Was London Berlin voraus hat – zehn Beispiele

Hallo, ich bin der neue Blogger und fange jetzt an. London vergleicht sich gern mit New York. Und umgekehrt: Unlängst stand mal im „New York„-Magazin, dass London aufholt, wenn nicht sogar überholt. Ein Thema, das der Londoner „Evening Standard“ gern aufnahm. Aber was ist mit Berlin? Briten lieben Berlin, sie kommen gern zu Besuch und vor allem junge Briten ziehen in die deutsche Hauptstadt. Ich bin vor einem guten halben Jahr in die andere Richtung gegangen, um als London-Korrespondent für den Tagesspiegel zu arbeiten. In meiner Zeit hier bisher habe ich gemerkt, dass London Berlin doch vieles voraus hat. Hier kommen zehn Beispiele. 

1. Spannende Skyline: City, Canary Wharf, Battersea Power Station, St. Paul’s, New Wembley. Da kann kein Alexander- und kein Potsdamer Platz gegen an, kein Funk- und kein Fernsehturm, kein Dom und kein Europazentrum. 

2. Höfliche Menschen: Ein London-Trip samt teilnehmender Beobachtung („excuse me“, „sorry“) ist die Empfehlung für Muffel-, Schnauz- und Nörgel-Berliner.

 3. Multikulti (Entschuldigung, aber es gibt kein anderes Wort): Südafrikaner, West Indies, Kosovo-Albaner, Iren, Pakistani, Inder, Russen, Polen, Briten – alle wohnen sie in meiner ruhigen, kleinen Straße mitten im Kiez nördlich vom East End.

4. Vernünftige Hundefreunde: Vom Rentner bis zum Punk – Londoner machen den Dreck ihrer vierbeinigen Freunde sofort weg. Es bleibt kaum mal was liegen. Rätselhaft, warum das in Berlin nicht funktioniert. Hinter diesem Link ein paar Anregungen.

5. Das Umland: Gegen Brighton, Cambridge oder Henley haben es KW, Oranienburg oder Strausberg schwer. Okay, Potsdam hält mit.

6. Fußball: Arsenal, Chelsea, Fulham, Tottenham, West Ham – Hertha. 5:1 für London bei den Erstligaklubs.

7. Tate Modern: Nichts gegen Berlins wunderbare Museen und Galerien, aber diese Industriekathedrale, der modernen Kunst geweiht, ist unschlagbar.

8. Thames Path: Da will Berlin hin. Ein Flussufer der Flaneure – im gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus.

9. Pop: Keiner der ganz Großen lässt London je aus. Prince füllte den Millennium Dome 21 Nächte lang. Wie man hört, hat der kleine König aus Minneapolis aber auch schon in Berlin angefragt.

10. Asiatische Restaurants: Große Küchenkunst jenseits von Hühnchen süß/sauer.

Nächste Folge: Was Berlin London voraus hat.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

14 Gedanken zu „Was London Berlin voraus hat – zehn Beispiele“

  1. Sicher ist London die kosmopolitischste Stadt Europas, aber ganz so friedlich und reibungslos läuft es auch dort leider nicht ab mit der multikulturellen Gesellschaft, Stichwort Parallelgesellschaft, in letzter Zeit zunehmend auch dort thematisiert. Zum Umland Londons: also Brighton liegt ja nun doch eine ganze Ecke weg von London….Umland? oder sollen wir dann Ahrenshoop auch zum Umland Berlins zählen? À propos Umland Berlin: Londnon hat zwar auch schöne Ecken an Umland zu bieten, aber Berlins Seen und Havellandschaft kaum. Zu Punkt 10. Sicher gibt’s in Berlin kein Chinatown, auch nicht so viele Asiaten aber einige asiatische Restaurants können durchaus mit London konkurrieren ob das etwas unterkühlte Mr. Hai mit hervorragendem japanischen Essen, Good Friends mit authentischer chinesischer Küche oder Mr. Wuong’s vietnamesische Leckereien in Mitte…..
    Zum Kommentar von Kaetzle: Waitrose ist in der Tat das reinste Schlaraffenland, freundliche Bedienung, Spitzenprodukte, günstige Preise und wunderbar lange Öffnungszeiten.

  2. Habe von Engländern gehört, dass es immer weniger Engländer in London gibt, da die Mieten einfach unbezahlbar sind. Und wenn man dann als Normalsterblicher etwas Bezahlbares gefunden hat, ist es oftmals das letzte Loch, oft mit Ungeziefer verseucht.
    Prince hat in den 80ern auch in Berlin Konzerte gegeben, in der Waldbühne, war super.Danach hat er noch in einer Amidisco eine Extrashow abgezogen.

  3. zum kommentar von roberta:
    von london victoria nach brighton braucht man exakt 51 minuten, das kann man wohl durchaus als umland ansehen.

    meiner meinung nach ist berlin eine europäische hauptstadt (und durchaus auf gleicher „höhe“ wie stockholm, rom, barcelona und paris, aber london ist eine metropole. in london ist einfach alles grösser, schneller, ‚mehr‘ und ein vergleich mit berlin irgendwie absurd.

  4. Sorry Mister,
    am Fernsehturm in der Nacht kommt in Europa nur noch
    der Eiffelturm ran. Canary Wharf ist große Langeweile.
    New Wembley ist ästhetisch eine Krankheit und kann nicht mit
    dem Mythos Olympiastadion mithalten (schon gar nicht mit dem
    Edelstein Allianz-Arena in München)
    Der Autor ist wohl noch nicht viel rumgekommen.

  5. Besonders die Partizipation der Minderheiten in London ist europaweit vorbildlich. Habe in einer Gegend mit Bangladeshi und Schwarzen gelebt, sie alle sind in den District Wards vertreten, regieren und bestimmen mit. London feiert seine Minderheiten, Berlin versucht sie zu verdrängen und runterzumachen. Ansonsten stimme ich mit Tina überein, es ist einfach eine andere Liga.

  6. ja, da hat tina vollkommen recht und das wurde vorher noch nicht erwähnt – der Rythmus in London ist viel schneller als in Berlin, manche mögen gerade dies, andere finden es stressig. Was die Mieten angeht, sieht es allerdings wirklich desastermäßig aus, während man für 600 Euro ne 1a dreizimmer Wohnung in wunderbarem Berliner Kiez bekommen kann, muß man mindestens das gleiche pro Woche in London hinblättern…..aber wohnt dann eher jwd oder Wg-mäßig…..und ja, die Hundefreunde sind sehr verbreitet in London, den Dreck auf der Straße mögen sie auch wegmachen…..aber in mancher Wohnung….kann’s mit der Hygiene dann schon mal zu nem eher unangenehmen laisser-faire ausarten

  7. Also ich war gestern noch in London und war mal wieder ueberrascht wie schmutzig es doch ist (Hundedreck vielleicht ausgenommen, aber Hunde hab ich auch keine gesehn). Die oeffentlichen Verkehrsmittel sind zu Stosszeiten komplett ueberlastet (wenn man 15 U-Bahnen ziehen lassen muss bevor man in einen Wagen kommt und dafuer dann auch noch £4 zahlen darf, stimmt doch irgendwas nicht). und was die Freundlichkeit angeht: Im vergleich zum Rest Grossbritanniens konkurriert London regelrecht mit Berlin. Metropole oder nicht, was die Lebensqualitaet angeht, verliert London jedes Mal.

    Aber das koennen wir ja sicherlich in der naechsten Folge lesen….

  8. In der Tat scheint der junge Mann vom Tagesspiegel in dem halben Jahr nicht viel von London gesehen zu haben. Er hat zwar recht einerseits – ein Vergleich Londons mit Berlin scheidet schon aufgrund der Unterschiedlichkeit beider Staedte aus. London ist gross, es gibt wunderbare Ecken, wie Marylebone oder Kensington, Foyles und die Exibition Road und vieles mehr. Es gibt aber auch East End und East – also dort, wo der Autor bestimmt nicht wohnt. Wenn ich Ilford usw. sehe, dann weiss ich, London ist ein Moloch, was auch abstossend haesslich ist, und wenn ich an die vielen Menschen (crowds) denke, dann weiss man, was man hat, wenn man in der Countryside lebt und in einer Stunde in London sein kann. Und da sind Henley und alles andere unvergleichbar. Als alter Berliner, jetzt Contrysidianer muss ich sagen, ich habs nie bereut. Und was ich am wenigsten vermisse sind die brandenburger Nadelholzwaelder.
    11. Waitrose (wie die Vorgaenger)
    12. freien Eintritt in den Museen
    13. besserer und billigerer Nahververkehr

  9. ein Nachtrag zum Thema „sorry“ muss noch sein. „Sorry“ wird von „Entschuldigung“ bis „lass mich in Ruhe“ fuer alles unentwegt verwendet und hat keinerlei tiefere Bedeutung. Spaetestens wenn Sie, Herr Heselmann, das Klo verlassen und ein englischer Kollege kommt hinein und sagt „sorry“, dann fragen Sie sich, warum derjenige sich entschuldigt, dass er auch nur mal wohin muss. Es kann einem auch das ewige „sorry“ maechtig auf den Geist gehen.
    Dafuer stehen sie auf der anderen Seite kaum 10 Minuten in einer Landschaft und es kommt bestimmt der naechste Englaender, der Sie fragt, woher Sie kommen, wohin Sie wollen und ehe Sie sich versehen, kommen Sie ins Plaudern fuer die naechste halbe Stunde – nicht in London, aber in der Countryside. Schon nettes Voelkchen hier 😀

  10. Hi Ben, danke für den „jungen Mann“, hätte diese Ur-Berliner Anrede unbedingt noch in meine Pro-Berlin-Liste aufnehmen sollen, freut den Anfangsvierziger am Ende noch mehr als das „Darling“ oder „Love“, das man von älteren Damen hinter Londoner Geschäftstresen zuweilen noch hört. Wohne übrigens in E17, was unbedingt östlich ist. Gern mal auf einen Tee in Walthamstow!
    P.S. (zu Ihrem Kommentar unter meiner Berlin-Liste): Glaube nicht, dass sich die Berliner Mieten je annähernd zum Londoner Niveau hinbewegen werden. Dafür fehlen in Berlin die hochbezahlten Banker- und sonstigen Managerjobs (die auf absehbare Zeit auch kaum kommen werden).

  11. Kurz zum Thema Wohnungspreise: Offensichtlich kann man in Berlin deutlich billiger eine grosse Wohnung im Zentrum haben, Betonung auf *Wohnung* und *Zentrum*. London ist auch deswegen so teuer, weil man bereits in den nahen Aussenbezirken (also ab Zone 3, teilweise schon Zone 2) ueberwiegend im Haus mit Garten wohnt. Bei Haeusern ist der Preisunterschied gar nicht so dramatisch. Man kann schnell im Berliner Suedwesten 3000 Euro ausgeben fuer ein Haus mit Garten – was man in London ab Zone 3 im etwa auch zahlt. Natuerlich kann man auch viel mehr ausgeben… muss man aber nicht. Ich muss nicht Madonna als Nachbarin haben!

  12. 1. Spannende Skyline gibt es nicht wirklich, es gibt Hotspots wie die Battersea Power Station oder St. Paul’s, aber auch viel brachial biedere Architektur aus vergangen Tagen.
    2. Höfliche Menschen? Das ’sorry‘ ist Standard und ohne Bedeutung. Ich finde ausgenommen von der alten britischen Generation sind es die rüdesten Menschen, die mir bisher begegnet sind…Berliner sind offener und freundlicher.
    3. Multikulti ja aber zu welchem Preis, jede dieser Nationen lebt abgeschirmt in ihren Quartieren…die Immigration ist vollkommen fehlgeschlagen…sagt die britische Regierung selber. Es stimmt aber auch, das Berlin diesbezüglich keine Vorzeigestadt ist.
    4. Es gibt so gut wie keine Hunde in der City…dafür Füchse und überproportional viele Ratten, da es ja wohl die dreckigste Westeuropäische Stadt ist.
    5. Das Umland ist sogar empfehlenswert: einfach mal raus aus dem Londoner Moloch.
    6. Ich bin mir nicht sicher ob das ein so wichtiger Punkt ist, aber von mir aus.
    7. Tate Modern ist ein tolles Gebäude und Konzept. Aber wie gesagt nichts gegen die Berliner Museen und Galerien.
    8. Thames Path…naja ich bevorzuge die verwinkelte und abwechslungsreiche Spreepromenade als diese vorprogrammierte ‚Southwark‘ Flaniermeile.
    9. Pop…entschuldigung aber jeder der nur ein wenig mehr recherchiert bzw es wirklich krachen lässt, weiss das das Berliner Nachtleben, das Beste in der Welt ist…das Londoner ist lauter und bunter, aber genau das ist das Problem. In Wahrheit ist der Londoner Lifestyle schnöselig und desen Nachtleben ausgebrannt.
    10. In London sowie in Berlin gibt es ein sehr gutes und vielfältiges Kulinarische Angebot.

    Ich kann mir nicht helfen, aber als ich die Punkte gelesen habe, hatte ich das gefühl der Autor war nicht wirklich in London, sondern hat aus so einem Reiseführer abgeschrieben.
    Auch Berlin hat seine Macken…klar! Aber eins steht fest…Berlin ist die aufregendste Stadt der Welt momentan und das ist nun wahrlich kein Geheimtip mehr.

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