Philipinische Wende: Der böse Herzog als Held

Nazi und Mordverschwörer wurde er in aller Öffentlichkeit genannt. Jahrelang nahm Prinz Philip, der Duke of Edinburgh und Gatte der Queen, alle Tiraden des Milliardärs Mohamed al Fayed mit steifer Oberlippe hin. Der Buckingham Palace hielt sich zurück mit Entgegnungen auf die Verschwörungstheorien des Ägypters, dessen Sohn Dodi vor zehn Jahren an der Seite von Prinzessin Diana in einem Tunnel in Paris starb. Für Mohamed al Fayed, unter anderem Besitzer des Luxuskaufhauses Harrods, starben Diana und Dodi nicht bei einem Unfall, sondern durch ein Mordkomplott. Angestiftet von Prinz Philip, ins Werk gesetzt mit Hilfe des britischen Geheimdienstes. Sein angebliches Motiv: Hass auf die Prinzessin und Ressentiments gegen den muslimischen Emporkömmling, der mit ihrer Hilfe ins britische Establishment aufsteigen wollte.
Duke und Queen
Der ungeheuerliche Vorwurf ist aktenkundig bei den Royal Courts of Justice, wo die ganze mythenumwobene Geschichte um den Tod der Prinzessin und ihres Liebhabers zurzeit noch einmal aufgerollt wird. Ein Ziel der Veranstaltung sei, so hat es der Richter am ersten Tag ohne Umschweife formuliert, ein für alle Mal die Verschwörungstheorien und Gerüchte rund um den Fall zu beenden. Dazu wollte dann doch auch das Königshaus gern beitragen und gab eine Reihe von Briefen des Königingemahls frei. Wenn dies keine Dokumente gigantischer Heuchelei sind, dann hatte der vermeintlich so böse Schwiegervater offenbar gar nichts gegen Diana. Im Gegenteil: Er stand ihr während ihrer Trennung von Prinz Charles mit liebevoll väterlichem Rat zur Seite. Und die Prinzessin nahm diesen Rat offenbar mit großer Dankbarkeit an, wie wiederum aus ihren Antworten an Philip hervorgeht. „Liebster Pa“, schrieb sie, „ich war besonders bewegt von Deinem letzten Brief, der mir bewies, wenn ich das nicht ohnehin schon gewusst hätte, dass Du es wirklich ernst meinst.“ Die tatsächlichen Ratschläge wurden als zu persönlich eingestuft und geschwärzt, doch auch so wird Dianas Zuneigung zu Philip deutlich. Die britische Presse zitierte ausgiebig aus den Briefen. Gerade für sie war Philip immer ein leichtes Opfer. Wegen seiner deutschen Verwandtschaft war er vielen Briten schon bei seiner Heirat mit Elizabeth zwei Jahre nach Kriegsende suspekt. Später machte er sich mit peinlichen Sprüchen unbeliebt. Britischen Studenten in China zum Beispiel riet er, nicht zu lange dort zu bleiben, weil sie sonst Schlitzaugen bekämen. Jetzt ist der böse Herzog auf einmal der Held. Eine philipinische Wende.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.