Nicht übersetzt, aber gut (2): Ein großes Werk über den Holocaust

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Auf Bulgarisch und Mazedonisch liegt es vor, aber nicht auf Deutsch: Im Gegensatz zu anderen Büchern des britischen Historikers und Churchill-Biographen Martin Gilbert (zuletzt: „Sie waren die Boys“) wurde sein monumentales Werk „The Holocaust“ unerklärlicherweise nie ins Deutsche übersetzt. Es erschien 1986 und gab schon damals den Opfern eine Stimme, zwei Jahrzehnte vor Saul Friedländers auch in Deutschland gefeiertem „Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Vernichtung 1939 – 1945“. Vielleicht findet sich ja doch noch ein deutscher Verlag, der das Versäumte nachholt. (Erste Folge „Nicht übersetzt, aber gut“ hier.)

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

2 Gedanken zu „Nicht übersetzt, aber gut (2): Ein großes Werk über den Holocaust“

  1. Auch nicht übersetzt, aber gut: Emmanuel Todd’s Buch „L’invention de l’Europe“. Ja, gut: es ist eine französische Publikation! Was soll also der Hinweis auf Todd’s Buch in diesem (!) Blog?

    Hm. Also, zum einen hat Todd in Cambridge studiert, zum anderen (und das ist viel wichtiger): man fängt plötzlich an zu verstehen, warum sich Großbritannien und Deutschland politisch und geschichtlich so unterschiedlich entwickelten. (Noch interessanter, weil noch gegensätzlicher ist Todd’s Gegenüberstellung von Frankreich und Deutschland.)

    Und: man erkennt auch, warum es innerhalb Großbritanniens so starke regionale (!) Gegensätze in der Frage politischer Präferenzen gibt. Die Ablehnung, die Engländern in Teilen von Wales oder Schottland entgegenschlägt, verwundert nach der Lektüre des Buchs ohnehin nicht mehr…

    Das Interessante ist, dass Todd nicht etwa politische Geschichte, sondern regionale Unterschiede in bezug auf früher vorherrschende Familienstrukturen miteinander vergleicht. Seine These, dass diese einstigen Unterschiede auch heute noch politisch wirksam sind, wird sehr plausibel begründet.

  2. Um kurz noch mal zur eigentlichen Frage zurückzukehren, die Markus Hesselmann aufwarf: Warum wurde Gilberts Buch ‚The Holocaust‘ eigentlich nicht ins Deutsche übersetzt?

    Vielleicht führt ja der Link (The Holocaust) in Hesselmanns Beitrag zu einer Antwort? Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Schwächen des Buchs, auf die Fritz Sterns Rezension in ‚Foreign Affairs‘ ausdrücklich hinweist, ein Grund dafür gewesen sein könnten, dass sich kein deutscher Verleger fand. Trotzdem ist es natürlich schade, dass infolgedessen auch die offenbar erschütternden Augenzeugenberichte nicht auf Deutsch vorliegen.

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