Hitler aus Wachs

Das moderne Deutschland hat verstanden, dass die Geschichte wichtig ist – das ist ein Grund, warum die Geschichte nicht mehr alles überlagert. Dieser kluge Satz stammt von einem Briten, Bürger eines Landes, das seit der Nazi-Zeit besonders kritisch auf Deutschland schaut. Steve Crawshaw, Autor des Buches „Easier Fatherland. Germany And The Twenty-First Century“, will damit sagen, dass das wiedervereinigte Deutschland zu sich gefunden hat: Es leugnet oder verdrängt die Nazi-Zeit nicht mehr, es ist aber auch nicht mehr grüblerisch und voller Selbstzweifel davon besessen. Mehr als sechs Jahrzehnte nach Kriegsende sei eine Balance gefunden. Vor diesem Hintergrund wirkt der Aufschrei wegen einer Wachsfigur in der neuen Berliner Dependance von Madame Tussaud wie ein kleiner Rückfall in die Zeit von Verdrängung auf der einen und ritueller Selbstzerfleischung auf der anderen Seite. Hitler ist eine Figur der deutschen Geschichte, also gehört er in jede Ausstellung, die einen Überblick über deutsche Kultur, Politik und Geschichte bietet – auch in der populären Form eines Wachsfigurenkabinetts. Rührend die Einlassung des Berlin-Vermarkters Nerger: Hitlers Wachsfigur sei wohl keine Gefahr für den Tourismus. Nerger weiß genau, dass gerade dieser Teil der deutschen Geschichte Touristen anzieht. Und Berlin leugnet dies ja auch nicht, sondern geht damit verantwortungsvoll um. Hitler aus Wachs, nicht in Heldenpose, sondern zum Untergang verurteilt im Bunker, ist dazu ein weiterer Beitrag.
Hier hinter diesem Link gibt es auch die Gegenmeinung.
Und hier eine Internet-Abstimmung zum Thema.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

21 Gedanken zu „Hitler aus Wachs“

  1. Würde die englische Presse ähnlich oft wie dieses Blog über Deutschlands historische ‚Bewältigung‘ des Nationalsozialismus berichten, würden die Zeitungen von der Insel in Deutschland möglicherweise öfters gelesen werden. Trotzdem ist es natürlich gut, dass solche Obsessionen nicht europaweit Allgemeingut sind.

    Im übrigen freue ich mich aber, dass in Deutschland intensiv über den Nationalsozialismus, seine Ursachen und die Folgen geforscht und berichtet wird. Andernfalls würden sich viele Deutsche wohl auch heute noch der unmittelbar nach 1945 gepflegten Illusion hingeben, es hätten sich in der Zeit des Dritten Reichs nur wenige Deutsche mit Schuld beladen.

    Kurz und gut: die Forschungsergebnisse der qualitativ höchst beeindruckenden deutschen Geschichtswissenschaft, und die Verbreitung der von ihr gewonnenen Einsichten durch Presse und Medien, dienen der Aufklärung. Mehr kann Beschäftigung mit der Geschichte ja auch gar nicht leisten, weil Geschichte nie ‚bewältigt‘ werden kann. Dies festzustellen heißt nun aber nicht, dass ich verkennen würde, dass es in Deutschland auch so etwas wie ein ‚Bewältigungsbedürfnis‘ gibt. Dieses Bedürfnis lässt sich zuweilen selbst da verorten, wo der Begriff ‚Bewältigung‘ gar nicht gebraucht wird. (Auch Markus Hesselmann verwendet diesen Begriff hier ja nicht.)

    Ich glaube, dass dieses offenbar seelische Bedürfnis nach einer ‚Bewältigung‘ auf einem nationalen Identitätsproblem beruht. Wollte man nun aber annehmen, dass jeder Deutsche von diesem Bedürfnis in gleicher Weise gefangengenommen sei, wäre man gewiss auf dem Holzweg. Einerseits.

    Andererseits kann aber auch nicht ignoriert werden, dass die in Deutschland im europäischen Vergleich relativ geringe Skepsis gegenüber den Bestrebungen, einen europäischen Einheitsstaat zu errichten, erklärungsbedürftig ist. Kann es sein, dass ein womöglich unbefriedigt gebliebenes ‚Bewältigungsbedürfnis‘ hierfür eine Ursache ist? Ausschließen kann man es nicht. Wünschenswert wäre gleichwohl, dass die Mehrheit der Deutschen andere Schlussfolgerungen aus ihrer Geschichte gezogen hätte, als jene, dass es nunmehr angezeigt sei, sich möglichst unkritisch der EU hinzugeben.

    Die Begeisterung für die Errichtung eines neuen Großreichs, das sich zwar machtpolitisch mit China und den USA auf gleiche Augenhöhe begeben könnte, das aber im Vergleich zur früheren Bundesrepublik weit weniger demokratisch sein wird, ist jedenfalls nur ein schwacher Beleg für die These, dass sich das heutige Deutschland vom früheren fundamental unterscheide.

    Erst wenn der Blick auf Auschwitz gerichtet wird, ändert sich wieder die Perspektive. Dass ein solches Verbrechen heute in Deutschland noch einmal möglich sein würde, darf mit gutem Grund für äußerst unwahrscheinlich gehalten werden.

    Hat man dies also alles erst einmal ins Auge gefasst, wird plötzlich erklärbar, wieso es keineswegs in einem Widerspruch zueinander steht, dass sich Gerhard Schröder als Bundeskanzler erstens weigerte, mit Jacques Chirac an der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs teilzunehmen; dass er sich zweitens aber ein ‚Holocaust‘-Mahnmal wünschte, „zu dem die Deutschen gerne hingehen“; und dass seine Regierung drittens den EU-Verfassungsvertrag auf den Weg brachte, der die inhaltliche Grundlage jenes Lissaboner Vertrags bildet, der demnächst wohl in Kraft treten wird.

    Mein Fazit lautet vor diesem Hintergrund: Ja, die überwältigende Mehrheit der Deutschen schaut heute mit Widerwillen auf das Dritte Reich. Aber durch die Fixierung auf dessen Verbrechensgeschichte gelingt es zugleich eben auch, die Mängel des Zweiten Reichs aus dem Blick zu verlieren. Es war das Zweite Reich, das Wilhelminische Kaiserreich also, in dem Weltmachtambitionen und die fehlende parlamentarische Verantwortlichkeit der Regierung Hand in Hand gingen.

    Mit etwas Aufwand ließen sich gewiss Gründe finden, mit denen sich die These vertreten ließe, dass keineswegs eine politische Kontinuitätslinie vom Wilhelminismus zum Lissaboner Vertrag führe. Aber wer wollte eine solche These erstens schon aufstellen? Und wer wüsste zweitens denn nicht, dass sich natürlich immer Gründe finden lassen, wenn eine These aufgestellt werden soll…

  2. Ich hätte wohl gut daran getan, im vorletzten Absatz meines obigen Kommentars von ‚Abscheu‘ statt von ‚Widerwillen‘ zu sprechen. Mit Abscheu schaut heute die Mehrheit der Deutschen auf das Dritte Reich! Aber nicht widerwillig.

  3. Selten so einen Schwachsinn gelesen wie diesen Text auf london.tagesspiegel.de. Von Erinnerungsabwehr gerade im Reden über den Untergang, von Antisemitismus – sekundärem – hat dieser Mann noch nie gehört. Peinlich wäre euphemistisch für so einen deutsch-nationalen Müll. Grotsk, abstossend und ein Freibrief für antijüdische Agitation, ob kulturindustriell verbrämt wie bei Hirschbiegel oder als Wachsfigur.
    Mit schönen Grüßen, Dr. Petra Mayer, Berlin

  4. Was war denn das für ein Blitzkrieg-Kommentar? Offenbar schützt auch Promotion nicht vor solcher Kurzschlussdenke. Dabei würde ich mich gern in aller Demut von Dr. Mayer über Erinnerungsabwehr und sekundären Antisemitismus aufklären lassen (und dann weiter darüber diskutieren). Vielleicht ginge das ja dann auch ohne unter strengstem Denkverbot in die deutsch-nationale Ecke gestellt zu werden.

  5. @ Petra Mayer

    Also, man kann mir ja vorwerfen, dass der Kommentar, den ich oben schrieb, viel zu lang geraten sei. Immerhin kann ich dafür aber für mich in Anspruch nehmen, mich zumindest darum bemüht (!) zu haben, meine eigene Kritik für den Leser nachvollziehbar zu machen. Wollten Sie nun für sich dasselbe in Anspruch nehmen, hielte ich das für unbegründet. Mir blieb jedenfalls schleierhaft, was Sie uns eigentlich genau sagen wollten.

    Eines haben Sie mit Ihrer Schnellfeuerwaffe gleichwohl erreicht: es gelang Ihnen, Markus Hesselmann aus der Reserve zu locken. Mir gelingt das mit meiner Kritik an den politischen Botschaften, die er immer wieder zu transportieren versucht, leider schon lange nicht mehr.

    Das, was mich an ihm am meisten ärgert, ist nicht seine politische Haltung an sich, sondern die Art und Weise, wie er sie in die Köpfe seiner Leser einzupflanzen versucht. Das geschieht immer so en passant, ganz lässig, wie nebenbei. Da wird mal diese und mal jene Äußerung gemacht – ganz so, als ob der unkritische Leser dazu verführt werden solle zu meinen, dass man mit gesundem Menschenverstand ja wohl kaum zu einer anderen Sicht der Dinge gelangen könne.

    Da ich aber nun mal politisch in einigen Fragen andere Auffassungen habe, ist es kaum verwunderlich, dass ich so manches von dem, was Markus Hesselmann hier veröffentlicht, als sehr provozierend empfinde – und mich dann eben zu einem Gegenkommentar provozieren lasse.

    Dass bei mir noch ein gewisser Übereifer hinzukommt, wenn es darum geht, vor den Folgen des Lissaboner Vertrags zu warnen, weiß ich. An diesem Übereifer ist Markus Hesselmann nun sicher nicht schuld. Eher schon trifft die Schuld daran mich selbst und all jene Politiker, die diesen Vertrag auf den Weg gebracht haben.

    P.S.: Hinter dem Wort ‚bemüht‘, habe ich oben ein Ausrufezeichen gesetzt. Es mag ja sein, dass es mir in Wahrheit gar nicht gelang, meine Gedanken nachvollziehbar rüberzubringen. Aber bemüht habe ich mich. Deshalb das Ausrufezeichen.

  6. Ja, da haben Sie Recht, Deutsche bemühen sich immer… Ob das auf Dauer reicht? Wer Hitler als Wachsfigur darstellt historisiert ihn und den Nationalsozialismus, der damit zu einem goutierbaren Event wird wie die WM 1954 oder was immer. Diese Art von Abwehr der Erinnerung – denn weder diese Wachsfigur noch der Untergang gehen auf die Ermordeten ein. Das nennt die Wissenschaft eine Abwehr der Erinnerung, einen „sekundären Antisemitismus“ (Adorno). Es ist zudem Ausdruck des Historismus Geschicht so darzustellen, als sei sie hier im Wohnzimmer fühlbar, und das OHNE auch nur zu versuchen, Gesellschaft als ganze zu hinterfragen, zu analysieren, was warum geschah. Es wird nur erzählt und sich in Sofakissen oder eben in Wachsfiguren eingedacht, gegrinst und Udo Voigt legt ne Blume über den Arm des Wachs-Hitler. Und der Tagesspiegel kapiert es nicht.
    Mit schönen Grüßen,
    Dr. Petra Mayer

  7. Frau Dr. Mayer,

    wenn Sie gegen eine Darstellung Hitlers als Wachsfigur sind, dann sprechen Sie sich doch sicherlich auch gegen Honecker- und Stalin-Wachsfiguren aus. Oder?

  8. @ Petra Mayer

    Vielen Dank für die Erläuterung der Überlegungen, die hinter Ihrer Kritik stehen. Ja, jetzt ist auch für mich gedanklich nachvollziehbar, worin Ihr Vorwurf besteht.

    Was nun aber diese komische Wachsfigur angeht, habe ich leider gar keinen entschiedenen Standpunkt. Selbst wenn Ihre Kritik noch so berechtigt wäre, scheint mir, dass man die Bedeutung dieses Wachsfigurenkabinetts nicht zu hoch hängen sollte. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die hohen Besucherzahlen, die im Informationszentrum unter dem Holocaust-Mahnmal Tag für Tag zu verzeichnen sind, von dem Wachsfigurenkabinett selbst dann nicht annähernd erreicht werden könnten, wenn irgendwann einmal auch noch ein gewachster Heinrich Himmler neben Willy Brandt aufgebaut werden würde.

  9. An dieser Stelle ist übrigens auch der Zentralrat der Juden zu kritisieren. Damals noch unter Leitung von Paul Spiegel, der sich in Hinblick auf die Hitler-Wachsfigur wie folgt äußerte: „Unter dem Deckmantel der Kunst kann man nicht Verbrecher mit Größen der Geschichte auf eine Stufe stellen.“
    Demzufolge waren also Stalin und Honecker Größen der Geschichte – und mir wird gerade schlecht.

  10. Soso, Hitler würde damit historisiert. Ist er denn keine Gestalt der deutschen Geschichte?

    Zu einem typischen Touristen-Besuch gehören der Führerbunker und das Holocaust-Mahnmal. Und wenn man jetzt zu Madame Tussauds geht, sieht man eine lebensgroße Figur der Persons, die beides zu verantworten hat. Wie ist das eine Abwehr der Erinnerung? Womöglich beginnt der ein oder andere Besucher, sich zu fragen, wie eine so wenig beeindruckende Gestalt einen derartigen Einfluss auf ein ganzes Land haben kann und wird so stärker motiviert sich mit dem Thema eingehender zu befassen, als durch tausend Stunden Geschichtsunterricht.

    Dann ist da noch das Problem, dass Hitler als Mensch dargestellt wird, und nicht als Monster: wer wird schon gerne daran erinnert, dass Menschen ihren Artgenossen Schlimmeres antun, als jede andere Spezies?

  11. @ Wahr-Sager

    Wusste denn Paul Spiegel, als er diese Äußerung machte, dass dort auch Stalin ausgestellt wird, oder war Ihr Kommentar nur eine willkommene Gelegenheit, einmal Kritik am Zentralrat der Juden zu üben?

    Falls letzteres zutreffen sollte: Wenn ich mich mal über eine unpassende Bemerkung des hessischen Ministerpräsidenten ärgere, stelle ich nicht gleich das ganze Bundesland Hessen dafür an den Pranger. Dafür, dass Sie hier methodisch anders vorgehen, wird es sicher Gründe geben. Ich hoffe nur, es sind gute.

  12. @tbw:

    Wenn jemand äußert, dass in einer Ausstellung „Größen der Geschichte“ ausgestellt werden, sollte dies eigentlich implizieren, sich dessen bewusst zu sein, wer dort ausgestellt wird. Oder wie würden Sie die Aussage Spiegels interpretieren?

    Und wie soll ich Ihre Äußerung in Hinblick auf Kritik am Zentralrat der Juden deuten?
    Natürlich ist es eine Gelegenheit (von mir aus auch „willkommen“), diesen Zentralrat zu kritisieren, oder darf er nicht kritisiert werden?

    Ich kann Sie beruhigen, ich bin kein Antisemit. Dies aber hindert mich nicht daran, berechtigte Kritik auszuüben.
    Allerdings ist es schon traurig, dass heutzutage oft schon bloße Kritik an Juden als Antisemitismus ausgelegt wird.

  13. Zusatzbemerkung: Wenn ich sage, dass es auch unter Juden Heuchler gibt, bin ich dann schon ein Antisemit?
    Diese Frage stelle ich nicht ohne Grund, weil im Blog Fact-Fiction u. a. ein kritischer Artikel über den ZdJ veröffentlicht wurde:
    http://fact-fiction.net/?p=524 („Zentralrat der Juden als Hexenjäger“)

  14. @ Wahr-Sager

    Dass es bei uns in Deutschland einen Übereifer gibt, hinter jeder Kritik am Zentralrat der Juden sofort Antisemitismus zu wittern, ist richtig. Dieser Übereifer ist aber normalerweise nicht bei den in Deutschland lebenden Juden, sondern bei den nicht-jüdischen Deutschen feststellbar. Juden haben meistens ein gutes Gespür dafür, Antisemitismus von sachlicher Kritik zu unterscheiden.

    Mir ist besonders unangenehm ein Bewerbungsgespräch in Erinnerung, zu dem ich mich vor drei Jahren begab. Es ging um eine Stelle im Bildungsbereich. Nachdem die Dame, bei der ich mich vorstellte, mindestens drei Mal ohne zwingenden Grund betont hatte, dass ihr die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ein besonders wichtiges Anliegen sei, erlaubte ich mir den Hinweis, dass man schon aufpassen müsse, es mit der ständigen Thematisierung DIESES EINEN Themas nicht zu übertreiben.

    Na, da war aber was los! Es hat mich gehörige Mühe gekostet, mein Gegenüber davon zu überzeugen, dass ich alles andere als ein Neonazi bin. Dass mir zumindest dieses im Lauf des Gesprächs doch noch gelingen würde, war lange Zeit keineswegs absehbar. Dass die Dame aber auf keinen Fall jüdisch sein konnte, sondern einfach nur deutsch war: das merkte ich an der völlig unangemessenen Reaktion auf die von mir gemachte Äußerung sofort.

  15. Es gibt sicherlich auch Juden, die den Zentralrat der Juden kritisieren. Zumindest einer von ihnen hat auch schon im vorhin genannten Blog geschrieben.
    Es ist also keineswegs so, dass alle Juden einer Meinung sind.

    Ich kann mir die Situation im Bewerbungsgespräch lebhaft vorstellen. Derartige Personen scheinen ohne die Beschäftigung mit dem Holocaust oder Nazis gar nicht lebensfähig zu sein.
    Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt von „Antifaschismus“ in Verbindung mit dem „Kampf gegen rechts“, der sich zu einem einträglichen Geschäft entwickelt hat.
    Diese ganze Selbstbeweihräucherung à la „Ich bin so gut, weil ich gegen Nazis bin“ geht mir dermaßen auf den Senkel – das glauben Sie gar nicht.
    Meine Erfahrungen (und das sind einige) mit sog. „Antifaschisten“ sind in der Regel negativ – im Verlauf einer Diskussion entpuppten sie sich rasch als profilierungssüchtige, aggressive Zeitgenossen, die Andersdenkende als Nazis stigmatisieren.
    Meiner Ansicht nach ist man entweder im Herzen Antifaschist oder gar nicht – eine öffentliche Zurschaustellung dient nur der eigenen Profilierung. Schließlich trage ich auch kein T-Shirt oder eine Plakette mit der Aufschrift „Ich hasse Kinderschänder!“.

  16. @ Wahr-Sager

    Auch auf die Gefahr hin, dass Sie das gar nicht nötig haben, hier mal ein kleiner Tipp von mir: wenn einer zwar auf den Nationalsozialismus schaut, daraufhin aber ständig von der Notwendigkeit eines ‚Antifaschismus‘ spricht, dann muss man in der Mehrheit der Fälle davon ausgehen, dass dem Betreffenden nicht an einer wirklich kritischen Auseinandersetzung mit den Ursachen des Nationalsozialismus gelegen ist. Ansonsten würde er nämlich nicht den deutschen Nationalsozialismus mit allen anderen Erscheinungsformen des Faschismus in einen gemeinsamen Topf werfen. Wo dies dennoch geschieht, geht es oft gar nicht darum, sich kritisch mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, sondern nur darum, unter linken politischen Vorzeichen gegen den Kapitalismus Stimmung zu machen. Letzteres ist zwar erlaubt, trägt nun aber wirklich nicht allzu viel zur Aufklärung über die geschichtlichen Wurzeln des Nationalsozialismus bei.

    Der entschiedene Nazi-Gegner Sebastian Haffner, der in der Zeit des Dritten Reichs als Exilant in England lebte, hat schon während des Zweiten Weltkriegs den ‚Antifa‘-Predigern immer wieder den Vorwurf gemacht, dass sie vom Nationalsozialismus und den Nazis, gegen die sie ja angeblich kämpften, in Wahrheit kaum etwas richtig verstanden hätten.

  17. Auch wenn ich Ihren Tipp schon kenne, haben Sie es in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Den heutigen „Antifaschisten“ geht es um eigene Interessen, für die sie als Alibi den Nationalsozialismus brauchen. Oder – um es mit anderen Worten auszudrücken: Wie schön für die Antifa, dass es Nazis gab.
    Dass diese Möchtegern-Antifaschisten in Wahrheit von Nationalsozialismus gar nichts verstehen, haben sie ja schon öfters unter Beweis gestellt (und tun es immer noch). Während der WM 2006 z. B. hat eine Trulla von der umbenannten SED-Partei drei T-Shirts im Tausch für die Deutschlandfahne angeboten. Es handelt sich hierbei um die zwar schöne, aber dumme PDS-Frau Julia Bonk, die offenbar nicht weiß, dass die Nationalsozialisten die schwarzrotgoldene Flagge nie verwendeten.

  18. Mir fiel übrigens schon vor einiger Zeit ein IMO guter Spruch ein: Nazis & Antifa raus! 😉

  19. Noch mal eine Anmerkung zum Stichwort ‚Faschismus‘:

    Es liegen meines Erachtens ja nun doch Welten zwischen der Politik Adolf Hitlers und der Politik, die António de Oliveira Salazar in Portugal betrieb. Faschistisch war Salazar sicher auch, aber das kann man doch nicht auf die gleiche Stufe wie Hitler stellen!

    Und zur Vermeidung von Missverständnissen:

    Ich habe ja nun schon mit dem beträchtlichen Demokratiedefizit der EU des Lissaboner Vertrags größte Schwierigkeiten – da versteht es sich wohl von selbst, dass ich erst recht das Regierungssystems eines Salazar ablehnen würde! (Nicht, dass mir hier noch jemand den Vorwurf macht, ich wolle die Möglichkeit eines ‚guten Faschismus‘ propagieren!)

  20. Ach dunkle Gsschichte sollte gezeigt werden. Besucher sollten wissen, wem wir den verlorenen Krieg zu verdanken haben und sollten die kuemmerliche Seite des grossen Feldherrn sehen.

  21. @ Werner Hauer

    Es ist wahr, dass Hitler (bzw. das damalige Deutschland) einen Krieg vom Zaun brach, der mit der militärischen Niederlage Deutschlands endete. Halten Sie es es dennoch für denkbar, dass es viel gewichtigere Gründe dafür gibt, Hitler mit Entschiedenheit abzulehnen?

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