Deutschland gucken im Football Waste Land

Falls Sie sich während der EM im Football Waste Land und seiner Hauptstadt aufhalten (müssen), hier drei Londoner Kneipen, in denen auf jeden Fall Deutschland-Spiele gezeigt werden. Weitere Tipps very welcome:

Zeitgeist@The Jolly Gardeners, 49 – 51 Black Prince Road, SE11 6AB, 020 7840 0426
Bavarian Beerhouse, 190 City Road, EC1V 2QH, Tel. 020 7608 0925
Famous 3 Kings, 171 North End Road, W14 9NL, Tel. 020 7603 6071

P.S.: June is the cruellest month.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

6 Gedanken zu „Deutschland gucken im Football Waste Land“

  1. Ja: „June is the cruellest month“. Und kaum hat man den Link angeklickt, den Markus Hesselmann hinter diesen Worten versteckt hat, schon stößt man inmitten von T. S. Eliot’s englischsprachiger Wortwüste auf folgende deutschsprachige Zeilen:

    Frisch weht der Wind
    Der Heimat zu.
    Mein Irisch Kind,
    Wo weilest du?

    So ein Schelm, dieser Markus Hesselmann! Man wundert sich, dass er seiner Liste nicht auch noch ein Londoner Lokal hinzugefügt hat, in dem morgen abend für deutsche Lissabon-Freunde eine Live-Übertragung von der Stimmenauszählung in Irland stattfindet.

    Wir alle wissen ja: die Europameister in Sachen Fußball kommen und gehen. Mal sind es die Deutschen, mal die Franzosen, und mal sind es die Griechen.

    Aber der wirklich relevante, weil dauerhafte Titel des Europameisters wird derzeit nicht in der Schweiz und in Österreich, sondern in Irland vergeben (oder auch nicht vergeben: wer weiß?).

    Werden also die Iren im Referendum morgen dem Lissaboner Vertrag zustimmen? Werden sie es dadurch ermöglichen, dass Deutschland sein Stimmengewicht innerhalb der EU auf einen Schlag verdoppelt, und damit vor allen anderen Ländern zur unumstrittenen europäischen Zentralmacht aufsteigt?

    Frisch weht der Wind
    Der Heimat zu.
    Mein Irisch Kind,
    Wo weilest du?

    Wäre ich Beckenbauer, würde ich sagen: „Schaun mer mal“. Noch weiß niemand, welche Brise morgen von der irischen Insel nach Europa herüberwehen wird.

    Wer aber von dem Wunsch nach einer Politik beseelt ist, die möglichst bürgernah und demokratisch kontrollierbar ist, der wird auf das NEIN der Iren zum Lissaboner Vertrag hoffen. Schlecht stehen die Chancen für einen Sieg der Lissabon-Gegner ja nicht. Und wir Deutsche täten gut daran, uns auf Fußball zu konzentrieren, anstatt in alt-wilhelminischem Geist von einer deutschen Vormachtstellung in Europa zu träumen.

  2. Frisch weht der Wind der Heimat zu.
    Danke Irland.

    (Auch wenn es unsere angeblich demokratischen Politiker wie üblich herzlich kümmern wird.)

  3. Gemeint war: Auch wenn es unsere Politiker wie üblich herzlich wenig (!) kümmern wird. War vorhin ein Schreibfehler von mir.

  4. Ich bin beeindruckt, wie tbw spielend von Fußballkneipen über den alten Eliot die Kurve zum EU-Vertrag kriegt. Respekt. Ich lese das immer mit Gewinn. Aber ob der obige Schreibfehler womöglich ein Freudscher war? Und dann auch noch in der Urfassung korrekt? Kann mir nämlich kaum vorstellen, dass das irische O’No nicht doch einigen Wind machen wird, um den sich dann auch jemand zu kümmern hat. Wenn selbst ein Land, das derart von der EU profitiert hat wie Irland, gegen den Vertrag stimmt, dann nützt es jedenfalls nichts, sich ein neues Volk zu wählen. Eine grundsätzliche Debatte über die EU muss geführt werden, öffentlich, kritisch, europaweit. Und bestimmte, wichtige, schlussendlich (Urs Meier, Schweiz) alle Europäer angehenden Fragen (z.B. Reformvertrag, Verfassung) sollten in einer europaweiten Abstimmung entschieden werden, nicht Land für Land. Dann entwickelt sich vielleicht langsam, ganz langsam so etwas wie ein europäisches Bewusstsein. Denn selbst die Gegner würden ja dann ihre Kampagnen europaweit organisieren.

  5. @ Markus Hesselmann

    1. Es sind ja nun mehrere Berichte des Tagesspiegel über das EU-Referendum in Irland heute (bzw. gestern) veröffentlicht worden. Und wenn ich mir da jetzt mal die vielen Kommentare ansehe, die von den Lesern des Tagesspiegel geschrieben wurden, dann frage ich mich schon, warum ich mich eigentlich hier so gegen den Lissaboner Vertrag immer wieder ins Zeug gelegt habe.

    Ich glaubte ja, einer von ganz wenigen Deutschen zu sein, die diesem ganzen Vertragswerk und der demokratisch höchst problematischen Methode, es politisch durchzusetzen, ablehnend gegenüberstehen. Daher rührte wohl mein geradezu missionarischer Eifer.

    Nun aber zeigt sich plötzlich, dass der Großteil der sich äußernden Leser das ja (zum Glück!) genauso kritisch sieht wie ich selbst. Und es haben sich heute (bzw. gestern) vergleichsweise viele Leser auf der Website des Tagesspiegel zu diesem Thema geäußert. Dass diese Ablehnung so vieler Bürger in den deutschen Medien bislang nicht so recht sichtbar wurde, sagt zwar viel über die deutschen Medien, nichts aber über die deutschen Bürger aus. Offenbar hatte Jürgen Habermas ja doch recht, als er einst von der erfolgreichen ‚Verwestlichung‘ der Deutschen sprach.

    2. Nein, der von mir nachträglich korrigierte Satz war in der ursprünglichen Form leider nicht korrekt. Ja, die eigene Vorstellungskraft versagt, solange man noch nicht die geradezu unglaublichen Stellungnahmen von Frau Merkel, Mister Brown und Monsieur Sarkozy gehört hat. Ich stimme voll und ganz zu: Eine grundsätzliche Debatte über die EU müsste jetzt eigentlich angesichts des irischen Votums geführt werden! Aber die Regierungen in London, Paris und Berlin wollen das offenbar nicht. Sie halten unbeirrbar an ihrem Plan A fest. DAS ist ein Skandal, der jeden empören muss!

    Und da wundern sich unsere Politiker noch über Meinungsumfragen, in denen die Mehrheit der Deutschen bekundet, kein Vertrauen mehr in die Demokratie zu haben?

    Derzeit ist es leider so, wie es Herr Barroso den Iren ja schon vor dem Referendum gesagt hat: Es gibt keinen Plan B. Es gibt nämlich in der EU der Barossos, Browns, Merkels und Sarkozys grundsätzlich NIE einen Plan B.

    Als die Franzosen mit NEIN stimmten, gab es keinen Plan B. Drei Tage später wurden die Niederländer zu den Urnen gerufen. Als auch sie mit NEIN stimmten, gab es wiederum keinen Plan B.

    Es gab danach allerdings eine sogenannte ‚Reflexionsphase‘. Dies allerdings nicht, um über einen Plan B nachzudenken, sondern um den Plan A in Vergessenheit geraten zu lassen.

    Als die Phase zur Förderung der Vergesslichkeit dann vorbei war, wurde Plan A wieder hervorgeholt, mit einem neuen Namen und minimalen Kürzungen versehen, und schließlich erneut zur Ratifizierung vorgelegt. Leider stimmten nun aber schon wieder die Bürger dagegen. Diesmal waren es die Iren. Nur, wie gesagt: es gibt in der EU auch dieses Mal keinen Plan B. Den gibt es grundsätzlich nie! Es gibt immer nur den Plan A. Und der wird jetzt weiterhin durchgezogen. Da ziehen Barroso, Brown, Frau Merkel und Sarkozy an einem Strang.

    Ist das nicht eine schlimme Missachtung der Demokratie? Aber ja doch! Ich glaube geradezu, die Entdemokratisierung ist das eigentliche Anliegen des ‚Lissaboner Vertrags‘! Sein Hauptziel ist die Effizienzsteigerung durch eine Schwächung und einen Abbau der Demokratie! Eben gerade deshalb gibt es für die EU und die sie stützenden Lobbys in den Vorhöfen der Brüsseler Macht stets immer nur eins: den Plan A. Und das gilt solange, bis die Sache unter Dach und Fach ist.

  6. The university said that there would be an increased police presence on campus and provided the phone number of the campus escort service, the Twitter feed said.

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