Der Führer als Fan

Die Chance, Adolf ins Blatt oder auf den Bildschirm zu bringen, wird in GB immer gern genutzt. Zum Beispiel jetzt gerade wieder von der „Times“, die uns – natürlich strictly aufklärerisch – mit dem angeblich neuen Internet-Phänomen des „mash-ups“ konfrontiert. Ernsthafte Filme werden durch neue Untertitel oder Synchronisierung zur Comedy. In dem Fall: „Der Untergang“. Bruno Ganz als Hitler echauffiert sich nicht über den ausbleibenden Endsieg, sondern über Tottenhams jüngste Niederlage gegen Arsenal. Rührend und in ihrer Heuchelei irgendwie typisch britisch, die Warnung im Text der Online-„Times“: This clip contains offensive language.

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Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

9 Gedanken zu „Der Führer als Fan“

  1. Auf jeden Fall, kein Zweifel. Und sicher funktioniert das mit den Untertiteln noch besser, wenn man kein Deutsch versteht und von der Soundspur nur kehliges Gröfaz-Brrbrr mitbekommt.

  2. Ich habe gerade Besuch aus England, und im Schellimbiß konnte ich die B.Z. durchgehen und zum Teil übersetzen – egal wie schlecht die deutsche Boulevardpresse ist, ist sie etwas ganz anderes als in England. Egal. Auf jeden Fall gab es eine Menge „Hitler“-Nachrichten – okay, es gab i.d.R. mehr als etwas Bezug auf England (Unity Mitford, Fußball, was weiß ich), aber die deutsche Presse sind auch heutzutage so frei. Seit der WM…

  3. Die Unity-Mitford-Geschichte um Hitlers angebliches Kind von der britischen Faschistin („Hitler’s love child“) zeigt meiner Meinung nach, dass die englische Obsession mit den Nazis tatsächlich etwas zurückgegangen ist. Soetwas hätte doch früher hier tagelang die Titelseiten beherrscht. Ob es wirklich an der WM liegt?

  4. Naja, Unity Mitford ist nicht soooooo bekannt. Ich glaube nicht, dass solche uralte Geschichten – und genug von Ms Mitford und die gesamte Familie ist ja längst bekannt – etwas für die Sun, Mirror und Co. sind. Eventuell die Mail, aber die Zeitung hat ja eine ganz ‚andere‘ Eigengeschichte, wenn es um Nazis geht („Hurrah for the blackshirts!“ in ca. 1936)… Vielleicht ist „Hitler’s Love Child“ eigentlich von Lord Rothermere?

    Ich denke schon, dass diese ganze seit-der-WM-„wir können endlich wieder nationalstolz sein“ der Bildzeitung, der B.Z. und Co., und auch die ganze Hitlerdreck in der Boulevardpresse hier (in Deutschland) schon irgendwas miteinander zu tun haben. Die Fahnen hängen zum Teil noch…

  5. Und sowieso: wg. Hitler und Spurs. Jeder, der mal Alf Garnett (also die Ursprungsversion von „Ekel Alfred“) im Fernsehen gesehen hat, weiß ja dass Tottenham – zumindest früher – als „Judenverein“ galt, was das alles noch merkwürdiger macht.

  6. In einem Kommentar unter dem Times-Online-Stück zum Thema wurde gemutmaßt, ob denn nicht Jeffrey Archer besagtes „Love Child“ sein könnte. Schließlich sei er 1940 geboren. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article3042944.ece
    Das hier ausgerechnet Tottenham derart derb bespaßt wird, ist in der Tat merkwürdig. Die Spurs-Fans nennen sich bis heute „The Yids“. Ich war mal bei einem Spiel zwischen Charlton und Tottenham. Einige Charlton-Fans riefen „Bloody Yids“ und die Spurs-Fans selbst „Who let the Yids out“. Außerdem sollen die Spurs-Fans über den einstigen Spurs-Spieler Jürgen Klinsmann gesungen haben: „Once Jürgen was a German, now he is a jew.“ Siehe auch: http://yid-army.co.uk/

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