Hundedreck (2): Berliner Ausreden

Auf Heimatbesuch im Schöneberger Kiez, eine morgendliche Szene an der neuen Hundekotabwurftonne: Ein Mann im blauen Overall der Firma Wall macht sich an dem orangefarbenen Stadtmöbel zu schaffen, um den Inhalt zu entsorgen. Meine Frage: „Funktioniert das?“ Seine Antwort: „Im Moment nicht. Erst gleich wieder, wenn ich fertig bin.“ – „Ich meinte, ob die Leute das wirklich benutzen. Hier liegt doch trotzdem noch überall Hundescheiße herum“ – „Das liegt aber dann an den Hundehaltern.“ Schwierig, diesem wahren Satz noch etwas hinzuzufügen. Vielleicht diese Liste von zehn Ausreden, die wir spätestens jetzt nicht mehr hören wollen:

1. Ist doch alles Natur.
2. Anfassen ist eklig.
3. Ich zahle schließlich Hundesteuer.
4. Das geht Sie gar nix an.
5. Was macht eigentlich die BSR den ganzen Tag?
6. Tütchen vergessen.
7. Es liegt doch ganz am Rand.
8. Det is eben Berlin, wenns Ihnen hier nicht passt, ziehnse zurück nach München.
9. Sonst mach ich’s immer weg.
10. Das ist nicht mein Hund.

Siehe auch: Eilmeldung Hundedreck.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

6 Gedanken zu „Hundedreck (2): Berliner Ausreden“

  1. wenn man sich die zumeist jungen Menschen in Friedrichshain anschaut die am Wochenende in die Büsche pinkeln….

    wann gibt es für die endlich wall- stationen?

  2. Hi,

    wohne in Wilmersdorf und mir gehen die Hundebesitzer auch auf den Geist, die es nicht schaffen eine Tüte zur Beseitigung mitzunehmen. Obwohl ich selbst einen großen Unhold an der Leine führe, schaffe ich das durchaus. Allerdings sehe ich es an manchen Stellen gar nicht mehr ein, den zwischen den zehn anderen Haufen einzusammeln… sinnlos bei all dem Dreck.

  3. @Stef: Trotzdem Bravo! Und es scheint auch in Berlin immer mehr vernünftige Hundebesitzer zu geben. Bei einem kurzen Heimaturlaub übers Wochenende habe ich gleich zweimal den vorbildlichen Tüteneinsatz miterleben dürfen. Das ist mir vorher in fast 20 Jahren Berlin nicht ein einziges Mal passiert.

Kommentare sind geschlossen.