Manchmal auch The Jam und Billy Bragg, aber größtenteils die Smiths

Dürfen Konservative einen guten Musikgeschmack haben? Die Smiths hören oder Billy Bragg? Und dann auch noch darüber reden? Auf der Insel ist eine Debatte um die politische Deutungshoheit im Pop entbrannt. Der linksliberale Guardian berichtet mit Abscheu und Empörung („Hands off our music!“) vom Versuch des Konservativenführers David Cameron, sich wie einst Morrissey, Marr und die anderen vor dem Salford Lads Club in Manchester fotografieren zu lassen. Ich hatte hier kürzlich schon auf den rebellenkompatiblen Musikgeschmack des Tory-Toffs Cameron hingewiesen. Er bekennt sich nicht nur zu Bob Dylan oder Billy Bragg, sondern sogar zum Thatcher-Hasser Paul Weller und The Jam. Deshalb gilt er als maßgeblicher Repräsentant der neuen 40-plus-Nomenklatura in Großbritannien, „The Jam Generation“. Den Begriff prägte Anne McElvoy, Kolumnistin beim Evening Standard und auch nicht gerade links. Mich überrascht das alles nicht wirklich. Bei meiner Pop-Sozialisation half mein Schulfreund Thomas mit. Er kiffte wie Cameron und spielte mir Joy Division oder die Dead Kennedys vor. Außerdem war er Mitglied der Jungen Union. Kanzlerkandidat wurde Thomas nicht, aber immerhin ein angesehener Geschäftsmann.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.