Gordon Brown ist Avram Grant

Parallelen zwischen Fußball und Politik werden oft vorschnell gezogen, doch der Vergleich zwischen Gordon Brown und Avram Grant drängt sich auf. Britanniens Premier und Chelseas Trainer sind sich sehr ähnlich – nicht nur vom bärigen, leicht unbeholfenen Erscheinungsbild her. Beide sind spät ganz nach oben gekommen. Beiden wird das Amt nicht wirklich zugetraut. Beide haben glamouröse Vorgänger – Tony Blair und José Mourinho -, gelten aber selbst als farblos. Beide sind gut gestartet und haben dann Probleme bekommen. Beide haben Visionen (Browns Britishness, Grants entertaining football), während die Fans vor allem gewinnen und die Wähler vor allem genug Geld in der Tasche haben wollen. Wenn bei Grants Team ein Gegentor fällt, singen die Zuschauer: „You don’t know what you’re doing.“ Wenn Browns Umfragewerte fallen, schreiben die Zeitungen über innerparteiliche Nachfolgedebatten. Einen Vorteil hat der Premier gegenüber dem Trainer. Grant muss die Wende bis zum Saisonende in einem Monat schaffen. Brown bleiben noch zwei Jahre, bis er eine Wahl ausrufen muss.

P.S.: Kurz nach Niederschrift dieses Posts gab Avram Grant eine grandiose Pressekonferenz, ein Meisterwerk der einsilbigen Rhetorik. Transkript zum Beispiel hier.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.