masse der Demonstranten derweil draußen ein Plakat entgegen mit einem Voltaireschen Prinzip (wenn auch so nie wörtlich von dem französischen Aufklärer geäußert): „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

WM-Qualifikation: Gottseidank nicht gegen England

Neue Fußballdramen zwischen England und Deutschland wird es vor 2010 also nicht geben. Die EM hat England verpasst, und in der WM-Qualifikation gehen sich „The Best of Enemies“, wie sie David Downing in seinem Buch desselben Namens genannt hat, aus dem Weg. Im Moment ist das gut so. Ich freue mich immer über deutsche Siege gegen England, vor allem hier in Wembley, aber beim nächsten großen Turnier muss England wieder dabei sein. Schon damit es dann wieder ein wirklich großes deutsch-englisches Fußballdrama geben kann – sagen wir im Halbfinale – mit Tränen, Elfmetern und Kriegserwähnungen im Geiste Basil Fawltys.

Einfach wird es aber auch so nicht für England: Noch einmal Kroatien, das hat schon was von Wiederholungszwang und löst bei den  zartbeseelten Premier-League-Stars sicher neue Angstschocks aus. Dann auch noch Andorra. Den englischen Spielern dröhnen die Schmähungen ihrer Fans während des Gegurkes beim Zwergstaat-Team wohl heute noch in den Ohren. Der Ukrainer Andrej Schewtschenko wird England für seine Demütigungen bei Chelsea büßen lassen wollen. Kasachstan will wegen der Gemeinheiten des englischen Komikers Sacha „Borat“ Baron Cohen Genugtuung. Weißrussland wiederum ist vom Glamourfaktor her ein Albtraum für kauf- und feierwütige wags (wives and girlfriends).

London-Songs, Berlin-Songs

Im englischsprachigen Wikipedia reichern Enthusiasten derzeit eine „List of Songs about London“ an. Ich liebe solche nerdigen Projekte. Der Enthusiasmus unterscheidet den Menschen vom Tier, hat mein alter Freund Axel gesagt. Er muss das wissen, denn er kennt alle B-Seiten der Smiths. Berlin hat auch so ein Lieder-Liebhaberverzeichnis, „Berlinsongs“, auf der Homepage von „Spirit of Berlin“. Hier meine Top Ten zu London und meine Top Ten zu Berlin. Einiges davon fehlte noch in den beiden genannten Listen. Weitere Anregungen würden mich freuen.

P.S. am 24. November: Habe soeben im deutschen Wikipedia eine „Liste von Liedern über Berlin“ entdeckt. Bin begeistert und habe hiermit sofort verlinkt.

London:

1. Pet Shop Boys: London (Berlin Radio Mix)

2. The Clash: London Calling

3. David Bowie: The London Boys

4. The Smiths: London

5. Electric Light Orchestra: Last Train to London

6. Talking Heads: Cities

7. The Kinks: Waterloo Sunset

8. The Clash: Guns of Brixton

9. Linton Kwesi Johnson: New Crass Massahkah

10. Lily Allen: LDN

Berlin: 

1. David Bowie: Heroes/Helden

2. Rufus Wainwright: Tiergarten 

3. Sex Pistols: Holidays in the Sun

4. Marmion: Schöneberg

5. Kante: Wer hierher kommt, will vor die Tür

6. Ramones: Born to Die in Berlin

7. Britta: Ex und Pop

8. Ideal: Berlin

9. Fehlfarben: Militürk

10. Chicks on Speed: Mitte Bitte

England ist draußen, kommt jetzt www.myfootballcountry.co.uk?

Und nun? England ist bei der EM nicht dabei. Nationaltrainer Steve McClaren ist gescheitert. Kommt nun José Mourinho, Jürgen Klinsmann – oder doch wieder irgendein Krauter aus dem eigenen Land? Das mit dem profilierten ausländischen Trainer haben wir ja auch schon versucht, sagte ein englischer Reporterkollege gestern Abend nach dem demütigenden 2:3 gegen Kroatien in Wembley. Auch McClarens Vorgänger Sven-Göran Eriksson war ja keine große Hilfe für Englands Stars, die in der Premier League brillieren und in der Nationalmannschaft versagen. Vielleicht sollte das Land, in dem der Fußball begann und von dem aus er sich zur globalen Blase aufgebläht hat, jetzt die Basis in Ballbesitz bringen: mit myfootballclub.co.uk als Vorbild. Die Website mit diesem Namen übernimmt in diesen Tagen einen fünftklassigen englischen Klub. Bei Ebbsfleet United aus der Grafschaft Kent bestimmen künftig Zehntausende Fußballfans als Teilhaber per Internet über Aufstellung, Nachwuchsförderung und die Strategie überhaupt. Ein Modell auch für das englische Nationaltem, bei dem sonst offenbar gar nichts mehr geht? Und wenn das funktioniert und Bundestrainer Joachim Löw irgendwann mal abtritt, wäre das doch auch für Deutschland die Lösung – sonst übernimmt nachher noch Oliver Bierhoff, oder Rudi Völler kommt zurück.

Plastiktüten verbieten

Der britische Premierminister und Labourchef Gordon Brown will grüner strahlen als sein konservativer Herausforderer David Cameron und Einkaufstüten aus Plastik verbieten. Die Idee klingt gut und man sollte auch in Deutschland darüber nachdenken. Auf der Insel allerdings wäre das ein Kulturschock. In den Läden gehört es zum auch sonst guten Service, dass  freundliche Kassiererinnen den Einkauf für ihre Kunden in kostenlosen Tüten verstauen – und zwar nach dem Prinzip: Darf es ein bisschen mehr sein, mehr Plastik. Ich bitte dann meist darum, doch möglichst alles in eine Tüte zu packen. Und fühle mich von verständnislosen Blicken als typisch deutscher Ökokompromissler entlarvt.