Das Auschwitz-Zitat des Tory-Chefs

Wie Zitate in britischen Medien, auch in seriösen, verdreht und zugespitzt werden, ist erstaunlich. Noch mehr beeindruckt mich, dass sich offenbar nie ein Leser darüber beschwert. „Gesagt“ wird hier ohnehin nie was, jeder Satz eines Politikers oder Fußballers oder die Reaktion darauf ist „jibe“, „quip“, „gaffe“, „outrage“, „blast“, „fury“, „backlash“ oder „fire“. Unter Feuer geriet nun David Cameron. Zeitungen vom Guardian bis zur Sun berichten, dass der konservative Oppositionsführer kritisiert werde, weil er regierungsgesponserte Schülerfahrten nach Auschwitz als „Gimmicks“ bezeichnet habe. Was hat Cameron wirklich gesagt? Er hat kritisiert, es sei ein „Gimmick“, erst solche Fahrten groß anzukündigen und sie dann nicht vernünftig zu finanzieren, so dass die Schüler und ihre Eltern immer noch selbst Geld aufbringen müssen. Klingt irgendwie anders als die hyperventilierenden Überschriften. (Camerons Rede ist hier nachzulesen.)

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.