Krankes Berlin, krankes Brandenburg

Ich komme aus dem Kotzen nicht mehr raus, wenn ich den Computer hochfahre und immer wieder solche Meldungen in meinem internationalen Kiez hier in Walthamstow, umgeben von Menschen von allen Kontinenten, lese. Krankes Berlin, krankes Brandenburg, kommt endlich im normalen Leben an und gebt Ruhe:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Uebergriffe;art126,2542971
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Spremberg-Rechtsextremismus;
art126,2542632

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

25 Gedanken zu „Krankes Berlin, krankes Brandenburg“

  1. Es gab viele Gruende, Berlin zu verlassen und das Thema (siehe Links oben) war eines davon. Es war unertraeglich geworden, in einer Gegend zu wohnen, wo man mich zwingt, darueber nachzudenken, welche Hautfarbe der neben mir Laufende hat.

  2. Natürlich find ich solche Nachrichten zum kotzen, aber man sollte nicht vergessen dass im 2007 in Großbritannien 33 Menschen aus rassistischer Motivation ermordet wurden- Mehr als hier in Deutschland und das nicht nur in dem Jahr. London ist auch bekannt dafür dass es für „Weiße“ No GO -Areas im pakistanischem Viertel gibt- es wurde schon ein über 80jähriger Mann zusammengeschlagen.Dies ist natürlich alles voll gesund.
    Offenbar muß der Autor sich selbst immer damit rechtfertigen ins so sauteure London gezogen zu sein, wo er nicht ansatzweise nach Abzug allein der Miete so ein Leben wie in Berlin leisten kann.
    Rechte Gewalt ist verdammt noch Mal kein rein deutsches Phänomen wie manche sich gerne einreden aber vom Ausland aus lässt es sich leichter schlechter reden oder schreiben als hierzulande, nicht wahr.Da demonstriere ich lieber hier gegen rechts um wenigstens etwas dagegen zu tun als nur abzuhauen und zu kotzen.

    Greetings from Germany

  3. @E.L. Ihr persönliches Engagement macht mir Mut, mich über meinen obigen Gefühlsausbruch hinaus stärker mit dem Thema zu befassen. Ich kann aber auch Ben sehr gut verstehen. Trotz der von E.L. genannten Statistik ist die Grundstimmung in London einfach internationaler als in Berlin, was Gefühle, wie die von Ben beschriebenen, im alltäglichen Leben erst gar nicht aufkommen lässt.

  4. RUBBISH!

    Habe selbst lange in London gewohnt un bin nun in Berlin. Auf privater Ebene ist mir überhaupt gar keine Fremdenfeindlichkeit – weder hier noch dort – begegnet. Da spielt sich wohl viel zu viel in den Köpfen von Markus und Ben ab. Der Fremdenhass ist auf der Insel wesentlich größer – nicht nur gegen Farbige!

  5. Würden in Deutschland alle deutschen Zeitungen so engagiert wie der ‚Tagesspiegel‘ immer wieder die wachsende Gefahr anprangern, die von Rechtsextremisten ausgeht, wäre schon viel gewonnen. Leider ist das aber nicht der Fall, und der ‚Tagesspiegel‘ in dieser Hinsicht eine (nicht die einzige) rühmliche Ausnahme. Und obwohl die Berichterstattung über Vorgänge in Berlin oder Brandenburg ja gar nicht Markus Hesselmanns eigentliche Aufgabe ist, lässt auch er es sich nicht nehmen, seine eigenen Leser auf entsprechende Beiträge im ‚Tagesspiegel‘ explizit hinzuweisen. Das empfinde ich als sehr lobenswert, und ich denke mir: wenn es bei uns doch nur mehr Journalisten gäbe, die sich so engagieren!

    Ein Pakistani, der jahrelang in Frankfurt lebte, ehe er nach Berlin zog, sagte mir, dass er sich wegen seiner Hautfarbe in Berlin manchmal unsicher fühle, während er dieses Gefühl in Frankfurt nie gehabt habe. Und nicht nur in Deutschland, sondern auch in England dürfte es ja wohl so sein, dass in einer prosperierenden Gegend wie dem Großraum London eine aggressive Fremdenfeindlichkeit eher die Ausnahme ist, während sie in wirtschaftlich notleidenden Gebieten häufiger anzutreffen ist. Dass es jedenfalls nicht nur in Deutschland eine NPD, sondern auch in England eine BNP gibt, sollte bekannt sein. In irgendeiner englischen Stadt hat sie neulich sogar bei den Kommunalwahlen sehr viele Stimmen gewonnen.

  6. Das war in Stoke. Und in London hat die BNP auch die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen und einen Vertreter ins Assembly geschickt. Das ist verabscheuungswürdig und mir auch alles bewusst, dennoch liegt mir Deutschland natürlich mehr am Herzen bei diesem auch emotional besetzten Thema. Ich gebe aber gern zu, dass die Art meines Blog-Eintrags sicher nicht die analytisch schärfste Form der Auseinandersetzung damit war. Trotzdem hier noch eine „Gefühlsgeschichte“, weil ich durchaus denke, dass man sich darüber auch an das Thema annähern kann. Hier geht es um Tourismus nach Deutschland: Meine früheren Nachbarn unten im Haus hier in Walthamstow kommen aus Südafrika, er ist Kapmalaie, sie pakistanischer Herkunft. Beide sehen also sehr asiatisch aus. Ausgerechnet zur selben Zeit, als vor einem Jahr Inder durch Mügeln gehetzt wurden, schwärmten sie mir von Deutschland vor, einem tollen Land, in das sie so gern mal reisen würden. Sie hatten von Mügeln nichts mitbekommen und ich habe ehrlich gesagt auch nichts erwähnt. Daraufhin habe ich mich dann gefragt, ob das richtig war und ich die lieben Leute nicht besser vor bestimmten Gegenden in Deutschland warnen sollte. Doch das kam mir dann wiederum paranoid vor. Natürlich, so wird jetzt zu Recht jemand einwenden, gibt es gerade in Südafrika gewalttätige Fremdenfeindlichkeit. Aber ich denke halt, das wir uns zuallererst um das Problem in unserem eigenen Land kümmern sollten. Wie es im übrigen auch meine frühere südafrikanische Nachbarin tut: Sie organisiert ein Netzwerk im Internet gegen Fremdenfeindlichkeit in ihrem Land. Jeder tut, was er kann, auch wenn er vermeintlich „abgehauen“ ist, wie es E.L. in seinem Kommentar nennt.

  7. „Ich gebe aber gern zu, dass die Art meines Blog-Eintrags sicher nicht die analytisch schärfste Form der Auseinandersetzung damit war.“

    Falls es sich bei diesem Satz auch um einen gegen mich gerichteten Seitenhieb handeln sollte (muss nicht sein), so habe ich das verstanden. Wäre da auch noch triumphal das Wörtchen „Gotcha“ angefügt worden, so hätte es auch seine Berechtigung gehabt.

    Soviel zu meiner gestern geübten Kritik an der Methode, auf die Leser dieses Blogs politisch Einfluss zu nehmen.

  8. Ich komme aus dem Kotzen nicht mehr raus, wenn ich solche Blogeinträge lese! (um bei Ihren Worten zu bleiben, Herr Hesselmann 😉

    Das Gewalt von Rechts auf schärfste zu verurteilen ist, darüber sind wir uns wohl einig.
    Aber solch einen polemischen Text auf die Internetseite des Tagesspiegel zu setzen ist schon allerhand.

    Ist Ihnen in Ihrem ach so tollen multikulti Walthamstow nicht aufgefallen dass die Linksextremisten die gesamte letzte Woche Berlin „terrorisiert“ haben? Oder passen brennende Autos in Ihr Verständnis von einer „internationalen“ Stadt?

    In was für einer Welt leben Sie eigentlich?
    Nennen Sie mir doch mal ein Land in Europa welches keine Probleme mit Rechten/Nationalisten hat.
    In Holland haben sie Wilders und es gibt regelmäßig Anschläge auf Moscheen und islamische Schulen.
    In Belgien prügeln sich Fußballfans mit den arabischen Bewohnern des angrenzenden Stadtteils.
    In Frankreich brennen jedes Wochenende in den Vorstädten die Autos, Gewalt ist an der Tagesordnung.
    In Italien werden Roma gejagt, die Ausländergesetze verschärft. Ganz im Sinne der mitregierenden Lega Nord.
    In Spanien gibt es die ETA und auch sonst mehr als genug Probleme mit den Schwarzafrikanern.
    Das man in Osteuropa als anders-aussehender oder anders-denkender sehr gefährlich lebt dürfte ja auch allgemein bekannt sein.
    Selbst in der beschaulichen Schweiz feiert ein Blocher mit rechter Polemik große Wahlerfolge.

    Dass in Ihr wunderschönes und konfliktfreies multikulti London doch nicht so konfliktfrei ist, hat Ihnen ja schon E.L. dargeboten.
    Hier noch ein paar Beispiele aus der Praxis:
    Eine dunkelhäutige Freundin von mir lebt schon seit der Geburt in Deutschland und wurde noch NIE in Deutschland fremdenfeindlich angegangen oder sonst wie bedroht. Als sie aber vor ein paar Jahren für eine Zeit in London studiert hat, wurde sie ausländerfeindlich bedroht und sogar bespukt und getreten. Herrlich normal Ihr London, oder Herr Hesselmann?
    Als ich vor etwa einem Jahr in London zu Besuch war, wurde ich in der U-Bahn von 5 Männern beleidigt und geschlagen (ohne körperlichen Schaden zu nehmen, zum Glück). Der Grund für den Angriff? Ich habe Deutsch gesprochen. Ein Glück dass die Menschen in Ihrem London so aufgeschlossen sind, nicht wahr Herr Hesselmann?
    Die Nachrichten von sich gegenseitig niederstechenden Jugendlichen und randalierenden „binch drinkern“ scheinen Ihnen auch entgangen zu sein. Oder passt das einfach nicht Ihr Bild von einem konfliktfreien, „normalen“ multikulti London?

    Bitte verschonen Sie uns und den Tagesspiegel in Zukunft mit Ihrem linken Gutmenschen-Geschwätz. Diese Welt ist voller Probleme, überall und jederzeit.
    Machen Sie lieber mal die Augen auf, dann werden Sie sehen dass auch in Ihrem tollen multikulti Walthamstow nicht alle verständnisvolle Gutmenschen sind.
    Ihre linke Polemik hat auf der Internetseite vom Tagesspiegel nichts verloren, auch wenn dies hier ein Blog ist. Es gibt immerhin einen Link auf der Titelseite zu Ihrem Block.
    Der Tagesspiegel hat Besseres verdient!

  9. Es gefällt mir, dass ich für zwei aufeinanderfolgende Einträge für „deutsch-nationalen Müll“ und „linkes Gutmenschen-Geschwätz“ (wahlweise: „linke Polemik“) kritisiert werde. Das legt so wunderbar die intellektuelle Bequemlichkeit offen, die hinter solchen Kraftkategorien steckt.

  10. Ich bin ueberrascht und doch auch nicht, diese Reaktionen auf Markus Hesselmann Blogeinrag zu lesen.
    Rechtfertigt Gewalt in anderen Laendern die im eigenen Land? Nein. Wir erwarten, dass der Landstrich, den wir moegen, besser ist. Dazu gehoert auch die Erfahrung, lieber mtw, dass binge-drinking und 33 Morde aus rassistischen Gruenden, lieber E.L., noch lange nicht den Umstand zu nichte machen, dass weite Teile in London und um London herum ein Selbstverstaendnis im Zusammenleben mit anderen Kulturkreisen haben, was Berlin und Brandenburg nicht aufweisen koennen. Es spielt es auch keine Rolle, ob Markus Hesselmann „Fahnenflucht“ begangen hat, weil er sich vom so billigem Berlin (so E.L.) abgewandt hat, um nun sein „Luxusleben“ im teuren London zu leben. Lieber E.L., sorry, es gibt noch mehr Orte als Berlin, an dem man leben kann. Berlin ist nett, aber weiss Gott nicht der Nabel der Welt.
    In Anbetracht Ihrer Erfahrung, lieber mtw, freue ich mich, dass ich bisher in London deutsch sprechend mit der Tube gefahren bin, ohne auch nur ein Haar gekruemt bekommen zu haben. Wahrscheinlich hatte ich nur deshalb so viel „Glueck, weil mein Deutsch unter den vielen Sprachen der der 30 Millionen Touristen, die jedes Jahr ueber London herfallen, nicht aufgefallen ist.
    Als ich Berlin verliess gab es einen Satz, den ich nie mehr in meinem Leben hoeren wollte, „Sowas brauchen wir hier nicht“.
    Sorry, mtw, Ihre Reaktion entspricht meiner Erfahrung mit Berlin: ignorant.

  11. Intellektuelle Bequemlichkeit?

    Was erwarten Sie denn wenn Sie so einen Beitrag veröffentlichen?
    Sie schreiben von „kotzen“ und erklären dann zwei einfachen Sätzen einen hochkomplizierten Sachverhalt. Das ist Lafontaine Niveau.
    Und Sie werfen mir „intellektuelle Bequemlichkeit“ vor!
    SIE sind Redakteur eine „Qualitätszeitung“. Lesen Sie sich doch noch mal Ihren Beitrag durch. Erkennen Sie dort irgendwo intellektuelle Höchstleistung bzw. überhaupt irgendeine intellektuelle Leistung?

    Lieber Ben,
    ich habe nie behauptet dass man als Deutscher unter ständiger Bedrohung lebt. Genauso wenig wie man als Ausländer in Deutschland unter ständiger Bedrohung steht.
    Aber wenn Herr Hesselmann hier suggerieren will dass in Berlin alles schlecht ist und in London alles wunderbar multikulti super, dann darf ich ja wohl schildern dass es in London auch andere Seiten gibt. Das mag ein Einzelfall gewesen sein, aber es ist passiert. E.L. hat ja auch noch ein paar Fakten geliefert.
    Wie Sie daraus jetzt eine Bedrohungslage für alle Deutsche machen ist mir nicht begreiflich.

    Mir geht es nicht darum Berlin als tolle Stadt darzustellen. Ich lebe selber hier und weiß sehr gut was hier alles falsch läuft (und damit meine ich nicht nur Gewalt von Rechts).
    Aber genauso darf ich wohl darauf hinweisen dass Herr Hesselmann mit seiner Aussage über London falsch liegt.
    Das Bild was uns Herr Hesselmann von London malt entspricht nämlich der Realität. Darauf darf und muss man aufmerksam machen.

    Zugegeben, mein Kommentar ist natürlich ein wenig überspitzt und nicht diplomatisch geschrieben. Aber es ist ja der Kommentar auf einen Beitrag, welcher selber in die unterste Schublade gehört.

    Das sich Herr Hesselmann jetzt in sein moralisches Schneckenhaus zurückzieht und mir „intellektuelle Bequemlichkeit“ vorwirft, zeigt doch, dass er selber gemerkt hat wie einfach er es sich gemacht hat.
    Wer so „austeilt“ wie Herr Hesselmann, der sollte es auch ertragen wenn er dementsprechende Antworten erhält.

  12. Lieber mtw,
    Als ich im Juni 2006 waehrend der WM in England Urlaub gemacht habe, sah ich zwei Spiele der Deutschen im Pub. Ich wurde so herzlich von wildfremden Menschen empfangen, zur tollen Leistung der Deutschen beglueckwuenscht, „bestes Team der WM“, dass es mir schon peinlich war, weil ich bis dahin kein Spiel der Deutschen gesehen hatte. Als ich nach Berlin zurueckkam, spielte an dem selben Abend England. Ich war an zwei verschiedenen Orten. Von dem ersten bin ich schnell gegangen, weil ich die Hassreden auf das Englische Team nicht mehr hoeren wollte, beim zweiten Public Viewing wuenschten sich alle, dass England verlieren moege, weil man es nunmal nicht mag. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.
    Wenig spaeter las ich im Tagesspiegel, dass ein Arzt aus Berlin zu seiner Hochzeitsfeier in Brandenburg eine jugoslawische Band bestellt hatte und die Jugendlichen des Ortes die Hochzeitsgesellschaft „auseinandergenommen“ haben mit dem Argument, „sowas brauchen wir hier nicht“. An dem selben Abend lief ich in Pankow auf der Strasse, es war warm, 30 Grad. Ein Auto hielt an der Kreuzung. Der Fahrer spielte tuerkische Musik. Es kamen 4 Nazis, die laut bruellten „sowas brauchen wir hier nicht“.
    Das war der Tag, an dem ich entschied, „Berlin braucht micht nicht, also gehe ich“.
    Wenn Sie schreiben „Bitte verschonen Sie uns und den Tagesspiegel in Zukunft mit Ihrem linken Gutmenschen-Geschwätz“ dann ist das kein intellektuelles Gebrei, was Sie von sich geben, sondern das, was ich soeben beschrieben habe.

    Wie ich einem der vorhergehenden Blogbeitraege bereits schrieb, was Markus Hesselmann an England entdeckt, deckt sich mit meinen Erfahrungen und ich freue mich, dass Markus Hesselmann Berliner im untypischen Sinne ist.

  13. Lieber Ben, (nicht das hieraus noch ein Liebesbeziehung wird 🙂

    noch ein mal: Ich habe nie behauptet dass wir in Deutschland keine Probleme haben. Genauso wenig habe ich behauptet dass es in London große Rassenprobleme gibt.

    Man kann unzählige Beispiele in Berlin finden wo Menschen sich falsch verhalten. Aber genauso gibt es zig Beispiele für solches Verhalten in London.

    Mich stört dieses Vereinfachen von Herrn Hesselmann. Alles toll und multikulti in London. Das mag für manche Bezirke gelten, aber ich habe mal bei einem Freund übernachtet, irgendwo im Norden (leider fällt mir der Name des Bezirks nicht ein). Dort war das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien alles andere als harmonisch. Die verschiedenen Gruppen standen sich dort eher feindselig gegenüber. Man hat es schon beim verlassen des Bahnhofs gespürt und es wurde mir von meinem Freund bestätigt.
    Das ist auch London.

    Ich will nichts schönreden, aber wenn man sich so echauffiert wie Herr Hesselmann muss man mit einer dementsprechenden Antwort rechnen.
    Es ist schon komisch wenn sich Herr Hesselmann in solch einer Weise über die Rechten aufregt, man aber von ihm nichts von dem terrorähnlichen Verhalten der Linksextremisten hört. Die sind nämlich ein mindestens genauso großes Problem für Berlin.

    Das Beispiel von WM 2006 ist übrigens nicht wirklich gut.
    Die Engländer haben uns immer gehasst im Fußball. Das war richtiger Hass, auch von den Regenbogenpresse forciert. Dieser Hass hat sich mit der Zeit dann auch bei den Deutschen ausgebreitet, wenn auch lange nicht so extrem wie andersherum.
    Seit der WM hat sich die Einstellung der Engländer uns gegenüber schlagartig geändert. Weil sie uns als gute Gastgeber entdeckt haben und die deutsche Mannschaft den attraktivsten Fußball des Turniers gespielt haben.
    Das sich dieser Hass bei den Deutschen nicht automatisch auch sofort verflüchtigt hat ist nur verständlich. Das braucht einfach seine Zeit. Die Geschichte der beiden Fanlager ist lang und von viel Hass geprägt. Das verschwindet nicht von heute auf morgen.

    Könnten Sie mir bitte folgenden Satz näher erläutern:
    „…ist das kein intellektuelles Gebrei, was Sie von sich geben, sondern das, was ich soeben beschrieben habe.“

  14. @mtw

    Jetzt hören Sie mir gefälligst mal zu, mtw!

    (Eine zugegebenermaßen etwas schroffe Anrede, zu der ich aber nur deshalb Zuflucht nehme, damit Sie sich nicht unnötig ängstigen müssen, ich strebte eine Liebesbeziehung mit Ihnen an.)

    Es ist wahr, dass Markus Hesselmann darüber berichtet hat, bei welchen Gelegenheiten es ihm den Magen umdreht. Dass Sie dafür keinerlei Verständnis aufbringen können, durften wir alle zur Kenntnis nehmen. Herzlichen Dank dafür. Ich finde es nämlich immer interessant, über die unterschiedlichen Erfahrungen, die meine Mitmenschen bislang mit ihrem eigenen Körper machen durften, im Bilde zu sein.

    Da mich solche Dinge in der Tat interessieren, und es offenbar auch so ist, dass rechtsextreme Gewalt gegen andere Menschen bei Ihnen kein körperliches Unbehagen hervorruft, möchte ich Sie nun gerne folgendes fragen:

    Wie reagiern Sie denn auf rechtsextreme Gewalt? Mit völligem Gleichmut, oder sogar mit einem Gefühl von innerer Befriedigung oder gar Zustimmung? Gehören Sie zu jener Gattung, der es gegeben ist, just eben dann, wenn in einer U-Bahn drei Skinheads zusteigen und grundlos einen dunkelhäutigen Mitreisenden zusammenschlagen, nur mal kurz aufzuschauen, ehe Sie in aller Seelenruhe die nächste Seite in dem Sportteil Ihrer Zeitung umblättern?

    Bitte nicht böse sein! Ich frage ja nur, da es in dem Beitrag von Markus Hesselmann – die Überschrift deutet es ja schon an – um Krankheitszustände geht.

  15. Lieber mtw (ganz ohne Liebesbeziehung),

    Sie fragen, was ich meine mit:
    „Wenn Sie schreiben „Bitte verschonen Sie uns und den Tagesspiegel in Zukunft mit Ihrem linken Gutmenschen-Geschwätz“ dann ist das kein intellektuelles Gebrei, was Sie von sich geben, sondern das, was ich soeben beschrieben habe.“

    Ihr intellektuelles Gebrei ist nichts anderes als das, was andere vor Ihnen mit anderen Worten kurz und knapp ausgedrueckt habe, „sowas brauchen wir hier nicht“. Das sagen Sie damit.

    „Ich habe nie behauptet dass wir in Deutschland keine Probleme haben“.
    Darum geht es auch gar nicht. Eine sozialoekonomische gesellschaftsanalytische Studie ist ueberhaupt nicht angebracht. Markus Hesselmann hat lediglich etwas geaeussert, was einen Berliner schon mal aus der Fassung bringen kann: ein Gefuehl. Ihm ist zum Kotzen. Mehr nicht.

  16. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, es geht mir nicht aus dem Sinn, was mtw in seinem Beitrag um 11:01 Uhr heute morgen über den Hass einiger Deutscher auf die Engländer schrieb: „Das sich dieser Hass bei den Deutschen nicht automatisch auch sofort verflüchtigt hat ist nur verständlich. (…) Das verschwindet nicht von heute auf morgen.“

    Ja klar, wen es offenbar danach drängt, Entschuldigungs- oder Rechtfertigungsgründe für deutschen Hass vorzutragen, der trägt sie halt vor.

  17. @Markus Hesselmann
    „Wobei ich mich weder im Glanze des Künstlers sonnen, noch eine historische Parallele ziehen möchte.“
    Das wuerde ich auch niemals erwarten von Ihnen, ist doch Liebermann nur das beste Beispiel wie man kurz und knapp einen unangenehmes Ereignis auch beschreiben kann 😀

    @ tbw:“es geht mir nicht aus dem Sinn, was mtw in seinem Beitrag um 11:01 Uhr heute morgen über den Hass einiger Deutscher auf die Engländer schrieb …“
    Machen Sie sich keine Gedanken darum. Ein Berliner findet immer eine Erklaerung, warum er gerade jetzt Gruende hat, unhoeflich, abwertend, missgestimmt, pessemistisch zu sein. Und wenn es keinen Grund gibt, erfindet er ihn und schon gehts ihm gut.

  18. @ Ben

    Also, ob mtw für sich in Anspruch nehmen könnte, für die große Mehrheit der Berliner repräsentativ zu sein, das will ich mal lieber mit drei großen Fragezeichen versehen. (Nicht, dass das hier jemand behauptet hätte…)

    Aber auch wenn es natürlich stimmt, dass die Berliner gerne mal kläffen und bellen, muss ich eben auch sagen, dass mir einer mit Berliner Schnauze in der Regel viel sympathischer ist als einer mit einer englischen stiff upper lip. Von dem früher oft gerühmten Berliner Wortwitz war bei mtk hier allerdings überhaupt nichts zu sehen.

    Dafür war aber – so wie immer – wieder einmal sehr aufschlussreich, Ihre Kommentare zu lesen, lieber Ben (man traut es sich hier ja kaum, diese Anrede noch zu benutzen). Vor allem Ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Publikum in London und Berlin während der WM 2006 fand ich sehr interessant.

  19. @SZ

    Danke für diesen jüngsten Beitrag in der Endlos-Serie „Der Deutsche, das verfolgte Wesen“. Das Stück wird in Deutschland schon seit Napoleons Tagen permanent aufgeführt, und findet offenbar noch immer sein dankbares Publikum. Eine Absetzung vom Spielplan ist vor diesem Hintergrund nicht in Sicht. Da diese immer gleiche Nummer mittlerweile ein Selbstläufer ist, müssen Beweise für die These von der Verfolgung der Deutschen gar nicht erst beigebracht werden. Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung ist das neueste Beispiel dafür. Die Unschuldsvermutung gibt es schließlich nur im Gerichtssaal, nicht aber auf dieser Bühne. England ist die Heimat der Missgunst, und wir Deutschen sind edel. Applaus.

  20. Sorry, ben, Ihr Kommentar landete zunächst in der so genannten Moderation, das heißt, ich musste ihn erst freischalten. Eigentlich ist hier alles frei eingestellt und das soll auch so bleiben.

Kommentare sind geschlossen.