Be Berlin und Totally London

Bevor ich nach London gezogen bin, habe ich gedacht, dass der Wunsch nach einer Imagekampagne typisch deutsch und typisch Berlinerisch ist. Das verbindet Nabelschau und die Angst, vor anderen schlecht dazustehen, auf produktive Weise. Seit ich in London lebe, weiß ich, dass die Briten auch nicht so sehr in sich ruhen, dass ihnen die Meinung der anderen egal sein könnte und sie sich dank ihrer Tradition selbst genügen. Viele hier, der Premierminister vorneweg, grübeln inzwischen in aller Öffentlichkeit darüber nach, was eigentlich Britishness ist. Und es gab sogar mal vor nicht allzu langer Zeit eine Imagekampagne für London, die Weltmetropole, von der man annehmen könnte, dass sie sowas nicht braucht. „Totally London“ hieß der dazugehörige Slogan. Umso mehr Verständnis habe ich jetzt für Berlins neue Werbung. „Be Berlin“ ist völlig okay. „Total Berlin“ hätte doch ein bisschen zu sehr nach Sportpalast 1943 geklungen.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.