Blair/Brown: Eine Männerfeindschaft

Kaum vorstellbar, dass diese beiden Männer einst ein Büro in Westminster teilten, dass sie mal gute Kollegen und Verfechter einer gemeinsamen Sache waren. Nun könnte ein den Medien zugestecktes Memo des früheren britischen Premierministers Tony Blair den letzten Anlass zur totalen Demontage seines Nachfolgers Gordon Brown liefern. In dem Schrieb warnte Blair vor einem Jahr einen Parteifreund vor Browns Unfähigkeit, das gemeinsame Projekt „New Labour“ weiterzuführen. An der jetzigen, mit Blick auf die nächsten Wahlen fast aussichtslosen Lage der Labourpartei ist aber nicht Brown allein schuld, auch wenn dies Blair und die Seinen historisch gern so festgeschrieben hätten. Blair hat zu seiner Zeit viel erreicht. Er überwand die starren ideologischen Lager und führte seine Partei in die politische Mitte. Doch der Mann, der Großbritannien als „großartigstes Land der Welt“ bezeichnet, trug in seiner Selbstherrlichkeit auch zu Labours Niedergang bei. Er verließ sich lieber auf externe Berater statt auf sein Kabinett und ließ den politischen Nachwuchs in seiner Partei verkümmern. Da konnte es nur auf einen wenig fähigen Nachfolger hinauslaufen.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

Ein Gedanke zu „Blair/Brown: Eine Männerfeindschaft“

  1. Was wäre, wenn die beiden so lange übereinander herfallen, bis sie gemeinsam von der politischen Bühne herunterfallen? Ändern würde es nichts. Irgenwann hat jede Regierungspartei sich verbraucht. Heute könnte Labour sogar mit dem ewigen Grinse-Face Tony Blairs die Unterhauswahlen wohl nicht mehr gewinnen. Der Bambi-Trick funktioniert halt nicht mehr. Auch ein Premierminister Milliband wäre daher keine Rettung für Labour – da mag er sich mit seinen lieblichen Rehäugelein noch so sehr für Bambi II halten.

    Die Zukunft gehört nicht New Labour oder New Bambi, sondern den Tories. David Cameron mag zwar kein zweiter Disraeli, kein zweiter Churchill und keine zweite Thatcher sein: aber noch schlechter als Labour könnten die Tories ja gar nicht regieren. Schlimmstenfalls wären sie genau so schlecht. Nur: Warum sollten die Briten denn mit dem Schlimmsten rechnen?

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