Verkanntes Meisterwerk: The Human League bringen „Dare“ auf die Bühne

„Was hörst du denn da für eine Achtzigermucke?“, fragt der Freund mit dem ansonsten vertrauenswürdigen Musikgeschmack. Here we agree to disagree. „Dare“ von The Human League gehört nicht in die Kategorien Eighties-Revival oder Peinliche Lieblingsstücke aus meiner verflossenen Jugend. Sonst müsste ich ja auch immer noch Simple Minds und, was weiß ich, Blancmange oder China Crisis hören. „Dare“ bekommt ohne Weiteres einen Platz in meiner Top Ten der besten Alben aller Zeiten. Es führte Stile zusammen und schuf daraus Neues. Geboren aus dem Geist des britischen Punk und seiner Do-it-yourself-Haltung verband das Album von 1981 Abba mit Kraftwerk, skandinavisch-kontinentale Popsongs mit teutonischem Synthesizerbeat. The Human League haben Elektropop und DJ-Kultur von Depeche Mode bis Paul van Dyk beeinflusst. Jetzt bringt Sänger Phil Oakey „Dare“ wieder auf die Bühne – von „The Things That Dreams Are Made Of“ bis „Don’t You Want Me“. Leider gibt es in Deutschland nur ein „Dare“-Konzert, am 17. Dezember in Köln. Das Konzert im Hammersmith Apollo hier in London war wunderbar und bewies, dass Oakey obendrein noch ein großer Live-Performer ist. Aus Menschmaschinen werden sehr menschliche Maschinen.

Wem das alles trotzdem noch zu nostalgisch klingt, der klickt und hört hier.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

7 Gedanken zu „Verkanntes Meisterwerk: The Human League bringen „Dare“ auf die Bühne“

  1. Freut mich. Was mich noch interessieren würde zum Konzert in Köln: Wurden da auch die marschierenden Nazis aus Clockwork Orange gezeigt, oder haben sie das aus pc-Gründen rausgelassen? Und wie war die Vorgruppe One Two, mit Claudia Brücken von Propaganda und Paul Humphreys von OMD?

  2. Hallo, versuche seit 20 Minuten mir selber in den Hintern zu beissen, weil ich dieses Konzert verpasst habe. Hat jemand mitbekommen, ob es im benachbarten Ausland Konzerte gibt ?

    Danke
    Ingo

  3. Auch ich habe The Human League live in Köln erlebt und muss sagen, die Anfahrt aus Lüneburg hat sich wirklich gelohnt. Die Band war mit Begeisterung bei der Sache und hat wirklich das komplette DARE-Album plus Zugaben perfekt und kraftvoll gespielt. Zu den marschierenden Nazis aus Clockwork Orange kann ich leider nichts sagen, ich stand genau vor Susan Ann Sulley in der ersten Reihe und habe nicht immer auf die Filme geachtet.
    Auch die Vorgruppe OneTwo war gut, hat den Saal ordentlich angeheizt.

  4. Habe in meinem leben ca.200 Konzerte erlebt.Das Konzert in Köln gehört zu den besten 10!Bitte wieder kommen!

  5. Ich war aus Nürnberg dabei – und kann Stefan nur voll zustimmen. Der Sound war einfach genial. Wären da weitere Termine gewesen wäre ich erneut angereist. Habe sie auch schon vor ein paar Jahren in London gesehen und war begeistert. Aber diese Jahr hat das voll getoppt. Liegt sicherlich auch daran dass ich Dare seit 81 schon so oft gehört habe und das Album eines der Top-Alben in meinem Leben ist 🙂

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