Kunst erklären, oder lieber nicht?

Zwei spektakuläre Kunstwerke ziehen derzeit in London die Zuschauer an: Doris Salcedos „Shibboleth“, ein langer Riss, der sich durch den Boden der großen Halle der Tate Modern zieht. Und Thomas Schüttes „Model for a Hotel 2007“, ein meterhohes, tonnenschweres Architekturmodell aus buntem Glas auf dem Trafalgar Square. Die Kolumbianerin und der Deutsche gehen unterschiedlich mit der ewigen Frage um: Was will uns der Künstler damit sagen? Thomas Schütte hält sich zurück, legt ein paar Fährten, weigert sich, eine schlüssige Erklärung zu liefern. Doris Salcedo bemüht sich um Klarheit, ordnet ihr Werk ein. Der Riss verweise auf die Trennung zwischen Reich und Arm, zwischen Nord und Süd, auch zwischen Londons Norden und Süden, lautet eine ihrer Eigeninterpretationen. Als ich dann über der Zickzack-Spalte stand, ging mir die Vorgabe der Künstlerin nicht aus dem Kopf. Meine Eindrücke, Gefühle und Gedanken standen unter Vorbehalt. Hätte die Künstlerin doch geschwiegen – oder hätte ich bloß nicht hingehört.

 Shibboleth crack in Soho Shibboleth Riss in Soho

Und was wohl dieser Shibboleth zu bedeuten hat, der sich jetzt mitten in Soho auftat? (Foto: Brock Craft)

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

2 Gedanken zu „Kunst erklären, oder lieber nicht?“

  1. Eher wohl die Bierleitungen. Weiß eigentlich jemand genau, warum einschlägige Biermarken hier auf der Insel so anders schmecken? Ein Bitburger ist kein richtiges Bitburger und ein Staropramen kein richtiges Staropramen, auch wenn’s auf dem Zapfhahn draufsteht.

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