Mit Muffelhansa von City nach Tegel

Während sich ganz Deutschland wegen des Heathrow-Kofferdramas nicht mehr einkriegt, hatte ich die Ehre, nach langer Zeit mal wieder mit Lufthansa zu fliegen, der deutschesten aller Fluglinien. Ist ja an sich angenehm, dass Lufthansa jetzt einen halbwegs günstigen Flug von London-City nach Berlin-Tegel anbietet. Und der kompakte City-Airport ist nun wirklich kein Vergleich mit dem gefallenen Riesen Heathrow (aber auch keiner mit Tempelhof, liebe Schließungsgegner, alle Argumente in dieser Richtung sind unsinnig, weil City trotz seines Namens kein Innenstadtflughafen ist, sondern von der Stadtrandlage her sogar eher mit Schönefeld vergleichbar). Aber dann: auch hier Verspätung. Schon vor dem Start. Eine Durchsage der Crew nach dem Boarding wälzt die Schuld erst einmal souverän auf die Reinigungstruppe ab. Bald darauf gibt die Stewardess mit bösem Blick und fuchtelnden Händen zu verstehen, dass sie beim Durchzählen der Passagiere nicht mit Kundenfragen behelligt werden will. Hätte man doch wissen müssen, dass sie gerade über Zahlen meditiert. Und nach der Landung in Tegel gibt es selbst nach einer mehr als halbstündigen Verspätung keine Entschuldigung. Man selbst war ja nicht schuld, sondern die Putzfrau. An das liebenswerte britische Chaos habe ich mich nach einem Jahr London gewöhnt. An deutsche Arroganz auch nach vierzig Jahren nicht.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

8 Gedanken zu „Mit Muffelhansa von City nach Tegel“

  1. „…City trotz seines Namens kein Innenstadtflughafen ist, sondern von der Stadtrandlage her sogar eher mit Schönefeld vergleichbar“

    Hä? „Inner London“ immerhin (wenn auch knapp, und etwas östlich), und „City“ heißt ja auf Britisch nicht „Innenstadt“, und erst recht nicht in London, wo das Wort „Banken- und Wirtschaftsviertel“ bedeutet.

    Ich bin einmal von Tempelhof nach London City und zurück geflogen. War sehr angenehm, und komischerweise extrem billig. Eine Woche später gab’s die (sogar Lufthansa-)Verbindung aber nicht mehr…

    (Und wenn London City mit Schönefeld vergleichbar ist, dann ist Heathrow praktisch Halle/Leipzig, Luton Frankfurt/Hahn und Stansted Bremer(flug)haf(v)en. Warte mal, das stimmt sogar fast doch).

  2. betr.: die lieben Schließungsgegner

    Wieviel Nützliches und Zweckmäßiges könnte doch in Berlin bewirkt werden, wenn jedes Mal, wenn ein nützlicher oder zweckmäßiger Vorschlag gemacht wird, die Berliner massenhaft ins Rathaus stürmten, um über diesen Vorschlag einen Volksentscheid herbeizuführen.

    Es waren aber nicht Fragen der Nützlich- oder Zeckmäßigkeit, sondern es war das pure Sentiment, das den kommenden Volksentscheid über die Schließung von Tempelhof herbeigeführt hat. Ich meine, der Senat wäre gut beraten, den Schließungsgegnern entgegenzukommen und nicht auf ihren Gefühlen herumzutrampeln. Das linksgrüne Milieu trug doch schon in Sachen Dutschke-Straße einen Sieg davon. Da sollte es ihm nicht so schwer fallen, in Sachen Tempelhof nun auch der anderen Seite mal einen Erfolg zu gönnen.

    Apropos Dutschke-Straße: die dort erscheinende taz, die sich ja besonders für den Namen Dutschke-Straße engagierte, veröffentlichte nun ein Interview mit „unserem“ Lord Dahrendorf, der für die LibDems im britischen Oberhaus sitzt. Eine kleine Kostprobe aus dem Gespräch: „Seien wir ehrlich: Dutschke war ein konfuser Kopf, der keine bleibenden Gedanken hinterlassen hat“. So weit Lord Dahrendorf. (Nein, ich muss nicht immer widersprechen, wenn sich ein LibDem äußert. Gelegentlich stimme ich sogar leidenschaftlich zu.)

  3. Schafft die Funktion „Kommentar hinterlassen“ ab!
    (Das war mein einziger und letzter, versprochen!)

  4. Schafft die Kochtöpfe, Herdplatten, Rührlöffel ab!

    Nur Harry Truman darf bleiben.

    Aber nicht etwa wegen Hiroshima. Sondern nur deshalb, weil er einst sagte: „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen!“

  5. Meine innere Stimme lässt mir keine Ruhe. Ich bilde mir ein, dass ich mit Schuld beladen bin. Und das aus gutem Grund: Obwohl ich gern und oft koche, würze ich öfters zu stark. Die Gerichte aus meiner kleinen Küche lösen daher zuweilen eine Magenverstimmung aus.

    Um eine kürzlich entstandene Magenverstimmung zu mildern, reiche ich nun einen Eierkuchen nach. Jeder kann ihn bedenkenlos essen, denn ich habe ihn nicht selbst gebacken, und obwohl er süss schmeckt, ist er zuckerfrei!

    Und hier kommt er:

    „…ein anständiger, ehrlicher und vertrauenswürdiger Mann.“ Gemeint ist: Rudi Dutschke. Gesagt hat’s: Ralf Dahrendorf. In demselben Interview, aus dem ich mich neulich bedient hab‘, als ich zuviel Essig dazugeben wollte.

    Okay. Das war schon mal der Kuchenrand.

    Und jetzt kommt der eigentliche Kuchen:

    „…ich mochte ihn, weil er ehrlich und kein Duckmäuser war. Er war übrigens nicht frech, sondern tapfer, im allerbesten Sinn auch demütig – nicht von sich selbst besoffen, wie andere Menschheitserretter.“ Gemeint ist wieder: Rudi Dutschke. Gesagt hat’s diesmal: der mit Dutschke befreundete Wolf Biermann (in der Welt am Sonntag, am 08. Januar diesen Jahres).

    Wie gesagt: Eierkuchen hab‘ ich auch in meiner Küche.

    Nur mit Frieden und Freude tu‘ ich mich immer noch schwer. Daher jetzt noch mal Biermann über Dutschke, und zwar die ganze Stelle aus dem von mir zitierten Interview:

    „Der kam aus einer christlichen Familie. Er hatte diesen evangelischen Impetus eines wunderbar aufgeschlossenen Schwärmers. Das konnte er auch in die Menschen reinreden. Die Substanz war null. Aber ich mochte ihn, weil er ehrlich und kein Duckmäuser war. Er war übrigens nicht frech, sondern tapfer, im allerbesten Sinn auch demütig – nicht von sich selbst besoffen, wie andere Menschheitserretter.“

    Es geht hier nicht um Geschmacksfragen. Es geht um die Genießbarkeit. Wer nur scharf würzt, hat allen Grund, sich schuldig zu fühlen, wenn andere eine Magenstimmung davon tragen.

    So viel zum Thema ‚heiße Küche‘, Magenverstimmung und meine innere Stimme.

  6. ooooch, du lässt den City-Flughafen aber echt zu schlecht wegkommen. Die Lage ist doch 1A. 22 Minuten per DLR aus der City an den Check-In-Schalter. Das nenne ich ne gute Lage…

  7. Wenn die DLR-Bimmelbahn nicht gerade liegenbleibt… Und in Bank kann man zurzeit nicht vernünftig auf die U-Bahn umsteigen. Gestern war ich von Stansted aus in einer knappen Dreiviertelstunde zu Hause in Walthamstow. Auch nicht schlecht.

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