Zu nackt für die U-Bahn

Cranach Venus Royal Academy of Arts
Ab zehn Grad und zwei Sonnenstrahlen sind Shorts, Flip-Flops und tief ausgeschnittene Tops im Londoner Stadtverkehr Pflicht. In der Sauna aber bleiben Badehose und Bikini an. London ist eine merkwürdige Mischung aus Burleske und Puritanismus. Viel zu sexy ist da deutsche Kunst aus dem 16. Jahrhundert. Ein Plakat zur kommenden Cranach- Ausstellung in der Royal Academy of Arts darf nicht mehr in U-Bahnhöfen hängen. „Wir müssen an die ganze Bandbreite unserer Fahrgäste denken und sicherstellen, dass niemand Anstoß an der Werbung nimmt“, sagte ein Sprecher von London Underground der Daily Mail. Man habe nun einmal keine B-Version, auf der die Venus angezogen sei, erwiderte ein Akademie-Sprecher. Man hoffe noch auf einen Sinneswandel der Sittenwächter, wolle sich aber ansonsten um ein weniger anstößiges Poster bemühen.

Autor: Markus Hesselmann

Tagesspiegel-Korrespondent Markus Hesselmann über Britisches, Allzubritisches aus der Metropole des Pop, des Fußballs, der Kunst und der Politik.

4 Gedanken zu „Zu nackt für die U-Bahn“

  1. Typical! Ist schon witzig, diese Mischung aus Pruederie und Dekolltes „bis zum Bauchnabel“ etc. hier.
    Uebrigens, ein Lesetip fuer alle ENGLANDinteressierten: Kate Fox, Watching the English, The hidden rules of English behaviour. Eine Antrophologin untersucht ihren eigenen Stamm – the English. Total witzig und lehrreich, gibt Eiblicke in das englische (nicht das britische) Seelenleben und die manchmal fuer Nichtenglaender etwas seltsamen Verhaltensweisen.
    Und an alle German Londoner, der Rest vom Land ist auch ganz interessant, auch wenn es die Londoner meinen, es ist NICHT der Nabel der Welt. Gruesse aus Hampshire

  2. @Iris Rogee: Und dann gibt es natürlich noch Agnes Poiret, die sich der Briten aus französischer Sicht annimmt: Touché. A French Woman’s Take on the English. Mein englischer Freund Mark sagt mir übrigens, dass es vielleicht sogar Interess an einem England-Buch für Engländer aus deutscher Sicht gebe. I doubt that. Gruß nach Hampshire. Sicher schön da, obwohl Prinzhorn Dance School gerade behauptet haben: „There’s no clean air in Hampshire“ (die sind auch keine Londoner, sondern leben in Brighton).

  3. Auf deutsch gibt’s schon so ein Buch, wenn auch ein bisschen aelter, trotzdem fuer Deutsche noch interessant: Hans-Dieter Gelfert, Typisch englisch. Wie die Briten wurden was sie sind.
    P.S. Who or what is Prinzhorn Dance School??? (Sorry, Unkenntnis liegt wohl am Alter)

  4. Das ist eine gute neue Band aus Brighton (mehr hier: http://london.tagesspiegel.de/?p=13). Peinlicherweise habe ich Hans-Dieter Gelferts Buch nie gelesen, obwohl ich sogar an seinem Institut an der FU Berlin studiert habe. Jetzt kann ich dieses Versäumnis ja zugeben, die Prüfungen sind 14 Jahre her. Und natürlich möchte ich für den Handapparat Britenethnologie noch die einschlägigen Standardwerke „Gebrauchsanweisung für England“ von Heinz Ohff und „Gebrauchsanweisung für London“ von Ronald Reng vorschlagen.

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