Gordon Brown drückt sich um Europa

Gordon Brown, nach vielen Pannen ohnehin schon als „Mr. Bean“ der britischen Politik verspottet, unternimmt in Lissabon heute den Versuch, gleichzeitig da und nicht da zu sein. Der Premierminister fliegt nach Portugal, um den EU-Reformvertrag zu unterzeichnen, zeigt sich aber nicht mit den anderen Regierungschefs. Er kommt zu spät, verpasst die Zeremonie und unterschreibt allein, weil ihm ein innenpolitischer Auftritt wichtiger ist und Fototermine mit europäischen Politikern sein Image womöglich noch verschlechtern. Einmal mehr drückt sich der Premier um Europa. Dabei wäre eine offene Debatte um Sinn und Unsinn der EU gerade auf der Insel so wichtig. Wahrscheinlich kann tatsächlich nur ein Referendum die von Ressentiments und Medienkampagnen verpestete Luft reinigen. Die Frage kann dabei allerdings kaum noch sein, ob die Briten den EU-Vertrag unterstützen, sondern ob sie überhaupt in der EU bleiben wollen.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.