Led Zeppelin – heiße Luft rauslassen

Kann mir jemand kurz die Aufregung um Led Zeppelin erklären? Millionen von Menschen haben sich um die 20000 Plätze beim Konzert im Londoner Millennium Dome am Montagabend beworben. „Reunion des Jahrzehnts“ schreiben die Zeitungen. Waren das nicht schon die Spice Girls? Das Gitarrengefummel von Jimmy Page und die Gesangsglanzparaden von Robert Plant – ist das nicht eher Sport als Musik? Jeder Ton schreit: Mann, sind wir gut, den hier können nur wir. Like Punk never happened.

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Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

7 Gedanken zu „Led Zeppelin – heiße Luft rauslassen“

  1. Hallo Markus,
    wie alt bist Du?
    Die Aufregung um Led Zeppelin kann man nur verstehen wnn man in der Zeit seine Jugend vebracht hat als Led Zeppelin wochenlang die Hitparaden mir Ho lotta love gestürmt haben!
    Wen ich mich gerade in London aufgehalten hätte wäre das ein wichtiger Termin für mich gewesen!
    Aber nichts für ungut, was schön oder gut ist,liegt immer im Sinne des Betrachters.
    Lass es Dir gut gehen. Schöne Weihnachtszeit!
    Gigi

  2. Danke, Markus!
    Endlich mal nicht dieses verknarzte Jubel-Gekreische über Come-back-Altrocker (musste gestern auf DeutschlandRadio Kultur den veträumten Erzählungen eines Veteranen des letzten LZ-Berlin-Konzerts lauschen, das dauerte gefühlte 45 Minuten).
    Bin diesen einzig wahren sexanddrugsandrock´n´roll-lifestyle-Erfindern trotzdem zutiefst dankbar. Schließlich haben sie mir (nur mir?) erst durch totale Ablehnung sämtlichen Stairway-Zeugs den Weg zu „meiner“ Musik geebnet, die ohne 20-Minuten-Doppelhals-Gitarren-Soli-Orgien und 18-Oktaven-Gesangskunstakrobatik auskommt. Wieso aber jetzt überall diese 20-Millionen-wollten-sie-sehen-Hymnen?? Verwundert mich auch. Droht jetzt eine Welttournee?

    PS: gigi, ich bin 40.

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  4. Nein, das ist kein Sport, das ist Kunst. Und ich finde es schön, wenn Musik Kunst ist. Einhals-Violinen-Mozart-Gefiedel ist übrigens auch Kunst, oder das Gekrähe eines Tenors.
    Led Zeppelins Musik(da stecken Blues und Folk drin) ist mit dem „Gewürz-Mädchen-Einerlei“ in etwa vergleichbar, wie das Weihnachtsmenü eines 4 Sternekochs mit einer Bratwurst am Bahnhof Zoo.
    Aber wer nichts anderes kennt als Pommesbuden, wird mit einer frischen Auster auch nicht froh: die sieht eklig aus und schmeckt nach Nichts und Fisch.
    Eher naiv ist allerdings die Auffassung: was mir nicht gefällt, taugt nichts, ist ungesund, wird abgeschafft, beobachtet, verboten.
    Aber das soll ja herrschender Zeitgeist sein, wobei: eigentlich bleibt Geist immer dasselbe. Doch es gibt eben Zeiten, da haben die meinungsbildenden Leute mal mehr, mal weniger davon.

    Guten Abend…

  5. @Ch. Verbieten, abschaffen, für ungesund erklären will ja hier keiner was. Pop (meinetwegen auch Rock) funktioniert allerdings anders als Mozart oder Haute Cuisine (oder eben Led Zep). Diese ganz spezielle Kunst lebt eben nicht von der Anbetung von Könnerschaft, sondern vom Gefühl, dabeizusein, sich selbst aufzuraffen, ja auch sich selbst ein bisschen etwas vorzumachen. „Everybody please form a band“ (oder so ähnlich), ruft der Sänger Eddie Argos von Art Brut (passender Name in dem Zusammenhang) seinen Fans zu. Das mit den Spice Girls war übrigens, Achtung, Achtung!, Ironie. Die Parallele zu Led Zep besteht allenfalls im weltweiten Hype.

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