Obama, throngs of fawning Germans – und dann auch noch Post von Wagner

Nett war das ja nicht, was ein PR-Mann des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain da in durchaus offizieller Mission sagte: McCains demokratischer Gegenspieler Barack Obama sei in Berlin vor „einem Haufen unterwürfiger Deutscher“ aufgetreten. Ich muss zugeben, dass mir Ähnliches in den Sinn kam, als ich die Jubelperser unter der Siegessäule rotieren sah, irgendwo zwischen Fanmeile und Reichsparteitag. Mir fiel dabei Adenauer ein, dem angesichts der deutschen Jubelarien für de Gaulle und Kennedy unwohl wurde. Und ich freute mich, derzeit mit Merkel und Steinmeier so wunderbar uncharismatische politische Führer (oops) zu haben. Zweifelnd, dass sich ein Kandidatenberater derart undiplomatisch äußern könnte, dachte ich allerdings zunächst an einen Übersetzungsfehler oder besser an eine unzulässig zuspitzende Übertragung aus dem Amerikanischen ins Deutsche. Im Originaltext der Agentur sagte der McCain-Mann „throngs of fawning Germans“. Ich hatte das Wort „fawning“ noch nie gehört und schlug nach. Und siehe, das Wort verdient eigentlich eine noch härtere Übersetzung: dict.leo bietet „kriecherisch“ an, neben „byzantinisch“ und „schwanzwedelnd“, was ja auf die Hundehauptstadt Berlin auch wieder zuträfe. Ebenso wie „hündisch“, was dict.cc neben „liebedienerisch“ und ebenfalls „kriecherisch“ für „fawning“ vorschlägt. Schön hier auch das angebotene Synonym „bootlicking“, das wiederum irgendwie an Margaret Thatcher erinnert und ihren Spruch den zu Margaret Thatchers Zeiten auf der Insel gern aufgewärmten Churchill-Spruch erinnert, nach dem man die Deutschen entweder an seiner Kehle hat oder unter seinen Füßen.

P.S. einen Tag später: Nun hat sich Bild-Wagner in unser aller Namen postalisch an den „Lieben John McCain“ gewandt. Wir Deutsche seien nicht kriecherisch, sondern romantisch, klärt er auf. Wir glaubten, dass man die Welt verbessern könne und strömten deshalb zu Obama und zur Siegessäule. Mir bleibt die Hoffnung, dass die Welt nicht schon wieder von uns Romantikern verbessert werden will.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

20 Gedanken zu „Obama, throngs of fawning Germans – und dann auch noch Post von Wagner“

  1. Ehre wem Ehre gebühret. Aber nicht jeder wird in Berlin auf die gleiche Weise geehrt. Nehmen wir mal den Regierenden Bürgermeister. Es gibt Berliner Events, da belässt es Klaus Wowereit beim Versenden einer schriftlichen Grußadresse, damit die Gäste sich in der deutschen Hauptstadt willkommen fühlen. Eines dieser Events ist das Folsom Europe Festival.

    Es gibt aber auch Events, da schaut Wowi gerne persönlich vorbei, und da gibt es von ihm dann auch deutlich mehr als nur ein paar warme Worte auf weißem Papier. So war es, als letzte Woche Barack Obama kam. Wowi nahm aus dem Roten Rathaus sogar das Gästebuch mit, ehe er zum Treffen mit Barack ins Adlon fuhr. Und statt einer schlichten Grußadresse überreichte Wowi als Willkommenspräsent dem farbigen Amerikaner einen weißen Berliner Bären.

    Einige Berliner meinten zwar, dass Obama doch eigentlich ins Rathaus hätte kommen müssen, um sich im Gästebuch verewigen zu dürfen, und dass der Bürgermeister doch nicht den Botenjungen spiele dürfe. Wer unbedingt will, darf das durchaus so sehen. Aber deshalb darf und sollte doch niemand ans „Bootlicking“ denken!

    Eines steht fest: den Besuchern des Folsom Europe Festivals (ein Event für männliche homosexuelle Sado-Masochisten) wäre ein solcher Faux-pas nicht so schnell unterlaufen. Die Besucher des Festivals verstehen offenbar weit mehr von SM-Praktiken als Markus Hesselmann. Diese Jungs wissen nämlich, dass es ein großer Unterschied ist, ob sich jemand lediglich einem anderen Mann zu Füßen wirft, oder ob er von dieser Position aus auch noch zum „Bootlicking“ übergeht.

    Ob Maggie Thatcher mit diesen feinen Unterschieden genauso vertraut ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Und obwohl es sich die Eiserne Lady nie nehmen ließ, in Räume vorzudringen, die ehedem Männern vorbehalten waren, wäre sie bei den schwulen Macho-Fans von Folsom Europe vermutlich auf unüberwindbare Barrieren gestoßen. Letzteres übrigens nicht etwa deshalb, weil die Besucher von Folsom Europe streng darauf achten, dass aus lustvollem Spiel nicht tödlicher Ernst wird (das tun sie!), sondern einfach nur darum, weil sie eine Frau ist.

    Nun mag Maggie Thatcher zwar das Talent (gehabt) haben, beim Reden über das dauerhafte Versinken junger Männer einen Ton in ihre Stimme zu legen, bei dem einige der Dominas im Umfeld von Max Mosley vor Neid wohl erblasst wären. Dieses Video über das Versinken des argentischen Kampfschiffs ‚Belgrano‘ während des Falklandkriegs beweist es uns schließlich: http://www.youtube.com/watch?v=7V0HFkGp63g

    Nur, wie schon gesagt: beim Folsom Europe wäre Maggie Thatcher bestimmt nicht willkommen gewesen.

    Um nun keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: weder möchte ich hier sexuelle Praktiken wie das „Bootlicking“ verteidigen, noch bin ich der Auffassung, dass Maggie Thatchers Falklandkrieg ein Fehler gewesen sei. Eigentlich hätten meiner Meinung nach damals sogar alle West-Berliner diesen Krieg befürworten müssen. Immerhin war Großbritannien zu jener Zeit noch eine der drei westlichen Schutzmächte, auf deren Beistand West-Berlins politische Freiheit beruhte.

    Wenig hätte damals für die Bewohner der politischen Insel West-Berlin beruhigender sein können als die Gewissheit, dass es mit Margaret Thatcher eine britische Premierministerin gab, die nicht dazu bereit war, tatenlos zuzusehen, wenn eine andere Macht einfach eine ihr nicht gehörende Insel militärisch besetzt.

    Wer sich ein wenig mit der Geschichte der Berlin-Krise Ende der 50er Jahre auskennt, wird zudem wissen, dass die uneingeschränkte Bereitschaft, die Freiheit und die Rechte West-Berlins zu verteidigen, in Großbritannien nicht immer stark ausgeprägt war. Harold Macmillan war als Premierminister (1957-63) jedenfalls durchaus verhandlungsbereit, als Chruschtschow West-Berlin unter Druck setzte.

    Unter den drei westlichen Schutzmächten gab während der Berlin-Krise nur eine, die zu keinerlei Kompromissen mit den Sowjets bereit war: es war das Frankreich Charles de Gaulles.

    Nach Berlin reiste Charles de Gaulle während seiner Deutschlandreise Anfang der 60er Jahre zwar nicht, aber andernorts wurde er in Deutschland tatsächlich bejubelt, und dies meines Erachtens auch völlig zu recht. De Gaulle hatte sich als unbedingter Freund der West-Berliner und der Deutschen erwiesen (und einer der Väter der deutsch-franzöischen Freundschaft war er ja auch). Warum also hätten ihm die Deutschen denn nicht zujubeln sollen?

    So viel hierzu.

    Okay. Frau Thatcher habe ich verteidigt. Charles de Gaulle habe ich verteidigt. Und andere Euroskeptiker wurden von Markus Hesselmann ja dieses Mal nicht erwähnt… (-:

  2. @Jens Mattern: Danke für den Hinweis. Ich erinnerte mich an die Variante des Spruchs nach dem Mauerfall. Es gab ja damals das berühmte Treffen in Chequers. Es ist allerdings tatsächlich nicht ganz klar, ob Thatcher das selbst so gesagt hat oder einer der anderen Teilnehmer. Mehr dazu hier: http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/;art138,2431502
    Ursprünglich ist das Zitat in der Tat von Churchill, mit Bezug natürlich auf „The Hun“. Nach Ihrem Hinweis habe ich das oben im Text geändert.

  3. Aus Hoffnung könnte durchaus Überzeugung werden, wenn man sich die Mühe machte, nicht nur nachzuplappern. Ich weiß nicht genau, von wem dieser Unsinn stammt, dass wir deutschen Romantiker die Welt verbessern wollten oder wollen. Mich jedenfalls kann die Welt.. und zwar kreuzweis. Und wenn Obama oder McCain sich an diesem „Event“ beteiligen möchten… bitte sehr 😀

  4. Von Churchill ist mir, neben einigen anderen Zitaten, dasjenige bekannt, welches ich zwar verinnerlicht, aber nie so recht verstanden habe. Auf Deutschland und die Deutschen bezogen sagte er, kriegsgeil und kämpferisch:

    Let everyone..
    kill a hun.

    Er ist offenbar dumm gestorben, denn diesen Unfug hat er m. W. niemals korrigiert. Deutsche sind keine Hunnen. Ihnen fehlt ein ganz entscheidendes ethnisches Merkmal, nämlich der „Hunnenfleck“. Den findet man normalerweise nur bei Asiaten. Allerdings, dem Vernehmen nach jedenfalls, auch bei den Bewohnern in dem einen oder anderen Alpendorf in der Schweiz. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die Hunnen seinerzeit dort sehr schlecht benommen haben.

  5. @ Manni

    Churchill kriegsgeil? Aha.

    Und dumm gestorben ist er dann auch noch?

    Fragt sich, wer hier der Dumme ist, bzw. wer hier andere Leser für dumm verkaufen möchte.

    IN WAR: RESOLUTION
    IN DEFEAT: DEFIANCE
    IN VICTORY: MAGNAMINITY
    IN PEACE: GOOD WILL

    Das war Churchill.

    IN VICTORY: MAGNAMINITY

    Das hätten sich die Russen auch gewünscht, als sie 1917 mit den Deutschen über den Friedensvertrag von Brest-Litowsk verhandelten. Aber welcher Deutscher weiß denn überhaupt, was den Russen damals alles aufgezwungen worden ist? Stattdessen wird auch heute in Deutschland immer noch in den Schulen vom Versailler Vertrag gesprochen. Letzteres vermutlich auch deshalb, um den lächerlichen Mythos zu nähren, dass dieser Vertrag wesentlich dafür verantwortlich gewesen sei, dass Hitler in Deutschland an die Spitze des Staates gelangte.

    IN VICTORY: MAGNAMINITY

    Wie man das Wort ‚Magnaminity‘ buchstabiert, hat die deutsche Seite nach 1938 in keinem einzigen der vielen Fälle interessiert, in denen die Wehrmacht in andere europäische Staaten einfiel, und diese militärisch niederwarf. Statt ‚Magnaminity‘ hatten die Deutschen nur Pläne zur wirtschaftlichen Ausbeutung, für Zwangsarbeit und für Völkermord im Gepäck.

    Welcher große Staatsmann nahm denn damals die führende Rolle ein, als es darum ging, alle Europäer (inklusive derjenigen Deutschen, die nicht vom Nazi-Virus infiziert waren) von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft zu befreien?

    Richtig: Winston Churchill.

    IN VICTORY: MAGNAMINITY

    Das war nicht nur so dahergesagt. Das war auch so gemeint. Die Ergebnisse der britischen Besatzungspolitik in den Jahren von 1945-1949 beweisen dies. Und ich denke dabei nicht nur an die Luftbrücke, die ohne die starke Beteiligung der Briten so gar nicht möglich gewesen wäre!

    Dumm gestorben? Wer? Churchill?

    Dumme Sprüche gibt es. Aber die kommen in Wahrheit von ganz anderer Seite!

    P.S. Noch ein Nachtrag in Sachen Brest-Litowsk. Natürlich hat das Deutsche Reich den Russen nicht nur schlimmste Friedensbedingungen diktiert. Nein, es hat auch riesengroße Geldbeträge eingesetzt, um erstens dafür zu sorgen, dass die Bolschewiki in Russland an die Macht kommen, und um zweitens dafür zu sorgen, dass die Bolschewiki auch an der Macht blieben. Allenfalls einer Margot Honecker könnte es heute noch gelingen, sich mit Erfolg einzureden, dass Russen, Polen, Tschechen, Ungarn und andere Europäer dem Deutschen Reich auf ewig für diese „Hilfe“ dankbar sein werden.

  6. Korrektur:

    Statt „nach 1938“ hätte es in meinem Kommentar oben selbstverständlich „seit 1938“ heißen müssen.

  7. Jaja. So hat man mir das auch alles beigebracht.

    Ich bleibe dabei. Churchills schulische Leistungen waren nicht gerade überragend, und den Nachweis, dass er im Laufe seines Lebens viel dazu gelernt hat, hat er auch nicht erbracht.

    Seine Reden und Redensarten aus der Zeit zwischen den beiden großen Kriegen lassen schon den Begriff „kriegsgeil“ aufkommen. Die deutsche Verklärung hinsichtlich des Wirkens Churchills habe ich nie teilen können. Aber die scheint sich irgendwie zu decken mit McCain’s Bemerkungen von „hündisch ergebenen Deutschen“.

    Die Gelegenheit, nach gewonnenem Krieg grossmütig zu sein, hatten Deutsche ja irgendwie nie so recht. Das funktioniert doch am besten, wenn man den Krieg gewinnt, zumal dann, wenn man ihn auch inszeniert hat. 1917 aber war Deutschland immer noch im Krieg, in einem Krieg, den Wilhelm II nun wirklich nicht gewollt hatte. Seine geradezu flehendlichen Bitten an sseinen Vetter, den Zaren, nicht mobil zu machen, geraten bei der Beurteilung auch immer leicht in Vergessenheit.

    Und was ist an Versailles falsch? Von Grossmütigkeit gegenüber dem unterlegenen Reich kann wohl nicht gesprochen werden oder?

    Meine Güte. Welcher grossse Staatsmann nahm denn die führende Rolle ein, als es um die „Beseitigung der Nazi-Terrorherrschaft“ ging?

    Nun, die Antwort ist nicht schwer. Das macht am besten immer der, der dafür gesorgt hat, dass der Terrorist überhaupt erst an die Macht gelangt. Da weiss man was man hat.

    IN WAR: RESOLUTION
    IN DEFEAT: DEFIANCE
    IN VICTORY: MAGNAMINITY
    IN PEACE: GOOD WILL

    ???
    Sehr hübsch… aber nicht auf Churchills Rosenbeeten gewachsen. Es war bereits das Kriegsprinzip Roms. Also abgeschrieben… und nicht erwischt worden.

    Die Finanzierung der bolschewistischen Revolution war überwiegend in den Händen eines Mannes, dessen bloße Namenserwähnung bereits lautes und empörtes Geschrei zur Folge hat. Er nahm das Geld, wo er es bekam. Und das meiste Geld kam von einer Seite, die nun gar nicht verdächtig ist und war, etwa kommunistische Revolutionen zu unterstützen.

  8. @ Manni

    Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie entweder derzeit in England leben oder aber eine Zeit lang in England gelebt haben?

  9. @ Manni

    Da ich eigentlich immer die Fragen beantworte, die mir gestellt werden, will ich es weiter unten gern tun.

    Zunächst aber noch ein Wort zu Winston Churchill. Eines ist doch offenkundig: ich bewundere Churchill, während Sie ihn verabscheuen. Die Abneigung gegen Churchill geht bei Ihnen so weit, dass jetzt schon dessen schulische Leistungen herhalten müssen, um hier etwas gegen Churchill sagen zu können.

    Als ob Churchill wegen seiner schulischen Leistungen in aller Welt berühmt geworden wäre! Mir scheint, dass Churchills Gegner mit ihren Anti-Churchill-Sprüchen den Ruhm des britischen Staatsmanns in Wahrheit noch mehren. Nicht mal mit der Behauptung, dass Churchill kein guter Schüler war, können Churchills Gegner aber die Öffentlichkeit wirklich beeindrucken. Wie denn auch? Nicht seine Gegner, sondern Churchill persönlich hat dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit auf seine schulischen Schwierigkeiten aufmerksam wurde.

    In einem seiner auflagenstarken Bücher berichtete Churchill einst von seinem ersten Lateinunterricht. Das war so gut geschrieben, dass natürlich alle Welt die Stelle immer wieder zitierte. (Vor allem jene mochten die Stelle, die sich in der Schule mit Latein eher schwer taten. Und so richtig gut sind in Latein ja nicht allzu viele…)

    Merke: Nur wer wirkliche Größe besitzt, kann es sich leisten, sich öffentlich als ehemaligen Schulversager zu outen. Geschadet hat Churchill das natürlich nicht. Er war ein brillianter Redner, und ein guter Schriftsteller. Es gibt nicht viele Europäer, die sogar den Literatur-Nobelpreis erhielten. Einer von ihnen war Winston Churchill. Nicht schlecht für einen ehemaligen Schulversager.

    Apropos literarische Anerkennung. Ein Wort zu Theodor Fontane sei mir auch noch erlaubt. Aber zunächst möchte ich gerne auf den Hintergrund meiner Frage eingehen, ob auch Sie längere Zeit in England lebten, bzw. derzeit dort leben:

    Ich habe keine Ahnung, was die Engländer ins Leitungswasser mischen. Die Amerikaner mischen Fluoride bei. Das ist gut für die Zähne. Aber in England muss es etwas anderes sein. Das ist schlecht für die Deutschen. Vor allem dann, wenn sie Journalisten sind. Kaum lebt einer von denen längere Zeit auf der Insel, schon tönt er geradezu nationalistisch. Nicht so wie ein britischer Nationalist natürlich, sondern eher so wie ein deutscher! (Aber so groß sind die Unterschiede da nicht.)

    Das ging schon Matthias Matussek vom ‚SPIEGEL‘ so, und wie es sich bei Markus Hesselmann auswirkt, lässt sich ja auf dieser Website auch jederzeit feststellen. Da wünschte man sich fast schon die preußische Kreuzzeitung zurück (das war für Bismarck einst das, was heute für die Tories der ‚Telegraph‘ ist).

    Die hochkonservative Kreuzzeitung hatte natürlich auch einen ‚Londoner Korrespondenten‘. Es war der berühmte Schriftsteller Theodor Fontane. Aber anders als ‚SPIEGEL‘ und ‚TAGESSPIEGEL‘ tat der nur so, als ob er von London aus schriebe. In Wahrheit hat Fontane seine ‚Londoner Korrespondentenberichte‘ nämlich in einer Berliner Redaktionsstube verfasst. Eine nationalistische Gesinnung ist von ihm nicht überliefert. Und auch sonst findet sich bei ihm viel Substanz. Den meisten heutigen Deutschen ist der Name Theodor Fontane jedenfalls ein Begriff – und das mehr als 100 Jahre nach seinem Tod. (Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Matthias Matussek einmal ähnlich ergehen wird.)

    Daher meine Frage. Welches Leitungswasser haben Sie also getrunken, Manni? Auch englisches? Mir kommt es so vor.

  10. Eigentlich verkneife ich es mir, von meiner Person allzu viel im Internet zu offenbaren. In diesem Falle mache ich gern eine Ausnahme.

    Ich war in der Tat nach dem 2.WK wohl einer der ersten Fritzens, die den Weg auf die Insel fanden. Es war damals noch eine Zeit, als man als junger Deutscher noch keine „Scham“ empfinden musste, wenn man sich auf den Weg zu Europas anderen Nationalstaaten machte. Meine Jahre – es wurden über 2 Jahre – in England gehören zu den eindruckvollsten, vielleicht zu den schönsten meines Lebens. Der Krieg war für uns dort niemals ein Thema. Ich wurde von den Engländern im allgemeinen als sympathisch empfunden und gut gelitten.

    Die albernen Betroffenheitsbekundungen und die dazu gehörigen Unterwerfungsrituale waren dann später ein Produkt der sogenannten „68er“. Sie sind mir, ein Kind, das den Krieg miterlebt hat, bis heute fremd geblieben. So etwas überlasse ich jungen Schnöseln, die offenbar nicht müde werden, sich im Ausland durch ihre fortwährenden Schuldeingeständnisse, um die sie um übrigen niemand ersucht, lächerlich zu machen.

    Der Nobelpreis sei dem guten Churchill doch gegönnt. Ihn zu erhalten, ist eh schon für manch einen mit einer gewissen Peinlichkeit verbunden, und es gibt wohl den einen oder anderen Kandidaten, der auf den Preis verzichtet hat. Leider nicht alle, und so finden sich dann auch in der Liste der Beglückten durchaus Leute, die man eigentlich für ihre „Taten“ anders hätte belohnen sollen.

    Ich bewundere, im Gegensatz zu Ihnen, niemanden. Naja, vielleicht den letzten Papst. Benedikt muss da allerdings auf meine Bewunderung noch ein paar Jahre warten.

    Übrigens sind auch Konsaliks Bücher in großen Auflagen verkauft worden, und die „Bibel“ ist, zusammen mit „Mein Kampf“, wohl das auflagenstärste Buch, das man sich denken kann. Unter diesem Aspekt kann mich Churchills schriftstellerischer „Erfolg“ auch nicht wirklich überzeugen.

    Um die Rolle dieses Mannes richtig zu beurteilen, muss man sich auch ein wenig mehr mit der Zeit auseinander setzen, in der er lebte. Um indes Verständnis zu entwickeln für den Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung während der 2. WK, für den er persönlich verantwortlich ist, muss man schon ein recht sonniges Gemüt haben. Ich gestehe ihm hier gern zu, dass er sich unvorsichtigerweise mit Leuten umgab, die er sich vielleicht lieber hätte vom Leib halten sollen. Und ich berücksichtige auch seine angegriffene Gesundheit Ende 1941, als er ziemlich unzurechnungsfähig, um nicht zu sagen „plemplem“, den Vernichtungskrieg gegen die deutschen Städte befahl.

    Zum Wasser in England. Ich bin sehr oft auf der Insel, habe dort sehr enge verwandtschaftliche Bindungen, und ich weiss, dass das Wasser „trinkbar“ ist. „Geniessbar“ ist für mich etwas anderes. Aber ich trinke auch in Deutschland kein Wasser aus der Leitung.

    Aus meiner deutsch-nationalen „Gesinnung“ habe ich nie ein Hehl gemacht. Ich kann darin nichts Verwerfliches erkennen. Bei Fussballländerspielen und ähnlichen Belustigungen auf Fanmeilen usw wird man mich allerdings nicht antreffen.

    Was übrigens geschieht, wenn man den von Ihnen so beklagten “ Nationalismus“ aufgibt, den „Nationalstaat überwindet“ und was dergleichen Sprüche mehr sind, das erleben wir seit einigen Jahren. Ich habe an diese Märchen nie geglaubt, und deshalb war es mir möglich, manche Ereignisse vorherzusehen, sie vorauszusagen. Ich könnte Ihnen heute auch etwas vorhersagen, aber ich befürchte, Sie werden es gar nicht wissen wollen. Und dann, wenn das Ereignis eingetreten ist, werden Sie sagen, dass Sie es so oder so ähnlich bereits haben kommen sehen. Ja, hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

    Sicher ist Theodor Fontane ein Begriff, und er wird es vermutlich noch sehr lange bleiben. Aber was beweist das? Auch Goebbels oder AH wird man nach 300 Jahren noch kennen, genauso wir Napoleon oder Dschingis Khna. Ob man es will oder nicht, sie alle sind Figuren der Weltgeschichte.

    Und wenn unsere Beiträge hier nicht irgendwann gelöscht werden, halte ich es sogar für möglich, dass spätere Generationen unsere Elaborate als „Primär-Quelle“ für Zeitgeschichtliches aus dem Jahre 2008 gierig in sich aufsaugen werden.

  11. Eigentlich verkneife ich es mir, von meiner Person allzu viel im Internet zu offenbaren. In diesem Falle mache ich gern eine Ausnahme.

    Ich war in der Tat nach dem 2.WK wohl einer der ersten Fritzens, die den Weg auf die Insel fanden. Es war damals noch eine Zeit, als man als junger Deutscher noch keine „Scham“ empfinden musste, wenn man sich auf den Weg zu Europas anderen Nationalstaaten machte. Meine Jahre – es wurden über 2 Jahre – in England gehören zu den eindruckvollsten, vielleicht zu den schönsten meines Lebens. Der Krieg war für uns dort niemals ein Thema. Ich wurde von den Engländern im allgemeinen als sympathisch empfunden und gut gelitten.

    Die albernen Betroffenheitsbekundungen und die dazu gehörigen Unterwerfungsrituale waren dann später ein Produkt der sogenannten „68er“. Sie sind mir, ein Kind, das den Krieg miterlebt hat, bis heute fremd geblieben. So etwas überlasse ich jungen Schnöseln, die offenbar nicht müde werden, sich im Ausland durch ihre fortwährenden Schuldeingeständnisse, um die sie um übrigen niemand ersucht, lächerlich zu machen.

    Der Nobelpreis sei dem guten Churchill doch gegönnt. Ihn zu erhalten, ist eh schon für manch einen mit einer gewissen Peinlichkeit verbunden, und es gibt wohl den einen oder anderen Kandidaten, der auf den Preis verzichtet hat. Leider nicht alle, und so finden sich dann auch in der Liste der Beglückten durchaus Leute, die man eigentlich für ihre „Taten“ anders hätte belohnen sollen.

    Ich bewundere, im Gegensatz zu Ihnen, niemanden. Naja, vielleicht den letzten Papst. Benedikt muss da allerdings auf meine Bewunderung noch ein paar Jahre warten.

    Übrigens sind auch Konsaliks Bücher in großen Auflagen verkauft worden, und die „Bibel“ ist, zusammen mit „Mein Kampf“, wohl das auflagenstärste Buch, das man sich denken kann. Unter diesem Aspekt kann mich Churchills schriftstellerischer „Erfolg“ auch nicht wirklich überzeugen.

    Um die Rolle dieses Mannes richtig zu beurteilen, muss man sich auch ein wenig mehr mit der Zeit auseinander setzen, in der er lebte. Um indes Verständnis zu entwickeln für den Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung während der 2. WK, für den er persönlich verantwortlich ist, muss man schon ein recht sonniges Gemüt haben. Ich gestehe ihm hier gern zu, dass er sich unvorsichtigerweise mit Leuten umgab, die er sich vielleicht lieber hätte vom Leib halten sollen. Und ich berücksichtige auch seine angegriffene Gesundheit Ende 1941, als er ziemlich unzurechnungsfähig, um nicht zu sagen „plemplem“, den Vernichtungskrieg gegen die deutschen Städte befahl.

    Zum Wasser in England. Ich bin sehr oft auf der Insel, habe dort sehr enge verwandtschaftliche Bindungen, und ich weiss, dass das Wasser „trinkbar“ ist. „Geniessbar“ ist für mich etwas anderes. Aber ich trinke auch in Deutschland kein Wasser aus der Leitung.

    Aus meiner deutsch-nationalen „Gesinnung“ habe ich nie ein Hehl gemacht. Ich kann darin nichts Verwerfliches erkennen. Bei Fussballländerspielen und ähnlichen Belustigungen auf Fanmeilen usw wird man mich allerdings nicht antreffen.

    Was übrigens geschieht, wenn man den von Ihnen so beklagten “ Nationalismus“ aufgibt, den „Nationalstaat überwindet“ und was dergleichen Sprüche mehr sind, das erleben wir seit einigen Jahren. Ich habe an diese Märchen nie geglaubt, und deshalb war es mir möglich, manche Ereignisse vorherzusehen, sie vorauszusagen. Ich könnte Ihnen heute auch etwas vorhersagen, aber ich befürchte, Sie werden es gar nicht wissen wollen. Und dann, wenn das Ereignis eingetreten ist, werden Sie sagen, dass Sie es so oder so ähnlich bereits haben kommen sehen. Ja, hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

    Sicher ist Theodor Fontane ein Begriff, und er wird es vermutlich noch sehr lange bleiben. Aber was beweist das? Auch Goebbels oder AH wird man nach 300 Jahren noch kennen, genauso wie Napoleon oder Dschingis Khan. Ob man es will oder nicht, sie alle sind Figuren der Weltgeschichte.

    Und wenn unsere Beiträge hier nicht irgendwann gelöscht werden, halte ich es sogar für möglich, dass spätere Generationen unsere Elaborate als „Primär-Quelle“ für Zeitgeschichtliches aus dem Jahre 2008 gierig in sich aufsaugen werden.

  12. @ Manni

    Es wäre übertrieben, wollte ich hier auf alle Punkte eingehen, bei denen es mich geradezu danach drängt, Ihnen entweder zu widersprechen, oder aber zumindest mal kritisch nachzufragen.

    Hinsichtlich Ihres ersten Kommentars handelt es sich um die folgenden Punkte (in Stichworten):

    1. Die angebliche deutsche Verklärung Churchills
    2. John McCain und die „hündisch ergebenen Deutschen“
    3. Deutsche Gelegenheiten, nach gewonnenem Krieg Großmut zu zeigen
    4. Einen Krieg gewinnen, den man „inszeniert hat“
    5. Die vergessene Rolle Kaiser Wilhelms im Ersten Weltkrieg
    6. Versailles und die Folgen
    7. „Beseitigung der Nazi-Terrorherrschaft“ durch denjenigen, „der dafür gesorgt hat, dass der Terrorist überhaupt erst an die Macht gelangt“ ist – Was soll das heißen?
    8. Der von Ihnen nicht genannte Mann, der die bolschewistische Revolution finanzierte

    Und im zweiten Kommentar hätte ich gerne zu folgenden Punkten kritische Anmerkungen gemacht oder kritisch nachgefragt (in Stichworten):

    1. Unterwerfungsrituale als ein Produkt der „68er“
    2. „fortwährende Schuldeingeständnisse“ im Ausland
    3. Verzichte auf den Literatur-Nobelpreis
    4. „Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung“ und „Vernichtungskrieg“

    Aber man soll den Bogen ja nicht überspannen. Für den Fall, dass Sie auf einen der genannten Punkte zurückkommen wollen, würde ich mich dazu natürlich hier gerne äußern.

    Statt nun aber auf das uns Trennende hier näher einzugehen, möchte ich lieber mal auf den einen Punkt eingehen, in dem wir offenbar übereinstimmen: Auch ich bin gegen das Ziel einer Überwindung des Nationalstaats! Dazu braucht man aber nicht ‚deutsch-national‘ zu sein. Es reicht schon, schlicht und einfach patriotisch zu denken.

    Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, um Nationalismus von Patriotismus abgrenzen zu können, liegt meines Erachtens in der Frage: Wie hälst du es mit der Nation?

    Ist die Nation ein Wert an sich? Ist sich das Nationale selbst genug? Sind Nation und Nationales also gewissermaßen ein Selbstzweck?

    Oder geht es um das Wohlergehen des Landes und seiner Menschen? Geht es um die Werte, die das Zusammenleben der Menschen in einem Lande bestimmen, und die auch den Umgang mit anderen Ländern prägen, mit denen man ja friedlich zusammenleben möchte?

    Wenn das Nationale an sich hochgehalten wird, dann spreche ich von Nationalismus. Wenn aber die Sorge um das Wohlergehen des Landes, seiner Menschen und seiner Nachbarn im Vordergrund steht: dann spreche ich von Patriotismus.

    Nationalismus halte ich im günstigsten Fall für borniert und engstirnig, in schlimmeren Fällen für höchst gefährlich.

    Patriotismus halte ich hingegen für positiv und sehr wünschenswert.

  13. Wie hälst? Nee. Trotz Rechtschreibreform: Wie hältst (!) du es mit der Nation?

    Das ist die entscheidende Frage. (Und in diesem Blog ja sowieso).

  14. Ja, bitte schön, was sind denn nun die Fragen? Und was soll kritisch hinterfragt werden?

    Ich erteile gern Auskunft zu Fragen, die man mir stellt. Die Antworten auf die eine oder andere Frage indes werde ich nicht öffentlich zum besten geben, weil es sich da möglicherweise um ein Thema handelt, das offensichtlich nicht gern von amtlicher Seite in der Öffentlichkeit behandelt werden soll. Dafür mag es gute Gründe geben. Privat erteile ich natürlich gern Auskunft.

    Nur noch kurz zum „Nationalismus“. Dieser Begriff ist merkwürdigerweise seit langem negativ besetzt. Ich bin übrigens auch keineswegs der Meinung, dass man „Nationalismus“ NICHT überwinden sollte. Es gibt doch genügend Probleme weltweit, denken Sie an Umweltprobleme, die national gar nicht mehr bewältigt werden können. Da bedarf es sicherlich einer guten Zusammenarbeit mit Nachbarländern.

    Ich bin nur überzeugt davon, dass z. B. ein europäischer Moloch mit Zentralregierung in Brüssel nicht fähig ist, beispielsweise den demokratischen Rechten wie z. B. dem Gemeinwohl der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Von „Laufmaschen“ bei dem Gesamtgewirk Europa mal abgesehen. Da schafft man eine gemeinsame Währung, eine europäische Zentralbank.. und man weiss ganz genau, dass man der Bevölkerung Europas dieses wirtschaftlich-finanzielle Präservativ schlicht übergestülpt hat, ohne dabei zu bedenken, dass auch sexuelle Praktiken und Bedürfnisse duchaus unterschiedlich können. Auf wirtschaftliche Erfordernisse übertragen, bedeutet dies, dass z. B. der Kurs des €uro in Spanien gegenüber dem US$ durchaus unterschiedlich sein müsste im Vergleich zum Kurs zwischen Deutschland und den USA. Ach, es ist schon von viel gescheiteren Leute so viel zu Europa gesagt und geschrieben worden. Ich lass es lieber sein.

    Selbstverständlich kenne ich die Argumente, die gegen „ein Wiederaufleben des Nationalstaates“ sprechen. Sie ähneln denen, die man verwendet im „Kampf gegen die Ausbreitung des Fundamentalismus“ oder „gegen religiöse Intoleranz“ und was dergleichen Wortschöpfungen mehr sind. Wie man auch hier an Ihren Worten erkennt, ist jahrzehnteslanges Wiederholen von „Grundüberzeugungen“ durch die Medien nicht ohne Erfolg geblieben. Davon sind ja inzwischen viele Menschen weltweit überzeugt. Würde Gehirnwäsche nicht funktionieren, dann würde man sich ja nicht die Mühe machen, nicht wahr?

    Ich sage Ihnen nur eins: Wenn Sie nicht auch Nationalist sind, dann wird Ihnen Ihrer Patriotismus in einigen Jahren auch nicht mehr helfen. Dann könnte es nämlich durchaus sein, dass Nationalisten und Patrioten anderer Nationen Ihnen ihre Bedeutung dieser beiden Begriffe beibringen werden. Und die werden sich möglicherweise einen Teufel darum scheren, ob Sie dies nun borniert finden oder nicht.

  15. @ Manni

    Reichsgründer Otto Fürst von Bismarck über Deutschland:
    „Der Klumpen ist zu groß, um gänzlich zerrieben zu werden“

    Machen Sie sich keine Sorgen. Alles wird gut.

  16. Ja. Das hat er gesagt. Aber er konnte sich wohl damals nicht vorstellen, dass der „Brocken“ mal um einiges kleiner werden würde. Mit viel Glück könnte er heute seinen Heimatort bei Stendal wieder zu seinem Domizil machen. Dass er aber Naugard heute Nowograd nennen muss und dieser Ort in Polen liegt, wird ihm damals nicht in den Sinn gekommen sein. Das gleiche gilt für Stettin, Königsberg usw.

    Wenn das politische Deutschland glauben würde, dass Bismarck trotz allem Recht hat, dann bräuchte man eigentlich keine EU.

    Ich bin mir natürlich bewusst, dass es schwer ist, die Balance zu halten zwischen Nationalstaat und einer europäischen Einheit. Aber ein „Europa der Vaterländer“ wie es de Gaulle vorschwebte, ja, das könnte ich mir schon vorstellen.

  17. @ Manni

    Ihrer letzten Aussage (Europa der Vaterländer im Sinne Charles de Gaulles) kann ich voll und ganz zustimmen.

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